Schlagwörter

, , ,

Rettungseinsatz

Rettungseinsatz

Auf dem Wasser vor Venedig gibt es nur drei Verkehrsregeln. Je größer das Schiff, je lauter die Hupe und je schneller der Pott, desto Vorfahrt. So einfach ist das. Wenn das nicht ausreicht, greift die Oberregel. Wer aufgibt, muss warten. Aber Italiener geben niemals auf. Wenn sie den Anderen vorlassen, ist es venezianischer Großmut, verbunden mit dem selbstzerfleischenden Vorwurf „Hätte ich noch eine zehntel Sekunde gezögert, dann wäre ich der Sieger gewesen!“. Für die schweren Fälle gibt es Rettungsringe.

Die Straßenverkehrsregeln sind ebenfalls übersichtlich. 50, 110 und 130 Stundenkilometer, je nach Lage und Straßentyp gelten im ganzen Land. Es ist also ganz ähnlich wie bei uns in Deutschland. Wer am Schnellsten ist, kommt eher zu Hause an. Ansonsten gelten dieselben Regeln wie auf dem Wasser.

Im nächsten Stau sehen sich alle wieder. Italienische Staus sind im Gegensatz zu ihren deutschen Geschwistern, viel entspannter. Man lässt gerne etwas Abstand zum Vordermann. Italiener nutzen nicht jede noch so kleine Lücke zum Spurwechsel. Deshalb sind italienische Staus immer dreimal so lang, wie die deutschen. Lieber nutzt man die Zeit zum Telefonieren, Anbaggern der Lady im Cabrio auf der anderen Spur oder für einen kleinen Plausch mit dem Brummifahrer. Solch ein Stau gefällt mir. Da kommt man gut erholt an seinem Ziel an.

Der Rettungsdienst ist in Italien wirklich gut organisiert. Selbst im Stau in den Kanälen von Venedig wird nach langem Trillergepfeife, tausendfachem „Avanti, avanti!“ eine Gasse für das Rettungsfahrzeug frei gemacht. Mit Blaulicht und Sirene düst es dann mit Schrittgeschwindigkeit hindurch. Mindestens drei Männer steigen aus. Einer schiebt eine Schubkarre, auf welcher der Notfallkoffer liegt. Die anderen suchen das Wohnhaus des Opfers. Da es in Venedig keine Straßennamen gibt, alle Häuser von eins bis etwa siebentausend durchnummeriert sind, ist das nicht so ganz einfach. Die Sanitäter dieses Rettungsbootes habe ich in den Gassen mehrfach gesehen. Fast verzweifelt suchten sie ihren Einsatzort und immer wieder haben sie Einheimische befragt. Wenn der Kranke endlich gefunden wurde und noch lebt, kommt er auf die Schubkarre und wird zum Rettungsboot kutschiert, das ihn ins Krankenhaus bringt. Ja, das ist wirklich so. Ich habe das auf Burano, einer Glasbläserinsel in der Lagune nördlich von Venedig gesehen. Natürlich habe ich von der älteren Dame, die etwas verkrampft auf der Karre hing, kein Foto gemacht.