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Betteleiche im Hainich

Betteleiche im Hainich

Das typische Klischee: Der Vater schenkt seinem Buben eine elektrische Eisenbahn…

Mit dem Fotografieren ist es ähnlich. Das Kind im Manne braucht einfach etwas zum Spielen. Die elektrische Eisenbahn ist ziemlich out (???). Eine Briefmarkensammlung wird schnell langweilig (???). Ein Auto hat er sowieso schon vor dem Haus stehen. Wozu Gartenarbeit? Tomaten gibt es doch im Supermarkt! Eine Freundin? Kommt überhaupt nicht in Frage – die Angetraute hat sich hervorragend bewährt, hat Potenzial bis ans Lebensende! Liebe nennt nennt man das, auch wenn die Schmetterlinge inzwischen langsamer schmettern. Stress gibt’s im Job zu Genüge. Da braucht man sich nicht noch extra welchen zu machen. Man ist ja schließlich nicht mehr der Jüngste. Also muss etwas Neues her, etwas ganz neues! So denkt der gemeine, mitteleuropäische Mann. Wie ist clevere Frau gestrickt?

Wie wäre es mit einer Digitalkamera? Na klar, aber bitte eine Richtige! Eine Kompakte oder gleich eine Spiegelreflexkamera? Zu teuer? Golfen ist auch nicht preiswerter – höchstens prestigeträchtiger – meinen die Golfer!

Eine Kompakte ist einfach zu bedienen, hat viele Automatiken, relativ wenig Einstellmöglichkeiten. Zoomen und klick, mehr muss man nicht tun! Und so sind die Möglichkeiten in Hinblick auf die Lichtmalerei je nach Modell auch etwas eingeschränkt. Aber man kommt bei ‚normalen’ Motiven schnell zum Erfolg. Eine Spiegelreflexkamera ist komplizierter. Hat auch Automatiken, vor allem aber kann alles manuell und völlig individuell eingestellt werden. Ein bisschen Fotografie-Know-how ist schon erforderlich. Wer nur oder überwiegend Automatiken nutzt, sollte zur Kompakten greifen. Unterschiede und Zusammenhänge zwischen Blende und Belichtungszeit, Brennweite und Empfindlichkeit sowie Tiefenschärfe sollte man wenigstens kennen oder lernen wollen.

Auf geht’s. Entweder es bleibt beim Knipsen oder es wird richtig fotografiert. ‚Richtig’ heißt in diesem Fall: Es wird zum ernsthaften, zeitaufwändigen Hobby, gar zur Sucht, zur Leidenschaft!

Und dann …

… dann ist es nur noch ein kleiner Schritt zur Lichtmalerei. Man muss ihn nur gehen! Das Spielen hat eine neue Dimension, neue Verlockungen, macht wieder richtig Spaß!

Womit spielen Frauen eigentlich am liebsten? Stopp – Halt – Sorry! Ich ziehe die Frage lieber schnell zurück! Nur so viel: Wo sind die Lichtmalerinnen?

Tschüss allerseits! Habe jetzt keine Zeit mehr. Ich muss spielen gehen! Fotos gibt es demnächst wieder!

Das oben gezeigte Bild ist schon ein paar Jahre alt. Aber es ist längst nicht so alt, wie die abgebildete Betteleiche im Hainich. Der Hainich, nördlich von Eisenach in Thüringen gelegen, ist ein großes Naturschutzgebiet. Seit wenigen Jahren steht es sogar unter UNESCO-Schutz. Das Besondere am Hainich ist der riesige Laubwald mit allem, was dazu gehört. Es ist eine wunderschöne Naturlandschaft. Es ist ein Eldorado für Naturliebhaber, Wanderer und Fotografen. Die wunderbare thüringische Frischluft gibt es gratis!

Irgendwann im Spätherbst – oder war das schon der Frühwinter – habe ich einen Fotoworkshop besucht. Wir sind abends in der Dunkelheit mit einem alten, gasgetriebenen ROBUR-Bus in den Hainich gefahren. Das ist, außer den Fahrzeugen der Ranger, das einzige motorgetriebene Fahrzeug, das im Hainich fahren darf. Der Motor des Busses hatte dauernd Aussetzer und wir die Befürchtung, schieben zu müssen. Dann haben wir mit Taschenlampen, Blitzgeräten und Handscheinwerfern die Betteleiche angeleuchtet. Mit farbigen Folien vor den Leuchten wurde versucht, Stimmungen zu erzeugen. Ich erinnere mich noch gut daran, dass es ein absolutes Mistwetter war. Die ganze Zeit über hat es geregnet. Ich war trotz eines Regenumhangs klatschnass. Aber das hat an dem Spaß, den diese Aktion bereitet hat, nichts geändert. Der Höhepunkt war das Einnebeln der Betteleiche und gleichzeitige Anleuchten von hinten und vorn.

Es ist eines meiner Lieblingsfotos, weil damit schöne Erinnerungen verbunden sind.