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Schiffshebewerk Niederfinow

Schiffshebewerk Niederfinow

Mit dem Aufzug zu fahren ist für uns heute eine Selbstverständlichkeit. Vor allem, seit die Häuser immer höher gebaut werden, geht es ohne Lift einfach nicht mehr. Besonders toll ist die Fahrt auf den Berliner Fernsehturm, der derzeitigen Jahreszeit entsprechend auch Telespargel genannt. Die Fahrt geht fast mit Lichtgeschwindigkeit, auf jeden Fall mit Überschall. Zumindest kam mir das bisher immer so vor, wenn in meinem Inneren so ein komisches, prickelndes Gefühl entstand. Liftpilot im Berliner Fernsehturm ist bestimmt ein toller Job.

Als Student war ich mal für ein paar Tage in Sofia und wohnte in einem 16-stöckigen Studentenwohnheim. Natürlich habe ich ganz oben gewohnt. Das ist im Prinzip nicht schlecht, allein schon wegen der Übersichtlichkeit. Wenn der Fahrstuhl nicht funktioniert, spart man sich das Laufband im Fitnesscenter und nimmt trotzdem rasant an Gewicht ab. Getränkekästen sollte man besser nicht einkaufen oder während des Hochrennens die Flaschen zur Treibstoffergänzung austrinken. Na ja, wenn man Bier gekauft hat, … Und natürlich hat mein Fahrstuhl damals in Sofia einige Tage lang nicht funktioniert. Dieser Fahrstuhl hatte noch eine weitere Besonderheit. Er hatte keine Rückwand und Tür in der Kabine. Das bedeutet, dass die Wand des Fahrstuhlschachts während der Fahrt vorn und hinten entlang saust. Das ist sicher nicht jedermanns Sache. Ich selbst bin in dieser Hinsicht eher hart im Nehmen. In Deutschland wäre so etwas einfach undenkbar. Aber in Bulgarien ist man etwas unkomplizierter.

Noch schöner als Aufzüge finde ich Paternoster. Auch hierzu hatte ich in meiner Studentenzeit während eines Praktikums die erste und bisher leider einzige Begegnung. Natürlich haben wir die ultimative Mutprobe, über die Wendeschleife oben und unten durchzufahren, unternommen. Wir waren gespannt, ob wir nach der Wende Kopfstand machen. Das haben wir natürlich nicht getan. Auf jeden Fall bin ich jetzt ein Fan von Paternostern. Ich hörte neulich, dass es irgendwo in Frankfurt noch einen öffentlich zugänglichen Paternoster gibt. Da muss ich unbedingt mal hin. Nur wo war das?

Neben den uns allgegenwärtigen Personenaufzügen gibt es auch viele Lastenaufzüge. Ein ganz besonderer dieser Sorte steht bei Niederfinow im Barnim mitten in der Landschaft. Der Barnim liegt, grob gesagt, nördlich von Berlin am oberen Ende des Oderbruchs. Dieser Aufzug befördert Lastkähne und Ausflugsdampfer zwischen dem Oder-Havel-Kanal und dem 36 Meter tiefer liegenden Finowkanal rauf oder hinunter. Damit ist es möglich in Windeseile zwischen der Havel und der Oder, also zum Beispiel von Berlin aus bis zur Ostsee hoch, zu schippern. Und wenn man erst einmal an der Ostsee ist, könnte man ja gleich mal einen Ausflug zu den Kängurus nach Australien unternehmen. Allerdings sollte man dazu auf ein hochseetüchtiges Schiff umsteigen.

Reste der Schleusentreppe

Reste der Schleusentreppe

Das Schiffshebewerk wurde Anfang der 30er Jahre des letzten Jahrhunderts eingeweiht. Bis dahin mussten die Schiffe eine Schleusentreppe aus vier einzelnen Schleusen durchfahren. Das hat gedauert und gedauert und … Dafür war das sehr romantisch. Aber wahrscheinlich war den Lastkahnkapitänen nicht nach Romantik zumute. Mit dem Schiffshebewerk dauert die Bewältigung des Höhenunterschieds gerade mal zwanzig Minuten.

Die Lastkähne werden immer größer und die Angst, dass sie im Oder-Havel-Kanal oder gar im Bottich des Schiffshebewerks stecken bleiben, nimmt dramatische Züge an. Deshalb wird der Oder-Havel-Kanal ausgebaut. Das ist stellenweise gar nicht so einfach. Denn immerhin fließt er weit oberhalb des Finowtals und muss einige Brücken überqueren. Besonders eine Eisenbahnunterführung war ein Problem. Einfach die Brücke abreißen ging nicht. Dann wäre der Kanal ausgelaufen und die Stadt Eberswalde geflutet worden. Von Schiffsverkehr hätte man träumen können. Oder man hätte die Kähne notgedrungen über die Hegemühler-/Eisenbahnstraße umgeleitet. Diese Variante ist allerdings schnell wieder verworfen worden. Deshalb wurde eine Kanalumleitung errichtet. Ja, der Kanal wird nun über eine parallel liegende neue Brücke geführt. und die alte, zu klein gewordene Brücke wird abgerissen. Für die neue Brücke wurde aus dem brandenburgischen Streusand, der durch die Eieruhren weltbekannt wurde, ein hoher Wall aufgeschüttet. Hoffentlich hält das auf Dauer! Und damit das Schiffshebewerk durch zu dicke Kähne nicht verstopft, wird ein neues, natürlich größeres und supermodernes, bestimmt computer- und GPS-gesteuertes Schiffshebewerk direkt neben dem alten Bauwerk errichtet. Und es wird genau dort hingestellt, wo bisher die Reste der alten Schleusentreppe zu finden waren. Jetzt wird die schöne Romantik abgerissen!