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Marienthalbrücke in Thüringen

Marienthalbrücke in Thüringen

Links ein Baum, rechts ein Baum, in der Mitte Zwischenraum. Stimmt nicht – in der Mitte steht die Marienthalbrücke. Das ist eine schöne, alte Steinbrücke. Sie verbindet die Ufer der Apfelstädt. Letzteres ist ein kleines Flüsschen im Landkreis Gotha, mitten in Thüringen.

Diese Brücke können nur noch Fußgänger und Radfahrer überqueren. Dicht daneben gibt es eine Straßenbrücke, die für den Autoverkehr zugelassen ist. 2010 wurde das Straßenpflaster der alten Steinbrücke durch eine Bitumendecke ersetzt – echt schick und passend. Es ist zum Heulen. Angeblich war dies als Notsicherung gegen Wasser, das in das Brückenbauwerk eingedrungen ist, gedacht. Es war sicher das Werk von irgendwelchen, beamteten Erfurter Kulturbanausen. Wahrscheinlich hundert Jahre nach dem nicht absehbaren Ende der Eurokrise wird die Brücke vielleicht mal repariert und das alte Straßenpflaster, falls es bis dahin nicht abhanden gekommen ist, wieder draufgelegt.

Wenn man die Brücke, entweder die alte Steinbrücke oder die neuere Autobrücke, überquert und dem Straßenverlauf folgt, kommt man nach Molsdorf. Dort befindet sich ein altes Barockschloss mit einem großen, schönen Schlossgarten. In diesem Schloss ist ein Museum, das unter anderem Arbeiten von Otto Knöpfer zeigt. Alleine deswegen ist das Museum sehenswert.

Der heutige Zustand des Schlosses ist Gustav Adolf Reichsgraf von Gotter, der es in der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts umbauen lies, zu verdanken. Über von Gotter wird vor allem berichtet, dass er einen ausschweifenden Lebensstil pflegte und dass, ganz, ganz grob geschätzt, die Hälfte der Molsdorfer von Gottersches Blut in ihren Adern fließen haben. Auch hierüber gibt eine interessante Ausstellung im Museum Auskunft. Es lohnt sich sehr, eine Museumsführung zu buchen. Ohne Erläuterung durch die Schlosssäle zu wandeln, ist ziemlich dröge und wenig erkenntnisfördernd. Der Museumsführer verrät und zeigt auch so manches Geheimnis des Schlosses. Ich möchte nur das von Gottersche Klosett erwähnen und damit die allgemeine Neugier entfachen.

Von der, dem Schloss gegenüberliegenden Ecke des Schlossparks hat man einen guten Überblick auf das Erfurter Kreuz. Hier kreuzen sich die Autobahnen A4 und die A71. Die seit Jahrzehnten und noch viele weitere Jahre im Bau befindliche ICE-Strecke Leipzig-Nürnberg führt oben quer drüber. Das Ganze, A71 und Eisenbahnlinie, nennt sich Verkehrsprojekt Deutsche Einheit – Projekt Nr. 8. Und dieses Verkehrsprojekt, speziell die ICE-Strecke, hat etwas BER-haftes. Nur dass es unter den Wutbürgern nicht so populär ist. 25 Jahre Bauzeit, unendliche Kosten, viele Nursoda-Brücken, -Tunnel, … Peinlichkeiten deutscher Großprojekte par excellence. Nur ganz langsam tut sich da etwas. Demnächst mehr dazu.