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Bachdenkmal in Arnstadt

Bachdenkmal in Arnstadt

Johann Sebastian Bach würde gut in unsere heutige Zeit passen. Als Organist der Neuen Kirche in Arnstadt (Thüringen) hat er so manche seiner Eigenheiten ausgelebt. Den Kirchenoberen standen sicher öfter Mal die Haare zu Berge. Aber trotzdem waren sie froh, solch einen guten Mann an ihrer Orgel sitzen zu haben. Erst als er ein besseres Angebot aus Mühlhausen (Thüringen) angenommen hatte, haben sie einen Nachfolger gesucht und einen anderen Bach gefunden. Der musste sich mit der Hälfte des Salärs seines Vorgängers zufrieden geben. Heute heißt diese Kirche in Arnstadt Bachkirche, wegen Johann Sebastian, nicht wegen seines Nachfolgers.

Dieses Denkmal zeigt den jungen Bach. Er ist etwa zwanzig Jahre alt. So muss er gewesen sein, ein wenig kess, auch nachdenklich und lebensfroh. Auf späten Bildern sieht er immer so ernst und ehrwürdig aus. Da gefällt mir dieses Denkmal schon viel besser.

Und dann seine Musik! Ich glaube, es gibt sehr wenige Musikstücke unserer heutigen Zeit, die man nach 300 Jahren noch gerne hört, denen man ohne weiteres 300, gar 3000 oder noch mehr weitere Jahre Lebenszeit zutraut. Wie viele Menschen hatten mit dieser wundervollen Musik schon schöne Stunden? Da müssen sich Beatles, Queen und Co. noch ein wenig anstrengen, um da ran zu reichen. Ich mag auch heutige Musik.

Die Thüringer Bachwochen gibt es jedes Jahr. Am letzten Sonntagabend hat New York Polyphony in der Bachkirche zu Arnstadt gesungen. Das sind 4 Männer mit wunderbaren Stimmen. Als Otto Normalschiefundkrummsänger kann man sich nicht vorstellen, wie man solche Töne aus einem Mund heraus zaubern kann. Aber diese Herren können das. Und das sind wirklich unglaublich schöne, klare Töne. Lizzie Ball hat sie mit ihrer Violine begleitet. Es war ein Hochgenuss für die Ohren. Sie haben Stücke aus dem 14. Jahrhundert sowie Bachlieder aus dem 18. Jahrhundert vorgetragen. Geoffrey Williams, Countertenor, hat noch ein besonders merkwürdiges Instrument, eine Shrutibox , gespielt. Akustisch hat das Ähnlichkeiten mit einem Akkordeon, einem Dudelsack und optisch mit einem alten Lexikon. Am besten ist es, bei Wikipedia mal zu googlen. Als Zugabe gab es unter anderem ein neues Stück, das Craig Phillips, der Basssänger der New York Polypony für seine Töchter geschrieben hat. Diese Musiker, diese Musik, dieses Ambiente und diese Akustik in der Bachkirche … das brennt sich ein ins Gedächtnis, da erinnert man sich noch viele Jahre lang dran.

Ich fahre gerne nach Arnstadt. Das ist ein kleines, wirklich hübsches, überhaupt nicht verschlafenes Städtchen. Arnstadt ist nicht mehr ganz jung, ist immerhin über 1.300 Jahre alt und in der Jungsteinzeit, also vor etwa 12.000 Jahren, … Aber damit möchte ich jetzt Niemanden langweilen. In Arnstadt ist immer etwas los, vor allem kulturell. Daran könnte sich manche deutlich größere Stadt ein Scheibchen abschneiden (Hallo Erfurt). Arnstadt und Bach, das ist ein typisch Arnstädter Pärchen. Aber auch der Jazz wird in Arnstadt nicht nur zum Arnstädter Jazzweekend gepflegt. Museen, ein kleines, aber feines Theater und eine Gegend unmittelbar vor dem Thüringer Wald, alles einfach erste Sahne!

Auf dem Marktplatz fläzt sich Bach auf seinen Sitz. Autoritäten kennt er nicht. Bestimmt kreist wieder eine Dummheit in seinem Kopf herum. Jeder Vorbeigehende schaut zu ihm. Man kann ihn einfach nicht übersehen, man muss hinschauen. Das schaffen nicht viele Denkmale. Er sitzt vor einer bunten Orgeltastatur. Die bunten Bommeln sind die Töne, die er dem Instrument entlockt. Es sind, selbst als Bommeln noch, sehr schöne Töne. Ja, der Kerl hat viel bunte Knete, aber auch wundervolle Musik im Kopf! Dieses Foto ist zum Bach-Advent 2012, einem historischen Weihnachtsmarkt in Arnstadt, aufgenommen worden.

Dinge in aller Öffentlichkeit zu bestricken ist in Mode gekommen. Man nennt es auch Guerilla Knitting, Urban Knitting, … Es ist gestricktes Graffiti und somit eine Form der StreetArt. Manche Knittings verschönern lediglich etwas. Andere sind ein Symbol. Bei diesem Bachbild trifft sicher Beides zu.