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Marc der Fahrradraser

Marc der Fahrradraser

„Ja, diese Raser! Aber das hat der nun davon, es schadet ihm gar nichts!“ denkt der gemeine, deutsche Autofahrer und drückt noch kräftiger aufs Gaspedal. „Natürliche Auslese! Es gibt sowieso zu wenig Organspender!“ ergänzt er in Gedanken und schwingt sich wenig später auf seinen eigenen Drahtesel, ein  paar Gramm Speck abtrainieren. „Rechtsverkehr, Einbahnstraße, Fußgängerweg, … Was iss’n das nun schon wieder? … Gilt doch nur für Autos!“ Volle Kanne vorwärts auf dem Fußweg und dann quer drüber über die Kreuzung, ab in den Park vorbei am Spielplatz. Rote Ampeln und Sperrschilder gelten nur für die Anderen. „Hoppla Omi! Kannste nicht mehr gucken? … So ein Adrenalinkick nach Feierabend tut ja so gut! … Upps, die Pfütze habe ich nicht gesehen. Tut mir leid! … Hey, ihr verdammten Rotzlöffel! Könnt ihr nicht aufpassen? Noch nichts von Vorfahrtsregeln gehört? Wenn ihr keine Ahnung habt, schiebt eure Räder gefälligst! Sind die überhaupt verkehrssicher? …“

Die Stadt Frankfurt meint, mit solchen Aufstellern die Menschheit, wenigstens die radfahrende, Frankfurter Menschheit erziehen und vor Schaden bewahren zu können. Ein messbarer Erfolg ist bisher nicht berichtet worden.

Ich sollte auch mal wieder mit dem Fahrrad fahren. Mein Fahrrad ist geputzt. Genügend Luft ist in den Reifen. „Rechtsverkehr, Einbahnstraßen, Fußgängerwege, Fahrradwege, Ampeln, …“ muss ich mir unbedingt einprägen! Fahrradfahren ist echt kompliziert, aber viel gesünder als das ewige Autofahren – schnauf!

N.B.: Der Fußgängerüberweg heißt Fußgängerüberweg, weil er für Fußgänger zuständig ist. Fahrradfahrer gehen in der Regel nicht zu Fuß, sind also keine Fußgänger. Sie müssen gem. StVO am Straßenrand anhalten und den Autos die Überfahrt über den Zebrastreifen gewähren. Ein auf dem Zebrastreifen umgelegter Radler hat nicht nur Pech, sondern auch Schuld am Unfall. Das wissen die Wenigsten. Zur Schuldfrage kommen natürlich noch der Schreck und das Schuldgefühl hinzu, wenn es geknallt hat. Die Frage „Wo setze ich die Herzdruckmassage an, am linken Fuß oder am rechten Ohrläppchen?“ muss in diesem Schockzustand auch noch richtig und fix beantwortet werden. Ich verrate mal die Antwort. Der Ansatzpunkt liegt irgendwo dazwischen. Ein Erste-Hilfe-Kurs ist eine gute Vorbereitung auf den Ernstfall.

Noch ein N.B.: Es ist ein beliebtes Spiel der Stadtbehörden, Fahrradfahrern zu gestatten, Einbahnstraßen in rückwärtiger Richtung zu benutzen. Ein vermeintlicher Geisterfahrer in der Einbahnstraße ist richtig gefährlich. Plötzlich und unerwartet taucht ein Radler vor der Motorhaube auf. Die Airbags wirken nur innerhalb des Autos. Draußen macht es stattdessen Krksknackkrks. Das kommt nicht vom metallischen Kratzen auf dem Kotflügel, das ist das Bersten von Knochen, im Idealfall vom Quietschen der Bremsen untermalt. Das klingt nicht gut. Es empfiehlt sich, die Musik laut einzustellen!

Ein letztes N.B.: Vorsicht und gegenseitige Rücksichtnahme sind keine Fremdworte, auch wenn sie Manchem so klingen.