Schlagwörter

, , , , , ,

Sandburg

Sandburg

Eine Burg hat etwas Historisches, etwas Altes. Sie strahlt Ruhe aus. Ehrfürchtig schauen wir zu ihr hoch. Denkt man an eine Burg, stellt man sich dicke Mauern mit Schießscharten und Zinnen, hohe Türme, einen tiefen Brunnen, ein paar fette Kanonen, Tauben auf dem Dach, einen Fahnenmast ganz oben auf dem Dach mit einer bunten, im Wind flatternden Fahne, ein langweiliges Museum und bröckelnde Wackersteine vor. Der Weg zur Burg ist beschwerlich. Schwitzend durchschreiten wir das mächtige Tor. Wie viele Jahre wurde hier gebaut? Wie oft wurde die Burg erstürmt, zerstört und wieder aufgebaut. Der Museumsführer erklärt immer die Bedeutung eines Lochs im Fußboden, direkt an der Burgmauer, durch das man nach unten schauen kann. Es war eher nicht als Einstieg für die Belagerer gedacht. Aber bei einer Belagerung hat sich bestimmt niemand darüber gehockt.

Sandburg

Sandburg

Heute ist das alles viel, viel einfacher. Wir fahren einfach mit den Kindern ans Meer, geben ihnen eine Schaufel, Kuchenförmchen und einen Buddeleimer in die Hand und warten ab. Wir können beobachten, wie die Idee einer Burg entsteht, spontan und spielerisch umgesetzt wird. Genau so, wie mit den Kleinen, muss es damals, im Vorvorvormittelalter mit den Rittern gewesen sein. Die haben Urlaub an der Ostsee gemacht, im Sand gebuddelt, eine Sandburg gebaut und dann hat es Klick gemacht. Nein, das war kein Scharnier ihrer eisernen Uniform, das da gequietscht hat. Das war die Idee, eine richtige Burg auf einen hohen Berg zu bauen. Ab ging es nach Hause. Wo ist der nächste Berg? Genau dort wurde dann die Burg errichtet. Man kennt diese Burgen noch heute. An der Ham steht die Hamburg, an der Naum, die Naumburg, an der Magde die Magdeburg. Selbst die Olde und die Duis blieben nicht verschont. Ganz schlimm hat es den Burganlandkreis im Land der Frühaufsteher erwischt. Wer da als Ritter lebte, hatte es schwer und musste schon vor dem Aufstehen rittern. Auf dem Nürn steht die Nürnburg. Stopp, das ist falsch. Auf dem Nürnberg steht eine Burg. Warum heißt der Nürnberg nicht Nürnburg? Die Ritter waren wegen der Schinderei beim Burgenbauen sicher etwas durcheinander. Es ist bestimmt auch gar nicht so einfach, den Mörtel zu mixen, wenn man eine Ritterrüstung trägt. Von dem ewigen Geklapper der Rüstung kann im Kopf schon etwas durcheinander kommen. Hinzu kam noch die ständige Angst, dass die Rüstung beim nächsten Regen einrostet oder dass das nächste Schnitzel eines zuviel ist, um wieder aus der Rüstung aussteigen zu können. Solch ein dicker, verklemmter, panischer Ritter ist kein schöner Anblick. Und wie haben die Burgfräuleins

Sandburg

Sandburg

die Ritter in ihrer Rüstung unterschieden? Konnte es nicht passieren, dass die falsche Rüstung den richtigen Kuss des falschen Fräuleins abbekommen hat? Was fühlten die Damen denn so beim Küssen? Geht die Idee vom Büchsengemüse auf ein Burgfräulein zurück? Die Wissenschaft muss noch so viele Fragen klären. Ich habe den Eindruck, dass das Vorvorvormittelalter so gut wie unerforscht ist.

Unsere Kleinen sind sehr kreativ. Es ist ein ständiges entstehen und Vergehen der Sandburgen. Wind und Regen nagen an ihren Mauern. So wie im richtigen Burgenleben. Da kamen allerdings die Burgenbelagerer mit ihren Kanonen und Katapulten noch hinzu.