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Die Beliebtheit von Menschen ist sehr unterschiedlich ausgeprägt. Man denke nur an Steuerberater und Bestatter. Die haben es wirklich nicht leicht, auf der Beliebtheitsskala auch nur einen Millimeter über den absoluten Nullpunkt nach oben zu rutschen. Über den Besuch Anderer freut sich wahrscheinlich Jedermann. Beispielsweise, wenn die liebe Omi zu Besuch kommt. Dann weiß jedes Kind, dass es da was Leckeres zu ergattern gibt. Oder man stelle sich vor, der Außendienstler von Lotto steht vor der Tür und wedelt mit einem Millionenscheck. Da knallen die Korken schneller als man denken kann. In diesem Moment hat mancher sogar mit seinem Chef Mitleid. Dem steht schließlich eine schwere Zeit bevor. Oder der verhasste, Heavymetal-Musik liebende Nachbar zieht aus. Ganz plötzlich ist er uns irgendwie sympathisch. Den neuen Nachbarn, Platzanweiser des örtlichen Pantomimentheaters, mögen wir vom ersten Tag an. Jedenfalls solange, bis man schlaftrunken feststellen muss, dass er mitten in der Nacht auf einer Harley vom Dienst heim kommt und mit seiner neuen Süßen an Bord noch drei Runden um den Block düst.

Man könnte dem oder der Unbeliebten ja einen Tipp geben. Bei Steuerberatern und Bestattern beist man auf Granit. Da ist einfach nichts zu machen. Aber der Nachbar mit der Harley wäre ein Kandidat dafür. Man könnte ihm ein schnittiges eBike ans Herz legen. Auch wenn das Herz vorübergehend von seiner Neuen belegt ist. Das geht bestimmt vorüber. Eine ganz andere Möglichkeit praktiziert eine stylische  Kneipe in der Mitte Deutschlands. Ein Schild am Eingang benennt die Ungeliebten eindeutig beim Namen. Bei Androhung einer drastischen Strafe wird diesen klar gemacht, dass es besser ist, Abstand zu halten.

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Ich habe lange überlegt, ob ich es wagen kann, die Türschwelle dieser gastlichen Stätte zu überqueren. Gibt es in meiner näheren oder weiteren Verwandtschaft solche unerwünschten Personen? Mir ist von Niemandem bekannt, dass er bei einer dieser ungeliebten Organisationen beschäftigt ist. Gerade bei der weiter entfernten Verwandtschaft ist das ein echtes Problem. Schließlich sind wir alle über sieben Ecken miteinander verwandt und schwammen damals gemeinsam als Moleküle in der Ursuppe herum. Und sollte das mit der Ursuppe und dem Affenvorfahren wider wissenschaftlicher Erwartung doch nicht stimmen, schneidet sich unser aller Herkunft und Verwandtschaftsverhältnis schon kurz nach dem Urknall bei Adam und Eva. Bei den Beiden wäre der Verwandtschaftscheck noch einfach gewesen. Aber bei uns und heutzutage ist dies sehr problematisch. Und was ist, wenn ein Gast einem flüchtigen Bekannten, der bei den bösen Firmen tätig ist, erzählt, wie toll die Musik zur versalzenen Suppe gepasst hat und das die Übertragung des Fußballendspiels sehr verrauscht war?

Die Speisekarte, die neben diesem Schild aufgehängt ist, hat etwas frittenbudenhaftes, erinnert an die beliebten Burgerketten. Und Hei*-bier gehört auch nicht zu den leckersten Getränken, zumindest bei mir. Also bin ich, in Gedanken den Inhalt meines heimischen Kühlschranks checkend, nach Hause getrabt.

Bei diesem Schild ergibt sich sofort die Frage, nach der Rechtskraft dieser Drohung. Es ist im deutschen Recht unüblich, dass jeder die Höhe einer Strafe selbst festlegen kann. Im Falle eines Falles kann man davon ausgehen, dass der angegebene Betrag unter Sittenwidrigkeit fällt und der Richter wegen eines Lachkrampfs umgehend vom Stuhl fällt. Möglicherweise hat der Schilderbeauftragte der betreffenden Kneipe dann ein Verfahren wegen fahrlässiger Körperverletzung einer Amtsperson am Hals. Und Sippenhaft – Ich glaube, das ist in unseren Breiten heute unüblich.

Neben diesen formalen Fehlern gibt es einen weiteren, grundsätzlichen Fauxpas. Die GEZ, was ist denn das? Die gibt es doch längst nicht mehr. Gilt die Drohung auch für deren Rechtsnachfolger? Nicht das Vorhandensein eines Fernsehgerätes oder Radios ist kostenrelevant. Die Höhe der quartalsweisen Rate zur Finanzierung der Öffentlich-Rechtlichen-Anstalten ergibt sich zwangsläufig aus der Existenz eines Haushalts bzw. eines Unternehmens. Da braucht der Ururopa des GEZ-Mitarbeiters seinem Ururenkel nichts zu petzen. Da ist alles geregelt.

Was passiert eigentlich, wenn plötzlich der Papst mit seinen vorzüglichen Verbindungen in den Himmel (neudeutsch: Sky) vor der Tür steht? Da geht der Schilderbeauftragte schnurstracks ab nach unten in die brutzelwarme Hölle und wird nach vollendetem Grillen als Pferdefleisch in die Lasagne gerührt. Die sollten die Speisekarte umgehend um diese Position ergänzen.

Sachen gibt’s – die gibt’s einfach nicht! Doch, die gibt’s!