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Am 25. August wird der Weltrohkosttag begangen. Das ist kein Witz. Das ist ein echter Gedenktag. Da kommt niemand drum herum.

Nun haben ja die Grünen in ihrem Wahlprogramm vorgeschlagen, jede Woche, am besten am Donnerstag, einen Veggy Day einzuführen. Dank einer bebilderten Tageszeitung, ist uns das nun in großen Buchstaben übermittelt worden. An diesem Tag sollen die Kantinen nur vegetarisches Essen anbieten. Früher nannte man das Gründonnerstag und den gab es nur einmal im Jahr. Der Fortschritt ist also unverkennbar. Dieser grüne Vorschlag hat die deutsche Welt in pure Aufregung versetzt. Manch einem ist sofort nach Kotelett zumute, wenn er das hört. Andere finden die Idee dagegen gut. Die Geschmäcker sind eben und glücklicherweise sehr unterschiedlich. Am Meisten regten sich die auf, die panische Angst haben, bei der nächsten Wahl weniger als fünf Prozent der Stimmen abzufassen. Das war für die ein gefundenes Fressen, wobei ich nicht weiß, wie ich das einordnen soll, vegetarisch oder nichtvegetarisch. „Man könne doch deutschen Unternehmen nicht vorschreiben, was sie ihren Kunden anbieten!“ meinten sie sofort wortreich. An die Kunden selbst haben sie zuerst nicht gedacht. Hauptsache den deutschen Unternehmen geht es gut. Recht haben sie. In echter Wahlkämpfermanier haben die Grünen total erschrocken und sofort zurückgerudert und dies zu einem reinen Vorschlag degradiert. Der war es wohl ursprünglich auch. „Man könne ja einfach mal versuchen, die Welt zu retten, statt immer nur Fleisch zu futtern!“ meinten sie. Recht haben sie! Die Piraten sagen erst einmal gar nichts. Denen ist die Pizza Salami vor Schreck im Hals stecken geblieben und das Fett auf die Tastatur getropft. „Mist, verdammter!“. Recht haben sie. Unsere Regierungschefin sitzt das Thema aus. Der Herr Profalla informierte aber sicherheitshalber den BND, der sofort beim NSA nachgefragt hat, wie die Grünen das gemeint hätten und ob es nicht besser wäre, mal eine unbemannte Drohne über das Regierungspräsidium der Grünen fliegen zu lassen. Sein Kollege hat sofort geblockt, darauf verwiesen, dass sein Drohnenprojekt momentan etwas in Schieflage geraten und eine echte deMisere sei. Lapidar hat er angemerkt, dass die grünen Drohnen im nächsten Bundestag sowieso keine Fluggenehmigung bekommen und wieder auf der harten Oppositionsbank schmoren würden. Das hätte ihm sein Staatssekretär schon vor fünf Jahren mitgeteilt, da braucht es also keinen Untersuchungsausschuss. Wieso haben die Oppositionäre im Bundestag nicht einmal gepolsterte Sitze? Dort ist doch sonst nichts teuer genug! Also, alles in allem nichts Neues in Berlin, das übliche, unbedeutende Parteiengeplänkel. Die Welt dreht sich unbeirrt weiter.

Mit dem heutigen Weltrohkosttag habe ich meine Probleme. Das Grünzeug, selbst wenn es rot wie eine Tomate daher kommt, ist nicht so richtig meins. Ich brauche etwas, was satt macht. Das muss nicht unbedingt Fleisch sein. Nudeln, Reis, ein guter Gemüseeintopf, gerne mit einem Würstchen, sind mir auch willkommen. Auch eine kleine, zierliche, wohl abgeschmeckte Salatbeilage ist erlaubt. Natürlich muss die rein vegetarisch, also ohne Maden und Schnecken sein. Höchstens ein paar Stückchen gebratenes Hühnchenfleisch, was ja noch fast als vegetarisches Gemüse zählt, darf den Salat krönen. Vom Dessert möchte ich nicht reden. Das ist für Naschkatzen eine Selbstverständlichkeit. Aber nur Rohkost? Das geht nicht. Das überlebe ich nicht. Noch dazu an einem Donnerstag. Das ist ein ganz normaler Arbeitstag. Da muss ich Leistung bringen. Sonst beginnt der deutsche Wirtschaftsmotor zu stottern. Welcher Motor läuft ausgerechnet am Donnerstag mit Gemüsesaft und bringt uns volle Kanne nach vorn? Der verreckt ganz elendig. Und so würde es mir auch ergehen.

Ich begehe stattdessen den „Ihr-dürft-gerne-ganz-viel-Rohkost-futtern-,-aber-ich-esse-etwas-Sattmachendes-Tag“.

Die Welt retten – geht das mit Rohkost alleine? Schaffen wir die Rinder ab? Die sind angeblich an dieser Misere Schuld. Müssen wir auf Rindfleisch verzichten? Dürfen jetzt keine Kühe mehr angebaut werden? Wo kommt die Milch der Zukunft her? So viele Fragen, wo bleiben die Antworten unserer Regierung? Die ist fort. Die Regierung ringt im Wahlkampf um Stimmen. Regiert wird erst zu Weihnachten wieder und wir wissen noch nicht, von wem. Na gut, so eine gewisse Ahnung, von dem, was auf uns zukommt haben wir ja schon. Es wird auf jeden Fall nicht besser!

Aber weshalb sind Rinder so schädlich für unsere Welt?

Rindviecher haben ein schlechtes Benehmen. Das ist es, was unsere Welt zerstört. Die Biester pupsen andauernd. Und Rinderpupse sind viel schlimmer als … äh … hm …. na, sagen wir mal, schlimmer als Atomkraftwerke. Zumindest sind sie viel schlimmer als die deutschen Atomkraftwerke. Und die haben ja nun auch kein ewiges Leben mehr, bis auf die Brennstäbe. Die strahlen auch in tausend Jahren noch. Da sind die Kühe einfacher auszuschalten. Wenn die geschlachtet werden, strahlen sie nicht mehr.

Jetzt frage ich mich, sind Schweine, Ziegen- und Schafpupse weniger schädlich? Und wie steht es mit den Abgasen von Hühnern, Gänsen, Enten, Puten und anderem Fluggetier? Und ich? Nein, die letzte Frage wird hier nicht behandelt – Drei Ausrufezeichen!!!

Der kleine Ingenieur in mir fragt schon die ganze Zeit, ob es nicht eine viel bessere Lösung für die Kuhpupse gibt. Stöpsel rein und Schloss davor! Nein, das geht nicht. Dann fliegen die Kühe irgendwann davon und platzen vom inneren Überdruck über unseren Köpfen. Diese Sauerei und den Gestank möchte ich mir lieber nicht vorstellen. Da würden die Tierumweltschützer zu Recht protestieren. Das hat nichts mit artgerechter Haltung zu tun.

Vielleicht sollte man die Abgase einfach auffangen! Nicht Stöpsel, sondern Schlauch hinten rein. Natürlich muss das gut abgedichtet werden. Pupse sind ein kostbarer Rohstoff der Zukunft. Die Rinderpupse werden über Rohrleitungen in große Tanks geleitet, aufbereitet und als irgendetwas Anderes dann verkauft. Rinderpupse sollen ja zum großen Teil aus Methan bestehen. Methan, das ist CH4, mit kleiner 4 hintendran. Aus dem C könnte man Kohle machen. Das ist ein begehrtes Produkt, vor allem, wenn es nicht erst ausgebuddelt werden muss. Das H4, wieder mit kleiner 4 hinten dran, wird verbrannt, ergibt Wasser und wird zum Beregnen in die Sahara exportiert. Dort ist viel Platz, dort wächst dann das Grünzeug für den nächsten Weltrohkosttag heran.

Eine andere, noch bessere Variante wäre, ein bisschen Geschick unserer Chemiker vorausgesetzt, aus dem Methan Alkohol herzustellen. Methan, Sauerstoff und dreimal umgerührt, ein bisschen Geschmack hinein laufen lassen und fertig ist der Treibstoff fürs Futurecar. Wer unterwegs Durst hat, zieht einen Schluck mit dem Trinkhalm aus dem Tank. Echter Pupslikör wird zum Renner der Saison.

Diese Idee stammt übrigens nicht von mir! Schon in den frühen 60ern des letzten Jahrhunderts hat ein gewisser Immerklug, bei den Knirpsen in Sonnenstadt, ein Limonadenauto konstruiert. Leider hat sein neunmalkluger Gegenspieler Nimmerklug, man beachte den kleinen Unterschied im Namen, immer die süße Limonade ausgetrunken. Und als ihm die, in der Sommerhitze leicht angegorene, süße Limonade zu Kopf gestiegen ist, hat er sich im Garten unter eine Salatgurke in den Schatten gelegt. Die reife Salatgurke ist ihm auf die Birne geplumpst. Schwips, Sonnenstich und Gurkenbirnengong hatten verheerende Folgen. Als sich seine Knirpsenkumpels und Knirpsenkumpelinen bei ihm beschweren wollten, dass das Limonadenauto wegen des weggesüffeltem Limonadentreibstoffs nicht mehr fährt, lief er schreiend durch Sonnenstadt „Hilfe! Rennt schnell weg! Es ist ein Stück von der Sonne abgebrochen und kommt genau auf uns zugerast! Hilfe!“. Zum Glück hat Mr. Immerklug den Unsinn, den Nimmerklug verbreitet hat, schnell durchschaut und die Sonnenstädter gewarnt. Nicht vor der Sonne, vor Nimmerklugs Dusseligkeit hat er sie gewarnt. Und so wurde Nimmerklug mal wieder zum Gespött der ganzen Stadt. Es war eines meiner Lieblingsbücher „Nimmerklug in Knirpsenstadt“. Ich besitze 3 Bände davon und habe oft daraus vorgelesen bekommen, damals, als ich ein kleiner Junge war und als die Rinderpupse noch nicht so gestunken haben. Im großen Fluss sind die Bücher auch heute noch zu finden.

Die Erinnerung an diese schöne Geschichte hat mich jetzt sogar mit dem Weltrohkosttag versöhnt.

Ich hatte vor vielen Jahren mal ein sehr lustiges Erlebnis. Da saß ich in einem Regionalzug. Auf der anderen Gangseite saß ein etwas älterer, voluminöser Herr, ihm gegenüber Vater und auf dem Fensterplatz sein etwa achtjähriger Sohn. Vater und Sohn spielten „Ich sehr was, was du nicht siehst!“. Plötzlich, Sohnemann hat heftig gegrübelt, was Vater wohl gerade sieht, pupst der Herr von Gegenüber verhalten, aber hörbar. „Papa, der Mann hat gepupst!“. „Pst! So etwas sagt man nicht.“, entgegnet der Vater leise und mit ein wenig Schamesröte im Gesicht. „Aber der Mann hat doch gepupst! So etwas macht man nicht!“ sagt der Junge empört, laut und deutlich. Ich hätte schreien können vor Freude. Der Vater sagt verzweifelt und betont ruhig „Jetzt rate weiter, was ich gesehen habe. Soll ich Dir noch einen Hinweis geben?“ Aber Sohnemann sagt wieder unüberhörbar „Ich rieche es schon. Außerdem weiß ich nicht mehr, welche Farbe du genannt hattest.“ Ich weiß es heute auch nicht mehr. Und wie der Herr reagiert hat, ist mir auch entfallen. Das war bei Weiten nicht so spannend, wie der Disput zwischen Vater und Sohn.

Hoch lebe der Weltrohkosttag, dreimal hoch!