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Siebener Ruderboot

Siebener Ruderboot

„Sport ist Mord!“ und „Treibe Sport oder du bleibst gesund!“, sagt der unsportliche Volksmund. Aber nicht bei mir. Ich bin ein echter Supersportler. Ich meine damit nicht meine Fotoleidenschaft. Da wäre ich mindestens Meister der Unschärfe, des verwackelten Bildes oder so. Nein, ich bin der Vorreiter des Planking, des sich steif und unbeweglich Hinlegens. Ich habe das schon praktiziert, da war das noch gar nicht erfunden. Wenn irgendwo einer bewegungslos herumliegt, dann bin ich das – höchstwahrscheinlich. Also nicht stören und unauffällig weiter gehen. Natürlich habe ich Planking von Anfang an innovativ weiterentwickelt. Bei mir bedeutet Planking, still liegen. Das ist Standard. Aber das Neue ist, dass ich meinen rechten Zeigefinger ganz leicht in Richtung Auslöser meiner Kamera bewegen darf. Frühestens nach der dritten Auslösung wird das Planking beendet. Das Motiv, meistens so ein ganz, ganz süßes Blümchen, bleibt unverletzt. Ich dagegen kämpfe mit dem Knacken und Knirschen im Gebälk. Und dann wird bei mir nicht das Planking an sich fotografisch dokumentiert, sondern natürlich mein Fotomotiv. Das ist mit Sicherheit auch schöner anzusehen.

Fotografieren ist wie Boxen. Das ist auch Sport, führt aber zu Gesundheitsschäden. Das habe ich ja schon oben erwähnt. Beim Fotografieren muss man immer genau zielen. Sonst wird’s unscharf. Vor allem dort unscharf, wo es scharf sein soll. Am besten ist es, man zielt immer genau in die Mitte. Also auf die zwölf, würde der Boxtrainer jetzt sagen. Und dann wird abgedrückt. Im Idealfall wechselt der Gegner beim Boxen dann die Sportart. Er entscheidet sich spontan, zum Planking zu wechseln. Die Zuschauer hoffen, dass dieser Zustand nur bis zur Neun anhält. Sonst kommt der Notarzt. Beim Fotografieren liegt das Bild dann erst einmal plankingtechnisch auf der Speicherkarte. Es kann aber auch anders kommen. Wenn der Andere auch nur den Hauch eines Augenblicks schneller ist, … Oder die Windbö das Motiv wackeln lässt. Es ist alles irgendwie ähnlich.

Man kann sagen, Boxen ist wie Mensch ärgere dich nicht, nur ohne Würfel. Der, der unten liegt, ärgert sich trotzdem. Und wenn Planking nicht die Alternativsportart seiner Träume ist, dann spielt er vielleicht Mensch ärger dich nicht, mit Würfeln. Beim Fotografieren sind die körperlichen Schäden nicht gar so groß. Der psychische Schaden, wenn das Foto missraten ist, kann natürlich enorm sein. Aber es gibt manchmal eine zweite Chance. Wie im Fernsehen, der Zweite-Chance-Joker. Es ist alles irgendwie ähnlich.

Planking ist längst nicht mehr in. Heute hampelt man völlig verrückt herum und nennt das dann Harlem Shake. Das scheint aus der amerikanischen Barkeeperbranche zu kommen. Oder ist das auch schon wieder out? Wer soll da noch durchblicken. Man muss ja auch nicht jeder Mode folgen. Planking hat sich bewährt, also bleibe ich dabei! In meinem Alter darf man das. Bin ja schließlich keine zwanzig mehr. Und da sich die Mode immer zyklisch wiederholt, könnte man ja auch sagen, ich bin der Vorreiter des neuen Planking.

Ja der Sport, es ist wirklich so eine Sache damit. Man muss höllisch aufpassen, dass man den überlebt. Das fängt schon an bei der Auswahl der Sportart. Beim Planking besteht die Gefahr, dass jemand drauf tritt. Oder noch schlimmer, dass man vom Balkon fällt. Das ist bekanntlich schon vorgekommen und hat ein sehr tragisches Ende genommen. Ich bleibe also lieber auf dem Boden der Tatsachen. Rudern ist auch nicht ungefährlich. Erst neulich hat so ein Kahn einen personellen Verlust erlitten. Mitten drin saß er und war dann plötzlich weg. Oder war es eine Sie? Egal, weg ist weg. Ich glaube, die anderen haben es nicht einmal bemerkt. Die sind einfach weiter geschippert.

Paddelsurfer

Paddelsurfer

Immer wieder denkt sich irgendein kreativer Kopf neue Sportarten aus. Surfen war gestern. Da hatte man wenigstens noch etwas zum Festhalten. Jetzt stellt man sich auf ein Surfbrett ohne Segel und muss paddeln, im Stehen oder in der Hocke. Wichtiger als Paddeln ist das Halten des Gleichgewichts. In dieser Jahreszeit sind die Wassertemperaturen nur etwas für Pinguine oder mutige Eisbären. Beim Zuschauen habe ich die ganze Zeit über gebibbert. Nicht wegen der Wassertemperatur. Ich saß ja am Rand des Mains auf der Kaimauer. Ich hatte Angst, dass die beiden Mutigen ins Wasser fallen und ich mich zwecks Rettungsversuchs ebenfalls in die Fluten stürzen muss. Natürlich nicht, ohne den Unfall fotografisch für die Ermittlungsbehörde zu dokumentieren. Außerdem braucht die bebilderte Tageszeitung ein Foto für ihren Aufmacherartikel auf Seite eins „Verrückter Fotograf fast ertrunken! In letzter Minute von Surfern gerettet!“. Die Beiden sind trockenen Fußes an Land gekrabbelt. Nur mein Hinterteil war etwas kühl, von der kalten Mauer, auf der ich saß. So gefährlich ist Sport. Selbst vom Zuschauen kann man Hä… (Wie schreibt man das?) bekommen.