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Burg Fürsteneck oberhalb der Milchstraße

Burg Fürsteneck oberhalb der Milchstraße

Kürzlich kam die Meldung, dass die Sonde Voyager 1 die Grenze unseres Sonnensystems durchflogen hat. Sie bewegt sich nun im freien Raum zwischen den Sonnen der Galaxis. Das Fluggerät wurde im Jahre 1977 von den Amerikanern gestartet, ist immerhin schon 25,4 Milliarden Kilometer geschwirrt. Sie befindet sich gegenwärtig 18,7 Milliarden Kilometer von uns entfernt. Das heißt, sie ist ein paar Umwege geflogen. Schlappe 6,7 Milliarden Kilometer reiner Umweg waren es bisher. Na, wenn das nichts ist! Das war aber nötig, damit sie von der Sonne und den Planeten so richtig Schwung für ihre lange Reise bekommt. Und Drive hat diese Sonde wirklich. Mit etwa 17 km/s saust sie so dahin. Man beachte, das sind 17 km pro Sekunde, nicht pro Stunde. In einem Stündchen schafft sie immerhin 61.300 Kilometerchen.

Woher weiß man eigentlich, dass dieser Flugkörper aus unserem Sonnensystem herausfliegt? Gibt es dort Ortsschilder wie auf unseren Straßen? »Sie verlassen jetzt das Sonnensystem – Auf Wiedersehen und guten Flug! Bis zum nächsten Stern sind es nur 1,2 Lichtjahre«. Nein, solche Schilder stehen nicht herum. Das ist messbar. Irgendwann merken die Messgeräte, dass der Einfluss Sonne auf die Sonde, also die Gravitation und Strahlung, so gering ist, dass dies nicht mehr gemessen werden kann. Die Wirkungen des Weltalls überwiegen die Kraft unseres Himmelsgestirns. Das ist doch ganz easy!

Die Batterien der Weltraumsonde, Baujahr 1977, sind eine Wucht in Tüten. Man stelle sich vor, sie liefern seit 36 Jahren Strom! Man rechnet damit, dass sie dies mindestens bis 2020 tun werden. Wenn ich an mein supermodernes Smartphone, zusammengeschraubt im Jahr 2011 denke … Dass der Akku so schnell leer ist, liegt garantiert an dem angeknabberten, madigen Appelgriepsch! Die Sendeleistung der Sonde ist natürlich äußerst schwach. Man muss ja schließlich Energie sparen. Das, was davon bei uns so ankommt, ist noch weniger. Die NASA meint, dass es das Millionste vom Millionstel eines Watts wäre. Von diesem Flugkörper geht demzufolge keine Gefahr von Elektrosmog aus. Die Übertragungsgeschwindigkeit für die Daten ist ebenfalls sehr gering. 130 Bit/s sollen es sein. Wenn sie also ein Rundumbild mit sagen wir mal äußerst schlappen 1 MByte sendet, dauert es knapp einen Tag. Und was wird auf diesem grobaufgelösten Bild zu sehen sein? Mehr oder weniger nichts mit ein paar dunkelhellen Punkten, den Sternen.

Der Straßenzustand da hinten im All ist wirklich nicht der Beste. Schon in einigen Tausend oder sind es Millionen Lichtjahren Entfernung befindet sich ein riesiges schwarzes Loch. Wenn die Sonde da hineinrast, hat sie mehr als einen Achsbruch. Da ist sie völlig im Eimer. Und dort kommt sie auch nie wieder heraus. Es sei denn, sie findet ein Wurmloch, durch das sie entfleuchen kann. Aber Wurmlöcher enden in irgendwelchen, bisher unbekannten Paralleluniversen. Landet die Sonde in solch einer tiefen, dunklen Grube, zerspringt sie in ihre einzelnen Sondenatome. Angesichts des großen, immer mehr und rasant ansteigenden Gravitationsgradienten innerhalb des schwarzen Lochs wird sie mächtig lang gezogen. An der Spitze ist die Gravitation, sagen wir mal, tausendmal größer, als einen Meter weiter hinten. Und dadurch kracht es. Zuerst wird sie in die Länge gezerrt und schließlich reißen die noch so stabilen Schweißnähte. Futsch ist das gute Stück!

Unsere Galaxis ist verkehrstechnisch recht gut erschlossen. Eine ellenlange Straße, auch Milchstraße genannt, verbindet alle Sterne samt ihrer Planeten miteinander. Diese Weltallautobahn beginnt auf der Erde, mitten in Eiterfeld in der hessischen Rhön, direkt unterhalb der Burg Fürsteneck. Das Ende dieser Straße ist nicht absehbar. Da ganz weit hinten, hinter den siebenmillionensiebenhundertsiebenundsiebzigtausendsiebenhundersiebenundsiebzigsten schwarzen Loch muss es irgendwo sein. Bestimmt wird sie im nächsten Fünfjahrplan weitergebaut und endet dann gleich hinter dem siebenmillionensiebenhundertsiebenundsiebzigtausendsiebenhunderachtundsiebzigsten schwarzen Loch.

Ein mächtiges Problem sind Geisterfahrer. Falls da so ein Alientruck auf der falschen Spur angerast kommt, gibt es einen gewaltigen Crash. Auf der Erde wird man eine Supernova vermuten. Selbst wenn die Sonde den Falschfahrer schon in einer Million Kilometer Entfernung entdeckt und das sofort an die Erde meldet, ist ein Zusammenstoß möglicherweise unvermeidlich. Die Meldung zum Blauen Planeten braucht 17 Stunden. Im ungünstigsten Fall muss der Sprecher für den Weltallverkehrsfunk erst aus den Federn geklingelt werden. Bis der an seinem Mikro sitzt, dauert es also. Die Warnmeldung selbst benötigt auch wieder 17 Stunden, bis sie am Ort des Geschehens ist. Alles in allem sind das vielleicht knapp 40 Stunden, die vergehen. In dieser Zeit legt alleine Voyager 1 eine Strecke von circa 2,5 Millionen Kilometer zurück. Vom Gegenverkehr will ich gar nicht erst reden. Wer weiß, ob sich die Aliens an irgendwelche Geschwindigkeitsbegrenzungen halten. Ein Unfall findet statt, bevor die Geisterfahrermeldung in der Stauzentrale angelangt ist. Und bis der Rettungsdienst eintrifft, sind sämtliche Aliens längst im Alienhimmel angekommen.

Apropos: Himmel. Die Sonde Voyager 1 fliegt ja von uns aus gesehen ziemlich hoch. Ob sie demnächst mal den Himmel erreicht? Sie könnte Petrus ja mal einen netten Gruß von uns übermitteln. Der ist bestimmt mächtig sauer auf die Menschen, weil sie die Erde mal wieder zugrunde richten. Ich sage nur Fukushima, Kohlendioxid, Umweltverschmutzung, Erderwärmung, Abholzen der Regenwälder, … Selbst die kürzlich in Polen versammelten Weltumweltschutzpolitiker haben alleine durch den Hinflug gewaltig zur Verunreinigung unserer Umwelt beigetragen. Wären sie doch lieber zu Hause geblieben. Skypen ist billiger und umweltverträglicher. Und mehr wäre auch nicht heraus gekommen. Weniger geht sowieso nicht.

Trotzdem müssen wir die NASA zu diesem Erfolg mit ihrem Flieger beglückwünschen. Da oben fliegt Technik, die schon im letzten Jahrtausend, vor knapp 36 Jahren gebaut wurde. Das Besondere daran ist, dass diese auch heute noch funktioniert. Das liegt aber nur an der Schusseligkeit der damaligen NASA-Techniker. Die haben glatt vergessen, die obligatorische Sollbruchstelle einzubauen. Deutschen Firmen wäre so etwas nicht passiert. Wenn ich an meinen letzten Kühlschrank denke, … Zum Glück muss der nicht zum Mond fliegen. Obwohl ich ihn am liebsten, samt dieses deutschen Superkonzerns, dorthin geschossen hätte.

Wie überall gibt es auch bei der NASA Finanzierungsprobleme. Deshalb überlegt man, wie man mehr Geld in die Kasse bekommt. Eine Möglichkeit könnte das Anbieten von Mitfluggelegenheiten sein. Es kann also passieren, dass ein entsprechendes Angebot bei uns in den Briefkasten flattert. Was sollte man dann tun?

Einerseits ist solch ein Flug natürlich ein einmaliges, unvergessliches Erlebnis. Allerdings ist es besser, man wartet, bis die NASA auch Kombitickets für den Hin- und Rückflug anbietet. Sonst ist es auf die Dauer ein wenig langweilig in diesem schwarzen Schlagloch. Jedoch schadet es durchaus nicht, eine Kleinigkeit lang gezogen zu werden. Ich betone, ‚eine Kleinigkeit‘ lang gezogen zu werden. Dann passen Gewicht und Größe besser zueinander und das altbekannte BMI-Problem löst sich in Wohlgefallen auf.

Und andererseits? Wie oft haben wir schon zu jemandem gesagt oder es zumindest gedacht: „Am liebsten möchte ich Dich zum Mond schießen!“ Da hätten wir doch jetzt die passende Idee für ein Geburtstagsgeschenk!