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Schuhe sind ein Problem. Nein, das stimmt nicht. Schuhe sind ein Berg, ein Bergmassiv, ein Hochgebirge von Problemen, so eine Art Schuhproblemhimalaja.

Los geht es bereits mit dem Kauf der Schuhe. Das sind die zehn Minuten des Lebens, die einen Mann wirklich altern lassen. Fix und fertig ist das arme Kerlchen danach. Anschließend müssen die neuen Treter eingelaufen werden. Wenn man Glück hat, bekommt man nur kleine Blasen an der Ferse.

Schuhe kaufen, das ist die Hölle auf Erden!

Weiter geht es mit dem Putzen der Guten. Es ist immer wieder dieselbe Leier. Dreck liebt Schuhe. Hier fehlt die ultimative, im Schuh integrierte, vollautomatische, NSA-gesteuerte Dreckabwehrkanone. Ein autonomer, sich selbst aktivierender, flüsterleiser, stromsparender Dreck-von-Schuh-mach-Roboter wäre ebenfalls denkbar. Der könnte dann gleich noch ein Pflege- und Duftauswechselungsprogramm starten.

Wenn man sich endlich an seine Schuhe gewöhnt, langsam eine Liebesbeziehung aufgebaut hat, beginnen sie, ohne die geringste Vorankündigung, schon nach zweieinhalb Jahren plötzlich zu altern. Die Enden der Schnürsenkel beschließen auf einmal und mit einem kräftigen Ruck, ihren eigenen Weg zu gehen. Der führt die Schnurenden schnurstracks in den Mülleimer. Schlimmstenfalls zerlegen sich die Schuhe auch noch in ihre Einzelteile. Beliebt sind klappernde Sohlen. Natürlich mag man die überhaupt nicht. Aber ab ist ab. Mitten in der Stadt, genau vor dem größten Schuhladen passiert so etwas. Und das ausgerechnet bei den Lieblingsschuhen, auf die man eigentlich nie im Leben wieder verzichten wollte. Und die sind doch inzwischen so bequem geworden!

Jeder Schuh hat ein Ende, nur der Senkel hat zwei.

Irgendwann ist endgültig Schluss. Nichts geht mehr – Rien ne va plus! Die Tränen drücken mächtig. Aber nicht wegen der alten, zerlatschten Treter. Das Problem ist, dass der Stress mit dem Schuhkauf von vorn beginnt. Was macht man mit den seinen Lieblingen? Erst einmal bleiben die natürlich noch ein paar Jährchen im Schuhregal stehen. Sie haben sich einen gemütlichen Lebensabend schließlich redlich verdient. Doch irgendwann gilt, es Abschied zu nehmen. Bleibt die Frage, wohin mit den Teilen. In der Altkleidersammlung, mitten zwischen den zerfressenen, wollenen Pullovern, Leibchen und Unterhosen, würden die sich garantiert nicht wohlfühlen. Der Sondermüll wäre noch eine Option. Normaler Hausmüll kommt natürlich nicht infrage. Die Stadtluft ist zu kostbar. Außerdem lebt man heutzutage in einer Umweltzone. Nur Müll mit grüner Plakette darf entsorgt werden. Auf welchem Schuh klebt solch eine Marke?

Ich hasse es, Schuhläden zu betreten!

Es gibt ein weiteres, jedes Jahr wiederkehrendes Problem. Egal, was für Schlappen man trägt, sie sind zu klein. Zu klein für die Füße sind sie normalerweise nicht. Schließlich wurden sie ja in einer schweißtreibenden Aktion ausgewählt, anprobiert, eingekauft und eingelatscht. Sie sind zu klein für den Nikolaus, für seine Gaben. Für den Nikolaus können sie gar nicht groß genug sein. Schuhgröße 67,5 wäre nicht einmal für zwergenhafte Schokoliebhaber ausreichend. Besonders wichtig ist die Schaftlänge. Ideal erscheint die Bekleidung für Angler, die gerne bis zur Brust und mit der Angel in der Hand im Wasser stehen. Da hat man stundenlang zu tun, die verschwitzten Einlegesohlen aus den verschlungenen Tiefen der Füßlinge heraus zu fischen. Die Innenwände zu reinigen, ist ebenfalls eine kraftraubende Angelegenheit. Schließlich hat ein Angler tagelang darin verbracht, all seine Ausdünstungen hineingepupst und –geschwitzt. Und wenn von außen ein paar Fischlein knabberten, hat das auch nicht zu einem schokoladenkonformen Duft beigetragen.

Ich liebe Schokolade.

Morgen ist der Nikolaustag. Heute ist Schuhe putzen angesagt. Sie müssen glänzen, wie eine geölte Speckschwarte. Nikolaus liebt so etwas. Sie müssen mehr beeindrucken, als alle anderen Schuhe dieser Welt. Der Rotmantel darf sie auf keinen Fall übersehen. Er soll von ihrem Glanz, ihrer Schönheit, ihrem … ach was weiß ich, so geblendet sein, dass er nur noch sie sieht. Freudestrahlend füllt er sie mit einem gewaltigen Berg Naschereien. Schokolade, Marzipankartoffeln, Spekulatius, Dominosteine, Pfefferminzplätzchen, … Erst wenn nichts mehr drauf passt, wird er weiter gehen und die anderen Schuheputzer dieser Welt beglücken.

Lecker!

Einmal im Jahr die Schuhe putzen, das ist ein guter Anfang. Im nächsten Jahr könnte ich ja zwischendurch, sagen wir Mitte Juli eine Zusatzschicht einlegen. Ich esse Schokolade zu jeder Jahreszeit gerne. Ich befürchte nur, dass ich in den Schokoladenladen rennen und mir die begehrte Leckerei selbst besorgen muss. Aber was nimmt man nicht alles auf sich, um an Schokolade zu kommen! … Erfordert der zwischennikolausige Schokoladenappetit überhaupt glänzende Schuhe? Doch! Ordnungsliebende Menschen kratzen mindestens zweimal jährlich den Dreck aus dem Sohlenprofil.

Ich würde mich sogar überreden lassen, mal wieder einige Minuten für den Kauf eines Paars neuer Treter zu opfern. Damit sich Nikolausi im nächsten Jahr wieder freuen kann.

Wenn sich Nikolausi freut, freue ich mich auch!