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Ein himmelblauer Trabant

Ein himmelblauer Trabant

Sie sind sehr selten geworden. Inzwischen zählen sie zu den Oldtimern. Wenn sie heute angeknattert kommen, dann schaut man unwillkürlich hin und freut sich. Ausnahmsweise nehmen wir selbst die stinkende Abgaswolke staunend in Kauf.

Hellblau war eine der häufigsten Farben des Trabbi. Sonja Schmidt, eine auch heute noch eher unbekannte Sängerin, besang ihn in einem etwas schnulzigen Schlager. Trotzdem oder gerade wegen der musikalischen Reminiszenz an den Trabbi, ist dieses Lied heute noch ab und zu präsent. Abwechselnd als abschreckendes Beispiel für Ostschlager, Schnulzen oder als Aufmachen für einen Radiobericht über die Trabbis.

Wie viele der heutigen Limousinenfahrer chauffierten damals ihren völlig überladenen Trabbi stolz durch die gesamte sozialistische Republik bis hoch an die Ostsee? Oft passten nicht einmal mehr Badehose oder Bikini in den Kofferraum. Werkzeugkiste und Ersatzteile für den Fall aller Notfälle waren wichtiger. Viele fuhren gar bis ans Schwarze Meer nach Bulgarien hinunter.

Welches unserer heutigen Autos hat so viele, liebevolle, hasserfüllte Kosenamen wie der Trabbi? Rennpappe, Sachsenporsche, Gehhilfe, Plastikbomber, überdachte Zündkerze, Fluchtkoffer, Merzedes Krenz, Stinker, Asphaltpickel, Nuckelpinne, … sind nur einige dieser Bezeichnungen. Angeblich nannte man Trabbifahrer auch Teilchenbeschleuniger.

Es gibt einige Trabbiclubs und regelmäßige Trabbitreffen. Anfang Mai hörte ich das typische Zweitakterknattern in Binz auf der Insel Rügen.