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Frankfurt im Westhafen

Frankfurt im Westhafen

Damals war’s. Das war noch die sogenannte gute alte Zeit. Damals war die Digitalkamera noch nicht erfunden worden. Damals mussten noch Filme in die Kamera eingelegt werden. Erst wenn der Film mit seinen 36 Fotos belichtet war, wurde er zum Entwickeln gebracht. Ja, 36 Bilder waren auf den üblichen Kleinbildfilmen, 36 Bilder, mehr nicht. Und jeder Film hat zweimal gekostet. Einmal beim Kaufen des Films, dann noch einmal nach dem Entwickeln. Und die Papierbilder wollten auch bezahlt sein. Ob die Aufnahmen etwas geworden sind, sah man erst viel später. Der Urlaub war längst vorbei. Das Bild von der Liebsten vor dem Schiefen Turm von Pisa war total verwackelt. Es sah aus wie der Einsturz … Die Urlaubserinnerung war unwiederbringlich verloren. Einen zweiten Versuch gab es meistens nicht. Eine unvorstellbare Zeit war das. Ungefähr ein paar Tage nach den Dinos, etwa auf Höhe der Steinzeit muss das gewesen sein.

Irgendwann, es war schon im dritten Jahrtausend, habe ich mir auf dem Flohmarkt eine analoge Spiegelreflexkamera für einen Spottpreis zugelegt. Sie funktioniert sogar. Ich habe gleich einen Schwarz-Weiß-Film eingelegt und den Apparat getestet. Das Problem war dann das Entwickeln des Films. Ehe ich einen Laden gefunden hatte, der mir den Film entwickelt, scannt und auf eine CD-ROM kopiert, ohne Papierbilder anzufertigen und in Rechnung zu stellen, bin ich wie ein Irrer quer durch die Stadt von Laden zu Laden gerannt. Aber bekanntlich liegt das Gute so nah. Fast direkt um die Ecke ist ein Fotogeschäft, dass meine Wünsche erfüllen konnte. Ich war über das Ergebnis hoch erfreut. Als Steinzeitfotograf mit fotografischem Steinzeitwerkzeug durch die Gegend zu rennen und die Welt abzulichten, macht Spaß! Und die Ergebnisse sind beeindruckend!

Ich gestehe meine schändliche Tat. Ich habe betrogen, gedopt, geschummelt, … Ich hatte meine digitale Spiegelreflexkamera immer dabei und habe erst einmal digitale Versuche unternommen. Wenn es gepasst hat, wusste ich, wie ich die analoge Kamera einstellen muss. Es war der Geiz. Jede Aufnahme kostet schließlich extra! Ich bitte um Nachsicht Herr Richter, Frau Richterin! Ich bin doch ein absoluter analoger Anfänger! Bitte verurteilen Sie mich auf Bewährung! Dann kann ich die Bewährungszeit nutzen, um zu fotografieren. Im Traum, also wenn ich ganz, ganz tief im Traumland herumirre, träume ich sogar davon, meine Filme selbst zu entwickeln. Und dann wird der Film eingescannt. Das ist natürlich etwas für den Winter. Ja, Herr Richter, sie haben recht, ich habe das schon vor Jahren geträumt! Ich gelobe Besserung.

Eigentlich ist das Fotografieren mit analoger und digitaler Kamera völlig identisch. Brennweite, Blende, Belichtungszeit, … sind keine Erfindungen des Digitalzeitalters. Aber analog hat noch einen ganz besonderen Gag. Einen Gag, einen Knalleffekt, den man damals nicht kannte, sich nicht einmal vorstellen konnte. Nach jedem Foto schaut man, egal welchen Apparat man gerade ausgelöst hat, auf die Rückwand der Kamera. Das ist ein fest im Gehirn eingebrannter Reflex. Ratet mal, was man hinten auf der Analogkamera sieht! Ich verrate es einfach mal. Es ist immer dasselbe Bild!

Vor zwei Jahren habe ich im Kloster Donndorf einen Analog-Workshop besucht. Da ging es nicht um analoge Fotografie mit der Kamera. Es ging um Fotogramme, Chemogramme, Tonung und Clichee verre. Upps, was ist denn das? Es ist etwas für verspielte Jungs, wie mich. Spielen, spielen, nochmals spielen, mit Wasser und anderen Flüssigkeiten planschen, … Demnächst zeige ich ein paar Bilder und erläutere diese spannenden Fototechniken aus der fotografischen Steinzeit.

Heute gibt es ein paar analog aufgenommene Schwarz-Weiß-Bilder zu sehen, die in Frankfurt aufgenommen wurden.