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DIE VIERUNDZWANZIG

DIE VIERUNDZWANZIG

Heute ist der Heilige Abend. Morgen ist es vorbei. Bis auf den Weihnachtsbraten. Der muss noch verputzt werden, sonst war alles umsonst.  Der reicht für knapp drei Tage und jeweils fünfzehn Gäste. Da darf nichts übrig bleiben! Und dann sind ja noch die Gans, diese klitzekleine 15 kg leichte Pute und das halbe Wildschwein im Kühlschrank. Ach ja, Sylvester schlunzt ja auch schon hinter dem nächsten Wochenende hervor. Mutters Kartoffelsalat und … Der Vorsatz, ab und zu ins vegetarische Lager zu wechseln, muss warten. Es ist einfach kein Platz in unseren Vorratslagern. Noch mehr essen, das geht nun wirklich nicht! Vielleicht denken wir mal im März, wenn die Reste aufgefuttert sind, darüber nach. Wer erinnert uns daran?

Gleich sind wir durch mit den Türchen am Adventskalender. Ist tatsächlich noch eine Tür ungeöffnet? Klar, wir schummeln doch nicht! Wir haben nur mal ein ganz, ganz klein wenig durch das Fenster in der Tür geschielt. Man erkennt ja schon verschwommen, was sich Tolles dahinter verbirgt. Dann hüpfen wir an diesem miesepetrigen Morgen letztmalig wie der geölte Blitz aus dem Bett. Mit dem einen halb geöffneten Auge wird das Ziel routinemäßig fixiert. In langem Sprung, die Jalousie des zweiten Auges klemmt schlaftrunken, erreichen wir unseren Adventskalender und reißen die VIERUNDZWANZIG auf.

Ohne diese kleine Kalorienbombe am Morgen geht zurzeit nichts mehr. Die Schlankheitsdiätdienste jubeln. Unendlicher umsatzstarker Gewichtsfrust kommt auch 2014 auf sie zu (Liebe Grüße an die Punktezähler!). Der Blick aus dem Fenster auf die unweihnachtlich grau meliert anzuschauende Welt lässt uns noch ein Stündchen zurück ins kuschelwarme Bett fallen. Die Koordination zwischen Weihnachtsmann und Petrus ist echt unprofessionell! Diese Naturkatastrophe hält man doch nur unter der schützenden Bettdecke aus.

Zum Glück bringt der geliebte Rotmantel heute Abend heiligen Schokoladennachschub. Und nicht nur das. Viele bunte Päckchen landen unterm Weihnachtsbaum. Wir freuen uns riesig. Geschenkideen suchen, Präsente besorgen und einpacken ist eine anstrengende Arbeit. Dann kommen noch die Festvorbereitungen. Bis so ein Weihnachtsbäumchen glänzt, bis der Braten duftet, bis der weihnachtliche Dekoklimbim verteilt ist, dauert es ein mittleres Weilchen. Die deutsche Wirtschaft boomt indessen. Die GroKo ist zufrieden, schon bevor sie anfängt zu arbeiten. Strahlende Gesichter auf der ganzen Linie sind der Lohn. Fix und fertig, die Vorweihnachtszeit ist die anstrengendste Jahreszeit, sitzen wir dann gemeinsam unterm Weihnachtsbaum. Natürlich ohne GroKo, aber mit unseren Lieben! Wie ein Leuchtturm markiert der Baum die Position auf der rauen Insel des Lebens mitten im weiten Meer des Universums. Und die lieben kleinen und großen Kinderlein, die ganze Familie strahlt wie der Weihnachtsstern am Himmel.

Schlimm sieht er aus

Schlimm sieht er aus

Oh, Gott! Wie sieht der denn jetzt aus. Es waren nicht einmal vier Wochen Adventszeit. Und nun ist er in einem völlig desolaten Zustand. So ein Adventskalender hat es schwer. Es ist immer dasselbe! Eigentlich wollten wir ihn für die nächste Saison recyceln. Oder wir hätten ihn in der großen Bucht verhökern können. Wenn wir einen überlagerten Schokoladenosterhasen von 1998 dazugelegt hätten, wäre der halbe Einkaufspreis vielleicht wieder drin gewesen.

Adventskalenderdrama

Adventskalenderdrama

Wir könnten noch zwanzig Jahre mit dem Versteigern warten. Dann geht er als antik zum doppelten Preis weg. Aber so, wie er jetzt aussieht …