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Palast der Republik

Palast der Republik

Das Abreißen von historischen Gebäuden ist heutzutage in Mode gekommen. In Frankfurt ist es der Henninger Turm, in Stuttgart der Bahnhof, in Erfurt war es das Schiffshebewerk. Um Letzteres war es nicht schade. Es war sowieso eine Bauruine aus der glorreichen Vorwendezeit und wurde von den Erfurtern eher gehaßt als geliebt. Also weg damit! Jetzt hat Erfurt an dieser Stelle einen bescheidenen Park. Ach so, allen Nichteingeweihten sei gesagt, dass das Schiffshebewerk in Erfurt kein Schiffshebewerk werden sollte, sondern ein überdimensionierter Protzpalast á la Palast der Republik in Berlin, natürlich eineinhalb Nummern kleiner.

Der Berliner Palast, wie er kurz genannt wurde, war das Prestigeobjekt eines untergehenden Systems. Wenn ein System pleite ist, leistet es sich besonders große und teure Monumente. Nordkorea ist so ein Beispiel in der Gegenwart. Mangels eines Palastes der Republik lässt dieser Kim Jong-un wahnsinnige Jubelfeiern hungriger Patrioten veranstalten.

Der Palast hatte mehrere Probleme. Er war das Prestigeobjekt der DDR, er war mit Asbest gebaut worden und er wurde eigentlich nicht gebraucht. Die letzten beiden Probleme für sich genommen, sind noch kein K. O.-Kriterium. Asbest kann man ersetzen, wenn man das möchte und das nötige Kleingeld, am besten in Form von Koffern voller großer Scheine, mit sich herum schleppt. Bauwerke, die man nicht braucht, gibt es genügend. Die kann man einfach in der Gegend herum stehen lassen. Und wenn sie noch halbwegs ansehnlich aussehen, findet sich vielleicht doch noch Jemand, der eine Verwendung dafür hat und gerne einen ganzen Euro ausgeben möchte. Aber muss man, wenn man solch ein Objekt schon für viel Geld und mit großem Aufwand abreißt, gleich wieder ein neues, unnützes Teil dorthin setzen? Okay, auch unsere Wichtigmänner und –frauen wollen repräsentieren. Aber das geht doch echt ’ne Nummer Bescheidener! Und irgendwie werde ich das dumpfe Gefühl nicht los, dass dieses Humboldstadtforumschloss der unwürdige Nachfolger vom BER werden könnte. Von der Größe her hätte da ein A380 Platz drin. Hoffentlich haben die Konstrukteure wenigstens an die Rauchmelder gedacht.

Der Abriss des Palastes der Republik war nicht so ganz einfach. Der märkische Sand führt ein Eigenleben. Besonders in der Nähe der Spree, die unmittelbar daran vorbei fließt, können Belastungsänderungen im Untergrund gefährlich werden. Direkt neben dem ehemaligen Standort des Palastes steht der Berliner Dom. Der ist ebenfalls ein echtes Schwergewicht. Deshalb war es beim Abriss des Palastes wichtig, für jedes abgerissene Palastgramm immer gleich einen Gewichtsausgleich in Form von Sand oder Kies in die Baugrube einzubringen. Ziemlich zum Schluss sah die Abrissbaustelle dann etwas futuristisch aus. Übrig geblieben waren nur ein paar graue Betontürme. Und ganz zum Schluss konnte man auf einer Grünfläche lustwandeln. Es war schon ein komisches Gefühl, dort zu stehen, wo vorher dieses riesige Bauwerk gestanden hatte. Ich fand das aber irgendwie interessant. Das hat völlig neue Blickachsen geschaffen. Schade, aber es ist ein Trend der Zeit, dass Blickachsen gerne zugebaut werden. Und diese Stelle in Berlin ist ein wunderbarer Ort, mal wieder diesem furchtbaren Trend zu folgen.

Was haben wir heute eigentlich für ein Datum? Vor 52 Jahren gab des den Palast noch nicht. Damals benötigte man den Beton für andere Mauern. Der Palast kam erst, als wieder Beton übrig war. Die Spiegelbilder in seiner Fassade waren immer nett anzusehen.