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NICHTS

NICHTS

Was ist ein Nichts? Gibt es das überhaupt? Wenn ja, dann wäre es ja kein Nichts, sondern ein Etwas! Also gibt es das Nichts nicht. Trotzdem ist der 16. Januar der Welt-Nichts-Tag. Der wurde natürlich, von wem auch sonst, von den verrückten Amerikanern erfunden. Sie haben dabei nur vergessen zu bedenken, dass man ein Nichts niemals abhören kann.

Es gibt schier unendlich viele Aktions- und Gedenktage. Manche erinnern an wichtige Personen, an Krankheiten oder an die Geschichte. Bleibt bei all den Feiertagen auch Zeit für uns selbst? Genau diese Frage hat sich 1973 der amerikanische Journalist Harold Pullman Coffin gestellt. Und dann rief er den „National Nothing Day“ („Nationaler Tag des Nichts“) aus. Jährlich am 16. Januar wird er seitdem begangen. Nach dem Feiertagstress  soll Jeder einfach mal abzuschalten, zur Ruhe kommen und nichts tun.

weisses NICHTS

weisses NICHTS

Was ist das eigentlich, das Nichtstun? Was ist das Nichts? Gibt es mehrere Nichts, vielleicht drei Nichtse? Was bringt uns dieser Welt-Nichts-Tag? Klare höchst logische Antwort – Er bewegt reinweg gar nichts! Sonst würde er ein Feiertag und wir dürften wirklich mal Nichtstun! Wäre ich gemein, könnte ich sagen, es ist der Welttag der Beamten.

Was ist ein Nichts?

Für die Physik ist das eine sehr schwere Frage. Sie untersucht bekanntlich die beobachtbare Welt. Und was man beobachten kann, ist kein Nichts. Das leuchtet jedem sofort ein. Man könnte nun aus einem Stück Weltraum, darin ist sowieso schon sehr wenig Zeug drin, alles was darin enthalten ist, herausnehmen. Dann entsteht ein leerer Raum. Da gibt es weder Materie, Energie oder Strahlung. Wirklich? Nein, auch dadrin kann man etwas messen. Raum und Zeit wären noch immer übrig. Es gibt also kein richtiges, so ein total leeres Vakuum! Eine Leere ist nicht völlig leer. Das kann man ganz einfach nachweisen. Stellt man am Rand des Vakuums zwei Metallplatten genau gegenüber auf, dann ziehen sie sich an. Wenn man nicht aufpasst, klatschen sie aneinander. Die Anziehungskraft kann man messen.

Es gibt im physikalischen Sinne also gar kein Nichts! Zumindest nicht in unserem Universum. Vielleicht existiert so etwas außerhalb unserer Welt. Aber dort ist noch niemand gewesen oder hergekommen. Zumindest ist dies bisher nicht überliefert. Wer Jemanden kennt, der schon einmal dort war, sage Bescheid!

schwarzes NICHTS

schwarzes NICHTS

Und ein Schwarzes Loch? Das ist keineswegs Nichts, sondern es ist das absolute Gegenteil davon. Es ist Masse! Es ist noch dazu wahnsinnig viel Masse. Es sieht nur schwarz aus, weil selbst das Licht darin verschwindet, niemals wieder heraus kommt.

Fragt man einen Theologen, was Nichts ist, bekommt man eine völlig andere Sicht auf das Nichts. Das Nichts ist der Anfang. Es ist das, woraus Gott alles geschaffen hat. Es beinhaltet, verkörpert den positiven Gedanken der Schöpfung. Es ist unser Glaube daran, dass es keine ewige Materie gibt, dass also nichts, außer Gott schon immer da gewesen ist und sein wird. Lässt man den Schöpfer weg, ist diese Aussage konform mit den bekannten Gesetzen der Physik.
Das Nichts ist ein Becken, in dem wir alles sammeln, was wir nicht wollen. Nichts ist das Gegenteil von Sein, also von Leben. Wir streben ja schließlich nach dem Dasein! Der Teufel, dieser Vernichter, verkörpert das Nichts, das nicht Sein, den Tod.

Es gibt offensichtlich gar kein Nichts. Aus dem Nichts ist durch den Akt der Schöpfung eine Fülle geworden.

schwarzes NICHTS auf weissem NICHTS

schwarzes NICHTS auf weissem NICHTS

Psychologen sehen das Nichts natürlich noch ganz anders. Nichts ist für uns in erster Linie das Nichtstun. Das soll die täglichen, andauernden Gedankenströme, alle Tätigkeiten unterbrechen. Wir denken immer etwas. Wenn wir uns vornehmen, nichts zu denken, denken wir um so intensiver. Das ist ein richtiger Teufelskreis oder ein Paradoxon. Bei jedem Tun sind wir schon dabei, in die Zukunft zu denken! Immer, bei jeder Beschäftigung, beim Essen, Autofahren, Schlafen oder Fernsehen gibt es Signale für unser Gehirn.
Ist Fernsehen Nichtstun? Bei den Fernsehprogrammen der letzten Zeit könnte dieser Gedanke schnell aufkommen. Nein, beim In die Röhre schauen gibt es andauernde, überraschenderweise sogar intensive Gedankenströme. Unser Gehirn muss ständig wechselnde Informationen verarbeiten. Das sind Bilder, die wir sehen, Worte und Geräusche, die wir hören, der Duft der Schokolade, die wir dabei genießen, das unterschwellige Klappern der Geschirrspülmaschine, das sanfte Streicheln unseres Partners, das schlechte Gewissen und das Ärgern über die noch ausstehende Steuererklärung, …

Es genügt nicht, nur äußerlich, körperlich nichts zu tun. Wir müssen innerlich zur Ruhe kommen. Wie kann man nichts tun? Kann man überhaupt richtig Nichtstun?

weisses NICHTS auf schwarzem NICHTS

weisses NICHTS auf schwarzem NICHTS

Einen Teil Nichtstun ist der Schlaf. Es ist ein relatives, recht erholsames Nichtstun. Darüber hinaus ist Nichtstun eine Kunst. Die kann man, die muss man lernen. Eine Form davon ist Meditation. Für viele Menschen ist Stille sehr wichtig für das Nichtstun. Die verhindert die Ablenkung. Ein Waldspaziergang, das Mittagsschläfchen können Nichtstun sein. Den Alltag nehmen wir durch die Gedanken wahr. Nichtstun stellt sie ab, dreht sie zumindest leiser. Nichtstun leitet Wahrnehmungen nach innen, in unseren eigenen Körper. Eine Minute lang Augen schließen und tief durchatmen ist besser als gar nicht Nichtstun.
Auch das Nichts muss irgendwann getan werden.

Wie wird der Welt-Nichts-Tag begangen? Erst einmal sollten wir nicht an ihn denken. Dann wäre es angenehm, morgens fünf Minuten länger liegen zu bleiben. Auf der Arbeit, im Haushalt, wo auch immer könnten wir eine Kleinigkeit von dem, was wir machen wollen, sollen oder müssen, nicht tun. Morgen ist auch noch ein Tag. Da stehen wir eben vielleicht mal fünf Minuten früher auf und holen das Versäumte nach. Oder wir ignorieren es ganz einfach. Bestimmt merkt es niemand! Dann war es wirklich nicht so wichtig und wir sollten es künftig gleich sein lassen.

Und nun? Nun mache ich erst einmal Nichts.