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EZB-Baustelle

EZB-Baustelle

Mit den Euros gibt es seit einigen Jahren erhebliche Probleme. Sie sind knapp geworden. Es gibt einfach zu wenige davon oder sie liegen weit weg auf irgendwelchen, geheimen, unter der Last des vielen unversteuerten Geldes ächzenden Konten. Ich erwähne nur die Stichworte Griechenland und Zypern. Und mit meinem Gehalt ist es ähnlich. Wäre es deutlich höher, wäre allen gedient. Ich würde mehr Steuern zahlen. Ich könnte mir mehr leisten. Auch das bringt dem Staat höhere Mehrwertsteuereinnahmen. Also, warum nicht mal einen mutigen Schritt tun und die Gehälter an die Wünsche der Beschäftigten anpassen?

Irgendwo müssen doch noch einige, genauer gesagt ziemlich viele Euros herum gelegen habe. Jedenfalls lässt sich die EZB, unter Kennern auch Europäische Zentralbank genannt, am Main, oberhalb der ehemaligen Weseler und Ruhrorter Werft einen 185 Meter hohen Palast hinsetzen. 2014 wollen die Banker auf bis zu 45 Etagen dort einziehen. Eine neue Mainbrücke lassen sie sich auch gerade bauen. Schließlich will man zum Feierabend schnell nach Hause kommen und nicht ewig im abendlichen, Frankfurter Stau herum hängen.

1926 – 1928 wurde auf dem Gelände der heutigen EZB-Baustelle die Frankfurter Großmarkthalle errichtet. Sie ist 220 Meter lang, 50 Meter breit und knapp 24 Meter hoch. Das Dach besteht aus 15 tonnenförmigen Dachbögen, die nach irgendeinem, damals wahnsinnig modernen Verfahren hergestellt wurden. Die Großmarkthalle war bis vor einigen Jahren die zentrale Obst- und Gemüsehandelshalle im Großraum Frankfurt. Sie ist ein stadtbekanntes, backsteinernes Bauwerk und prägt das Gesicht der Stadt an ihrem Ostend. Die Großmarkthalle steht unter Denkmalschutz. Deshalb darf sie, wahrscheinlich zum Bedauern der EZB-Banker, nicht abgerissen werden. Jetzt wird sie in den Bau des EZB-Komplexes integriert. Auf dem Bild ist ein Teil der Großmarkthalle unten links am Turm zu erkennen. Da kann man echt gespannt sein, wie das mal wird. Historisch und modern, dass kann ein interessanter Gegensatz werden. Trotzdem waltet Skepsis. Es gibt viele Beispiele, wo dieses Zusammenspiel nicht funktioniert hat. Wenn später ebensolch ein stacheldrahtbewehrter Zaun, wie der derzeitige Bauzaun die Blicke einschränkt, wird der Ärger darüber überwiegen. Zurzeit erinnert mich der Bau deshalb an eine Hochhaus-JVA.

Im Jahr 2008, schon nach der Schließung der Großmarkthalle, diente das Gebäude als Kulisse für Lichtmalereien während der Luminale. Große Projektoren haben in der Dunkelheit Bilder an die südliche Bauwerksseite gebeamt. In den nächsten Tagen poste ich ein mal entsprechendes Foto.