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Eingang zum Mittelpunkt der Erde

Eingang zum Mittelpunkt der Erde

Einleitung

Island ist ein ganz besonderes Land. Tief unten, weit unter der Oberfläche der Insel, ist mächtig was los. Dort gibt es glühendes Gestein, Unmassen an Asche und gewaltige Naturkräfte. Das wartet alles nur darauf, uns bei Gelegenheit zu beehren. Und dann wohnen dort ganz merkwürdige Gestalten. Da ist es also ungefähr so, wie man sich die Hölle vorstellt. Zumindest könnte man dies im ersten Moment denken. Aber Jules Verne ist da mal hinunter geklettert. Auf der Halbinsel Snæfellsnes ist auf dem Vulkan Snæfellsjökull, der unter einem dicken Eisgletscher liegt, der Eingang zum Mittelpunkt der Erde. Wer wissen möchte, wie es da unten so aussieht, sollte einfach mal den Roman von Jules Verne lesen. Oder er klettert einfach mal dort hinunter.

Der erste Teil der Geschichte hat sich mit den Vulkanen auf Island beschäftigt.

Teil 2 – Erdspalten

Die Kräfte, die unter Island wohnen, schieben langsam und unwiderstehlich die Kontinentalplatten, die sich auf Island begegnen, auseinander. Im Eiltempo, etwa vier Zentimeter pro Jahr, mal etwas mehr, mal weniger, gleiten die Platten voneinander fort. Das bedeutet, dass sich Amerika und Europa samt Asien immer weiter voneinander entfernen und Island dabei immer größer wird. Der Spalt, der entsteht, ist an vielen Stellen sichtbar. Ganz berühmt ist Þingvellir. Dort hat der Spalt eine Breite von bis zu sieben Kilometern erreicht. Dieser Ort ist der Platz des Þing der Isländer. Schon vor tausend Jahren hat dort jährlich das Isländische Parlament der Alþing getagt. Die Isländer sind darauf zu Recht furchtbar stolz. Wenn man sich mit der isländischen Geschichte befasst, kommt man daran nicht vorbei. Auch der Name Snorri Sturluson taucht immer wieder auf. Aber darüber gibt es bei Gelegenheit mehr zu berichten.

Ganz tief unten unter Island muss ein kochend heißer See oder ein heißes Meer sein. Das ist so heiß, dass es andauernd überkocht. An vielen Stellen Islands brodelt heißes, dampfendes Wasser heraus. Das stinkt zwar ziemlich stark nach fauligen Eiern, ist aber hervorragend zum Heizen oder Strom erzeugen geeignet. Die Isländer haben so viele natürliche, Energiequellen, dass sie Kohle, Erdöl- oder gar Atomkraftwerke nicht benötigen. Das warme Restwasser wird dann in Seen geleitet. Die berühmte Blaue Lagune südlich der Hauptstadt Reykjavik ist ein Beispiel hierfür. Die Inhaltsstoffe dieses Wassers sollen angeblich Frauen schön machen. Ja, wenn sie sich dieses weiße Zeug ins Gesicht schmieren, sehen sie schön lustig aus. Und hinterher ist ihre Haut weich, zart und noch tausendmal schöner als zuvor. Das kommt nicht vom warmen Wasser, das kommt von dem weißen Schlamm. Da bin ich mir sicher! Es gibt auch Männer, die versuchen schön zu werden. Ob es einem geglückt ist, wurde bisher nicht überliefert. Die Isländer sind ein schlaues Völkchen. Sie verkaufen diesen Schlamm als Schönheitsmittelchen und verdienen sich am Schönheitswahn wahrscheinlich dumm und dämlich.

Es gibt Stellen auf Island, da spritzt dieses heiße Wasser taktvoll aus der Erde heraus. Der Strokkur, auf Deutsch heißt er Butterfass, jagt seine heiße Stinkerbrühe etwa alle sieben bis acht Minuten in die Höhe. Die Touristen warten geduldig darauf und wenn es dann passiert, klicken die Auslöser. So mancher Besucher ist plötzlich klatschnass. Als ich dort einmal stand, wusste der Geysir nicht, aus welcher Richtung der Wind kommt und hat mich, obwohl ich die Windrichtung genau gecheckt hatte, voll erwischt. Humor ist, wenn man trotzdem lacht.

Das Spannende an der Geysir-Fotografie ist, zu versuchen, die Blase genau zu erwischen. Die Blase entsteht genau ein dem Moment, wenn der Geysir für seinen Ausbruch Anlauf nimmt. Man muss genau in der richtigen Zehntelsekunde abdrücken. Das ist gar nicht so einfach. Die Blase entwickelt sich aus dem wabernden, dampfenden Geysirloch ohne irgendeine Vorwarnung. Zack, plötzlich ist sie da. Dann spritzt die Suppe hoch und fällt wieder in sich zusammen. Im gleichen Rhythmus ist die Begeisterung der Zuschauer zu hören. Manchmal spritzt der Geysir zwei oder dreimal kurz hintereinander, bevor er wieder seine etwa sieben Minuten ruht.

Eine andere interessante Erscheinung aus den Innereien von Island ist die Gluckerpampe. Sie ist schon aus der Ferne zu riechen. Offensichtlich ist das Lieblingsparfüm auf Island von der Marke ‚faule Eier’. Ich habe zwar dort nur sehr wenige Hühner gesehen, aber die Wenigen legen offensichtlich massenhaft faule Eier. Oder gibt es da unten eine große vulkanische Hühnerfarm? Schlammgeysire gibt es an mehreren Stellen auf der Insel. Wenn man sie sich genau anschaut, erkennt man sehr interessante und fotogene Schlammeruptionen.

In ein paar Tagen erscheint Teil drei mit dem Untertitel Geschöpfe der Tiefe.

Þingvellir