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Kanzlerkandidat

Der Kanzlerkandidat

In Hessen finden parallel zu den Bundestagswahlen auch Wahlen zum Landtag statt. Das ist praktisch und spart Kosten. Die Bayern sind diesbezüglich ja ganz anders gestrickt. Die Bayern wählen ihren Landtag schon früher und schicken ihre Wähler zweimal kurz hintereinander an die Urne. Das klingt wie ein Begräbnis. Vielleicht muss Horschti dem Christian Ude Platz machen. Oh je, das gibt ein Drama ersten Ranges! Fernsehtechnisch und comedymässig wäre das sicher eine gute Lösung. Bei den Doppelwahlen ist es schwer, die Wahlplakate und die Kandidaten richtig zu sortieren. Man verzeihe mir, dass ich hier pauschal über die Wahl schreibe.

Sind die Sprüche unserer Parteien auf ihren Plakaten wirklich ernst gemeint? Die sind so allgemein gehalten, dass hinterher immer gesagt werden kann, „Das haben wir ja immer schon gesagt!“, egal, was gerade gesäuselt wurde. Egal wer etwas verlautet hat.

Aber! Es geht auch ganz anders. Da verspricht eine Partei, die wohl eher an keiner Landesregierung beteiligt sein wird:

Fluglärm bekämpfen. Landebahn stilllegen!

Die glauben wohl tatsächlich, dass der Wähler so dusselig ist, zu glauben, dass dies machbar ist. Okay, eine Oppositionspartei, die möglicherweise nicht im Parlament landet, kann so etwas schon mal von sich geben. Die strittige Landebahn des Frankfurter Flughafens wurde halbwegs nach Recht und Gesetzt gebaut, hat Milliarden gekostet. Daran hängen massig Arbeitsplätze, Staatseinnahmen, … Ein Rückbau würde berechtigte, wahnsinnige Regressansprüche des Flughafens und der Airlines zur Folge haben. Das ist also eine völlig absurde Forderung. Denken wir nur mal daran, was beim Berliner Flughafen BER so abgeht! Wo waren diese Politiker eigentlich, als es um den Ausbau des Flughafens Frankfurt ging? Damals, als man den Flughafenbau noch konzeptionell steuern konnte. Hinterher lässt es sich leicht meckern. Ein paar Stimmen, der beim morgendlichen Start des ersten Jets erschrocken aus dem Bett purzelnden Leute, gibt es bestimmt.

Völlig im Gegensatz dazu steht der Wahlspruch der farbähnlichen Konkurrenz:

Stark für die Schwachen – Laut für die Leisen

Was will uns das sagen? Schwach ist ein Flieger ja nun wirklich nicht. Sonst würde er gleich unten bleiben. Leise ist er auch nicht. Selbst die Flüsterturbinen, die in zwanzig Jahren fertig entwickelt sind, wird man kaum übertönen können. Oder sollen die Lautsprecherdurchsagen an der Landebahn lauter werden, damit man sie besser versteht, wenn gerade so eine A380 angedüst kommt? Sollte der Wahlspruch vielleicht ganz anders gemeint sein? Im Kontext aller Parteien wirken manche Plakate anders als ursprünglich geplant.

Schön finde ich auch:

Claudia ist hier

Das ist nett, von dir, liebe Claudia. Wo bist du überhaupt? Ich habe dich nirgends entdeckt. Also auch nur eine leere Versprechung. Claudia hält ihre Wahlversprechen schon vor der Wahl nicht ein.

Neue Helden für Hessen

Ja, das wird endlich mal Zeit! Die alten Helden werden langsam etwas tatterich.

Für Frieden und Eintracht

Den Spruch kenne ich etwas anders. Früher hieß es „Für Frieden und Sozialismus – Seid bereit!“ Oder sollen die Fans von Eintracht Frankfurt endlich etwas friedvoller werden?

Meine Mudda wird Chef

Meine Mudda war mal Chef. Das ist lange her. Jetzt hat ihre Schwiegertochter den Job. Das macht sie ganz gut!

Kommen wir nun zur Abteilung ‚Lustiges zur Wahl‘.

Für seinen Namen kann niemand etwas. Ursula auf der Heide erinnert mich an etwas. Was macht die auf der Heide? Es ist Wahl, da sollte sie von Tür zu Tür marschieren. Oder in der Fußgängerzone Luftis verteilen. Vor Jahren habe ich öfter mal eine Bergheidi gefuttert. Die Bergheidi war ein einfacher, aber leckerer Flammkuchen mit Tomate und Rucola oben drauf. Die Gaststätte hat den Besitzer gewechselt, schade! Gedankensprünge gibt es manchmal!

Und dann der Herr Paris, der macht es ganz toll. Erst will Paris nach Berlin. Dass Paris in diesem Fall keine Ortschaft ist, sieht man auf dem Plakat erst auf den dritten Blick. Dann pflastert er die Straßen mit wirren Plakaten voll. An jeder Laterne hängt so ein knallrotes Riesending. Normalgröße hat natürlich nicht ausgereicht. Paris ist schließlich auch kein Dorf. Die Autofahrer sind genervt. „Sind plötzlich alle Ampeln auf Rot?“ fluchen sie. Selbst, wenn sie im Berufsverkehr stehen, denken sie, dass gerade eine neue Airline zum Jungfernflug einlädt. Vielleicht sollte dieser Kandidat mal seinen Marketingmanager feuern. Außerdem wären halb so viele Plakate immer noch zu viel, würden aber die Umwelt und die Parteikasse schonen. Er verfährt er nach der Devise, „Wo mein Plakat hängt, kann kein anderer etwas hinhängen!“?

Das Problem hat sich innerhalb eines Tages von selbst gelöst, prima! Mindestens die Hälfte der roten Plakate ist in sich zusammen gefallen oder liegt auf dem Boden. Der Fahrtwind der vorbei sausenden LKW oder Busse hat einen guten Job getan. Wer ist auch so dumm, dünne, einlagige Wellpappe zu verwenden! Die knickt unter dem eigenen Gewicht logischerweise sehr schnell ab, reißt sich von der Kabelbinderbefestigung los. Also ziehe ich den Schluss, dieser Kandidat ist umweltpolitisch und marketingtechnisch nicht tragbar.

Der Chefkandidat einer Partei ließ mir einen bunten Werbeflyer in den Briefkasten stecken. Darauf verbreitet er „Als ich heute früh diese Zeilen schrieb …“. Eine pure Lüge ist das. Ehe so ein Flyer getextet, layoutet, … und schließlich durch sämtliche Parteiinstanzen durchgewunken ist, da vergehen Wochen. Und der Druck einer Millionenauflage dauert wenigstens ein paar Tage. „Als ich heute früh …“ das war wohl nichts, mein Herr. Na gut, auf Platz eins der Landesliste hat er einen Sitz im neuen Parlament sicher. Da spielt solch ein Fauxpas keine Rolle.

Auch Schreibfehler sind auf den Plakaten zu finden. Nein, das ist kein Problem der alten und neuen Rechtschreibung. Das wäre noch verzeihlich. Damit hat die gesamte Menschheit Schwierigkeiten. Der hier gezeigte Schreibfehler ist wirklich peinlich. Wenn schon Werbung für Grundnahrungsmittel gemacht wird, dann bitte richtig. Anglizismen verschandeln unsere Sprache. Das versteht Stammwähler Opa Müller nicht. Bei Bier versteht der keinen Spaß!

Laut Wahl-o-Mat gibt es 29 Parteien, die zur Bundestagswahl stehen. Ich habe fast nur die Plakate von CDU, SPD, Grüne, Linke, FDP und Piraten entdeckt. Das reicht auch voll aus. Es ist einfach kein Platz für weitere Plakate vorhanden. Bei der nächsten Wahl hänge ich rechtzeitig irgendwelche bunten Bilder an die Laternen der Stadt. Und dann versteigere ich die Plätze meistbietend in der eBucht.

Eine Partei, deren Existenz ich bisher überhaupt nicht auf dem Schirm hatte, schreibt Sachen auf ihre Plakate, die zu verstehen man mehr als ein Abitur braucht. Was zum Teufel ist ein Glass-Steagall-Bankentrennungssystem? Stopp, es lohnt nicht, dies zu erforschen, zu googlen, selbst wenn es etwas Sinnvolles sein sollte. Diese Partei bekommt maximal 23 Stimmen, weltweit. Aber nur, wenn alle ihre Mitglieder bei der Wahl das Kreuz an die richtige Stelle kreuzen.

Vor ein paar Jahren hat einer unserer werten Politiker, in einem unerwarteten Anfall von Realitätssinn, mal das Wort „Gurkentruppe“ öffentlich verwendet. Ich finde, es passt auch heute noch sehr gut.