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Ölvasen

Ölvasen

Der Spannungsbogen ist gespannt. Er reicht von der Ankündigung über eine historische Einordnung bis zur erforderlichen Behandlung wichtiger Sicherheitsfragen. Er ist gespannt, wie ein Flitzebogen. Geht der Schuss denn nun endlich ab?

„Ja, wo laufen sie denn, wo laufen sie denn?“. Doch sie laufen gar nicht mehr. Die Dampfmaschinen stehen seit 23 Jahren still. Wenigstens können sie noch von Besuchern bestaunt werden. Wir beginnen beim Detail. So eine Dampfmaschine hat viele Details, sogar viele fotogene Details.

Es ist ein uraltes Grundprinzip. Ohne die nötige Schmierung läuft nichts, reinweg gar nichts. Schlimmstenfalls laufen die Lager heiß, verklemmen und dann bleibt die Kiste mit lautem Knirschen stehen. Und das mitten in der Zuckerrübenkampagne! So etwas durfte nicht passieren. Die Erfüllung des 5-Jahresplanes wäre in Gefahr geraten. Noch schlimmer wäre, dass die Jahresendprämie ausfällt. Deshalb wurden alle wichtigen Stellen, angefangen vom Leiter des Betriebskonsums, über den Parteisekretär bis hin zu den Lagern der Dampfmaschinen, geschmiert. Die Frage war immer, woran erkennt man, dass mal wieder eine Schmierung nötig ist. Bei den Lagern der Dampfmaschinen war dies ganz einfach. Über jedem Lager, das geschmiert werden musste, ist solch ein vasenartiger, so halbwegs durchsichtiger Topf platziert. Aus diesem Topf ist das Öl langsam ins Lager gelaufen und hat für die nötige Leichtgängigkeit gesorgt. Solange noch eine Restmenge Öl im Topf zu erkennen war, lief alles ruhig. Aber wenn eine Mindesthöhe des Ölstands unterschritten wurde, musste Öl nachgefüllt werden. So einfach war das! Und wenn man sich an diese Regel hält, läuft so ein Maschinchen ewig.

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