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Reykjavik Sonnenuntergang

Reykjavik Sonnenuntergang

Jedes Land hat seine traditionellen Speisen. Bei den Schwaben sind es Spätzle, in Berlin ist es die Currywurst, in Thüringen sind es Bratwurst und Klöße, in der Pfalz der Saumagen, in Hessen trinkt man sauren Apfelwein und in Nürnberg kredenzt man das Dutzend Bratwürstchen. Letztere darf man auf keinen Fall mit einer richtigen Bratwurst verwechseln! Diese mickrigen Dinger hat bestimmt Gulliver von seiner Reise zu den Zwergen mitgebracht. In Frankreich futtert man Schnecken und Froschschenkel. „Igittigitt!“ sage ich da nur! Zum Glück darf ich mich an den Thüringer Spezialitäten austoben. Gegen einen Elsässer Flammkuchen hätte ich dagegen überhaupt nichts einzuwenden. In Russland trinkt man Wodka und in Griechenland ist Knoblauch Grundnahrungsmittel. Deshalb mache ich dort nie Urlaub. Nudeln und Pizza stammen zwar aus Italien, sind aber zwischenzeitlich weltweit verbreitet. Ebenso die leckeren Tomaten aus den Niederlanden.

Was ist die Lieblingsspeise der Isländer? Sie beginnen ihr Mahl mit einer Gemüsesuppe, die mit Schaffleisch gewürzt ist. Das ist eine gute Grundlage. Als Hauptgang servieren sie köstlichen Fisch oder Lamm. Das schmeckt gut und macht satt. Und als krönenden Abschluss bekommt jeder Gast ein Stückchen Gammelhai. Offiziell heißt das Zeug allerdings Hákarl. Oh, ist das lecker! Alleine schon der Name treibt selbst die Unsportlichsten hoch und motiviert sie zu einem Dauerlauf, weit weg in sichere Gefilde. Nach dem wundervollen Hauptgang ist das nicht einfach.

Der Grönlandhai ist manchmal Beifang beim Fischen. Der ist eigentlich ungenießbar. Er ist ein Plattenkiemer. In seinem Fleisch lagert er Harnstoff ab und das macht ihn ungenießbar. Wir Menschen sind da praktischer veranlagt. Wir gehen aufs Klo oder hintern Busch und schon ist der Harnstoff raus. Schmecken wir deswegen besser als Grönlandhai? Lassen wir diese Frage einfach mal unbeantwortet.

Zurück zum Hai. Soll man ihn etwa gleich wegwerfen? Da sind die Urisländer auf die geniale Idee gekommen, diesen zusätzlichen Eiweißlieferanten zu verarbeiten und genießbar zu machen. Nichts Einfacher als das. Man beginnt mit dem Filetieren. Dann hängt man die Stücke für drei Monate an die frische Luft, möglichst weit weg von jeder Nase, da die Stücke einen starken und sehr unangenehmen Geruch verströmen. Anschließend werden die Stücke noch für ein paar Monate verbuddelt. Während der ganzen Zeit findet im Fleisch ein Fermentierungsprozess statt, der es genießbar macht. Wobei das Wort genießbar hier wohl eher weniger angebracht ist. Die kontrollierte Verwesung, bei welcher der Harnstoff abgebaut wird, setzt Ammoniak frei. Hákarl riecht deshalb erst einmal wie ein Dixie-Klo auf der Baustelle um die Ecke im Hochsommer. Aber nicht wie im isländischen, sondern mindestens im mitteleuropäischen Hochsommer.

Trotzdem soll Hákarl angeblich von den Isländern gerne gegessen werden. Natürlich nur mit einem kräftigen Schluck Brennivin, einem isländischen Schnaps zum Nachspülen. Fisch will ja bekanntlich schwimmen.

Oder haben die Isländer das alles nur für die Touristen erfunden? Ich bin einer von der konservativen Sorte und für solche neumodischen Sachen, wie Gammelhai, nicht zu gebrauchen. Sollen die Isländer ihren leckeren Gammelhai doch selbst futtern und mutige Touris damit beeindrucken!