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Märchenschloss

In welcher Jahreszeit spielen Grimms Märchen? Meistens ist es eine neutrale Jahreszeit. Zumindest rodeln die Protagonisten nicht die verschneiten Hänge hinab. Trotzdem spielt Schnee wenigstens bei den Namen der Akteure eine gewisse Rolle. Ich erinnere an Schneeweißchen (und Rosenrot) und Schneewittchen (und die sieben Zwerge). Bei Frau Holle pudert zumindest die Goldmarie die Landschaften weiß und wird dafür reich belohnt. Das Märchen Die Schneekönigin stammt von Hans Christian Andersen. Auch hier ist es arg kalt.

Aber Rapunzel wohnt immer in der schönen, warmen Jahreszeit in ihrem Turm. Eigentlich ist es ja der Turm bösen Zauberin. Von Winter und Schnee scheint nie die Rede zu sein, obwohl Rapunzel ihre gesamte Kindheit und Jugend dort in Einsamkeit zubringt. Man könnte meinen, der Turm steht in einem Märchen- oder Zauberland. Aber das stimmt nicht. Dieser Turm, Rapunzel ist längst zu ihrem Prinzen gezogen, steht mitten in Frankfurt. Genauer gesagt im Stadtteil Sachsenhausen, direkt am Main. Die böse Zauberin hat das Weite gesucht. Der Anblick der riesigen Bankentürme hat ihr Angst eingejagt und sie ist schnurstracks ins Land Irgendwo geflüchtet. Heute beherbergen Turm und Schloss das Liebighaus, eine museale Skulpturensammlung.

Und natürlich macht der Winter mit seinem Schneegestöber keinen Bogen um den Rapunzelturm.

Hartnäckig hält sich das Gerücht, dass Rapunzel eine Zwillingsschwester hatte. Auch diese wurde als Neugeborene von einer bösen Zauberin in einen Turm gesperrt und später von einem Prinzen befreit und geehelicht. Dieser Turm steht in Thüringen. Es bleibt aber mutmaßlich der Turm einer bösen Zauberin, zu dem man kaum vordringen kann. Aber dazu demnächst mehr.