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Am 27. Mai wird der Weltpurzelbaumtag begangen. Das ist kein Witz. Das ist ein echter Gedenktag. Da kommt niemand drum herum. Heute stehen also Purzelbäume auf dem Programm.

Freunde, jetzt wird es ernst. Sucht bitte Sportdress und Turnschuhe heraus und bereitet euch seelisch und moralisch darauf vor. Heute sind Purzelbäume angesagt. Wenn Ihr eine Turnhalle zur Hand habt, legt ein paar Matten aufs Parkett. Ansonsten sucht Euch eine gepolsterte Wiese oder einen schnuckeligen Sandstrand.

Was denn? Wollt ihr ganz alleine purzeln? Nee, das geht natürlich nicht. Klingelt die Nachbarn raus. Na gut, Opa Schulze darf zuschauen. Der hat in seinem Leben schon genügend Purzelbäume gefällt.

Zu allererst geht Ihr am Besten noch einmal ums Eckchen. Es ist sowieso immer besser, es vorher zu tun. Sonst kommt nachher der ganze Ablauf durcheinander, wenn immer mal einer wegrennt.

Alle wieder da? Gut, dann geht es los. Jetzt steht erst einmal die Erwärmung auf dem Programm. Die darf man niemals vergessen! Die Muskeln müssen geschmeidig, vorgewärmt und sportbereit sein. Seid Ihr bereit? Ich gebe das Kommando: „Eins, zwei drei – und nun anders herum – eins, zwei, drei, …“.

Aber jetzt! Stellt Euch bitte in Dreierreihen hintereinander auf. Opa Schulze gibt das Signal. Die ersten drei von Euch nehmen Anlauf und an dem Strich dort hinten oder an der Matte zeigt ihr alle mal, was ihr purzelbaumtechnisch so drauf habt. Dann die nächsten drei … und die nächsten drei! „Opa Schulze, nicht träumen! Wo bleibt denn das Signal?“

Die erste Runde war gar nicht so schlecht. Ihr seid wirklich talentiert, das muss ich jetzt mal sagen! Wir üben das gleich noch einmal.

Was denn, Euch ist warm geworden? Ja, Ihr schnauft wirklich wie eine Herde Rhinos am Nil. Na dann machen wir eine kleine schöpferische Pause. Setzt Euch und trinkt einen Schluck Wasser. Aber schnattert nicht so viel. Ihr sollt Euch ja erholen.

Weiter geht’s. Jetzt kommt das große Finale – Trari Trara! Gebt Euch noch einmal besonders viel Mühe. Gebt alles! Holt das Letzte aus Euch heraus! Denkt an den heutigen Tag, an den Weltpurzelbaumtag. Der hat es verdient, dass Ihr ihm zu Ehren die schönsten, besten, höchsten, längsten, supertollsten, … Purzelbäume macht!

Ihr seid alle einfach suuuuupertoll !!! Die Welt ist stolz auf Euch! Ihr dürft Euch jetzt ‚Weltpurzelbaumpurzeline’ oder ‚Weltpurzelbaumpurzler’ nennen! Das ist nach dem Nobelpreis eine der bedeutendsten Auszeichnungen.

Okay, das war’s für heute. Es reicht, ihr habt fleißig mitgemacht und Euch den Feierabend redlich verdient. Was, Du hast Dir die Birne gestoßen? Zeig mal … Ach, das ist halb so schlimm, das verwächst sich. Bis Du heiratest, ist alles wieder gut!

Wir sind vom Zuschauen mächtig ins Schwitzen gekommen, Opa Schulze und ich. Kommandos geben ist echt anstrengend. Zum Glück konnten wir uns das teilen. Einer alleine wäre wahrscheinlich total überfordert gewesen.

Im nächsten Jahr zum Weltpurzelbaumtag sehen wir uns wieder. Ich freue mich! Und übt bitte regelmäßig. Tschüssi!

 

N.B.: Opa Schulze hat seiner lieben Frau Trudchen, sie haben im letzten Jahr ihre goldene Hochzeit gefeiert, stolz von seinen Erlebnissen erzählt. Trudchen hat ihm erst einmal einen Pfefferminztee angesetzt. Sie hat gleich erkannt, dass sich ihr Göttergatte mal wieder total übernommen hat. So etwas sieht Trudchen auf den ersten Blick. Als der Tee fertig ist, schnarcht Opa Schulze längst auf dem Chaiselongue. Trudchen lächelt in sich hinein „Typisch, mein Mann!“.

Opa Schulze träumt von den jungen Dingern, die da über die Wiese gerollt sind. Im Traum erinnert er sich an Friederike. Oder wie hieß seine allererste Liebe? Egal, das ist lange her. Ja das waren noch Zeiten, diese heimlichen, schüchternen Blicke, das erste Händchenhalten … Aber dann kam alles ganz anders. Und irgendwann hat er sein Trudchen kennengelernt …

Den Bienenstich, den sie aus Anlass des heutigen Feiertags am Vormittag, als Opa Schulze unterwegs war, gebacken hat, schneidet sie trotzdem an. Elsbeth, die Nachbarin leistet ihr wie so oft Gesellschaft. Im Takt der Schnarcher von Opa Schulze kauen die Beiden ihr Kuchenstück und genießen den herrlich duftenden Kaffee. Wie immer gibt es viel zu erzählen. Elsbeth hat sich ein Paar neue Schuhe gekauft – topmodern natürlich. Leise kichern sie, als sie Trudchen vom Purzelbaumtageinsatz ihres Mannes berichtet.

Der Muskelkater, mit dem Opa Schulze am nächsten Morgen mühsam aus dem Bett steigt, ist nicht von schlechten Eltern. Trudchen kommt gleich mit der Flasche Franzbranntwein angerannt und reibt ihm die altersschwachen Muskeln ein. Opa Schulze ist froh, dass er sein Trudchen hat. Aber im nächsten Jahr, nimmt sich Opa Schulze vor, muss Trudchen zum Weltpurzelbaumtag unbedingt mitkommen. Kommandieren kann Trudchen doch noch viel besser als er! Und nachher muss er unbedingt noch Opa Heinzken, seinen alten Kumpel aus dem Ruhrpott anrufen und ihm berichten, was für ein toller Hecht er doch ist. Na der wird ihm wieder ein Dutzend von seinen Lebensweisheiten um die Ohren hauen! Der ist nie um einen passenden Spruch verlegen.