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In der letzten Woche hat die deutsche Tempo-30er-Zone ihren dreißigsten Geburtstag gefeiert. Sie ist also, wie man sagt, aus dem Gröbsten heraus. Soll ich nun gratulieren?

Die Geburt der 30er-Zone fand in Buxtehude statt. Meine Oma hat früher immer gesagt, „Buxtehude, wo die Hunde mit dem Schwanz bellen!“ Ich hatte bisher keine Ahnung, wie dieser Spruch zustande gekommen ist. Aber in Wikipedia findet man eine mögliche Erklärung dafür. 1983 wurde hier jedenfalls ein Modellversuch gestartet, der die 30er-Zone samt ihrer Beschilderung schließlich offiziell in die Straßenverkehrsordnung gebracht hat.

Ich wohne in einer 30er Zone. Vor meinem Haus 30 km/h zu fahren, ist mutig. Es steht direkt am Rand der Stadt, unmittelbar Feldrand. Die Kurve im Wendehammer ist eng und die Gefahr, als Blumenkohl auf dem angrenzenden Gemüsefeld zu landen, entsprechend groß.

Ich kann verstehen, dass Anwohner ihre Ruhe und eine 30er-Zone wünschen. Wer nur durchfährt, ärgert sich dagegen. 30 km/h ist eine doofe Geschwindigkeit. Da schwankt man immer zwischen dem zweiten und dritten Gang. Das ist also ‚nichts für sie und nichts für ihn‘. Energiebewusste nehmen natürlich den dritten Gang und rutschen über die erlaubten 30 Klamotten.

Eine 30er-Zone ist ein hübsches Geschäftsmodell. Einfach eine Laserkanone des Ordnungsamtes aufgestellt und schon rollt der Rubel mit ungehöriger Lichtgeschwindigkeit ins Stadtsäckel. So etwas wünsche mir vom Weihnachtsmann. Ich stelle mich irgendwo hin und verdiene mein Geld.

Die Laserpistolen haben eine unglaubliche Reichweite. Deshalb sind sie von Weitem schwer zu erkennen. Ist das nicht gemein? Das ist ein Überfall aus dem Hinterhalt, wie er im Mittelalter gang und gäbe war. Wir leben längst im 3. Jahrtausend! Ist so etwas überhaupt erlaubt?

In Thüringen wird im Radio halbstündlich nach dem Verkehrsfunk durchgesagt, wo die Blitzer stehen. Verkehrserziehungspädagogisch ist das sicher eine kontraproduktive Maßnahme. Sie wird von den Autofahrern allerdings geschätzt. Trotzdem landen noch genügend Eilige in den aufgestellten Fallen. Mir ist so etwas auch passiert. Der Autobahnblitzer, der mich vor einem halben Jahr erwischt hat, wurde dummerweise erst durchgesagt, als ich schon fotografiert worden war. Was im Wohngebiet die nervigen 30 km/h sind, ist auf der Autobahn das 80er-Schild.