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Nach Weihnachten ist vor Weihnachten

Nach Weihnachten ist vor Weihnachten

Das Fest der Feste ist vorüber. Leider, zum Glück! Die Reste wurden verzehrt. Mit den Pfunden, den hinzugekommenen, kann man sich nur schwer anfreunden. Irgendwie möchte man die wieder loswerden. Das ist gar nicht so einfach. Die sind gemein, die sind furchtbar hartnäckig. Wenn man mit ihnen keine dauerhafte Bindung eingehen will, muss man sich etwas ganz Geniales einfallen lassen. Aber was könnte das sein? Eine Diät? Nein, das klappt sowieso nicht! Außerdem gibt es diesen fiesen, hinterhältigen Jojo-Effekt. Den muss man irgendwie vermeiden. Am besten geht das mit dem Vermeiden einer Hungerkur. Sport – Das Unwort des Jahrtausends? Gibt es etwas Besseres? Die Menschen sind zum Mond geflogen, wollen zum Mars. Aber eine vernünftige Methode zum Abnehmen ist unseren Wissenschaftlern noch nicht eingefallen. Das ist auch kein Wunder. Mit Gabriel oder Altmaier als Forschungsminister, würde es garantiert ein paar Mille für die Abnehmforschung geben. Dagegen sieht die Frau Wanka nicht so aus, als ob sie die wichtigen Dinge des Lebens erforschen will.

Die ersten Wochen eines Jahres sind besonders stressig. Immer und überall wird einem ein „gesundes neues Jahr“ zugerufen. Können Jahre eigentlich gesund sein? Mich hatte jedenfalls schon in der ersten Woche eine kräftige Erkältung niedergestreckt. Das lag aber nicht an diesem Jahr 2014, sondern an einer Horde verrückter Viren. Auf jeden Fall weiß ich bereits nach zwei Stunden im Büro nicht mehr, mit wem ich diese Floskel bereits ausgetauscht habe. Dauernd trifft man Kolleginnen oder Kollegen und wünscht sich ein ‚Gutes Neues‘. Toll, was denn nun, ein gutes neues Steak mit Kräuterbutter oder ein neues Auto? Meines ist aber längst nicht reif für den Schrottplatz. Noch lustiger wird es, wenn man nach dem Wünschen feststellt, „Ach wir hatten uns ja bereits …“ Prima, doppelt hält besser. Da ordern wir eben zwei Portionen Schnitzel mit Kräuterbutter und haben schon wieder das Problem mit den Pfunden. Zum Glück muss man diese guten Worte nicht wörtlich nehmen. Die nützen sowieso nichts, und ob sie ehrlich gemeint sind, weiß man ebenso wenig. Ich werfe sie jedem, der es von mir zu erwarten scheint, wahllos an den Kopf. Angeblich lügen wir täglich mindestens zweihundertmal. Da kommt es auf einen unehrlichen Wunsch mehr auch nicht drauf an. Die Leute, die mir nahe stehen, wissen natürlich, dass ich ihnen nicht nur am Jahresanfang und zum Geburtstag ehrlichen Herzens Gutes wünsche.

Das ist genauso, wie mit den guten Vorsätzen. Angeblich fasst ja die halbe Menschheit zum Jahreswechsel gute Vorsätze. Die andere Hälfte hat Sylvester entweder so intensiv gefeiert, dass sie die Vorhaben sogleich vergessen hat. Oder sie ist aus Erfahrung klug geworden und spart sich die Vorsätze und deren Nichtbefolgung gleich ganz ein. Gibt es überhaupt Jemanden, der wenigstens einen klitzekleinen Vorsatz eingehalten hat? Einer lässt sich bestimmt finden! Es gibt ja auch immer wieder mal einen, der den Jackpot bei Lotto gewinnt. Da könnte dieser Markus L. doch mal eine interessante Talkrunde veranstalten.

* * *

„Nun erzählen sie, lieber Herr Wundermann, uns allen, was sie sich am Neujahrstag vorgenommen haben?“

„Hm, äh, … ach so. Ähhhh …“

„Sie müssen gar nicht aufgeregt sein. Hier schauen nur eineinhalb Millionen Zuschauer zu. Was ist das schon bei Achtzigmillionen Menschen in unserem Land! Unsere Quote ist bescheiden, wie ich selbst. Atmen sie tief durch, denken sie einfach nicht daran, dass sie im Fernsehen sind. Dann wird es gehen.“

„Tja, wenn sie meinen. … Nämlich, das war so. Meine Frau, die Elvira, schimpft immer, dass ich so schnell fahre, also mit unserem Auto.“

„Ach so, und da haben sie sich vorgenommen, langsamer zu fahren.“

„Ja, so ist es. Sie wissen ja, die Frauen sind unglaublich ängstlich. Und meine Elvira, sowieso. Die schreit schon von Weitem, wenn sie so eine ganz kleine Spinne sieht. Oder, wenn bei uns im Keller mal ein süßes Mäuschen herumläuft. Neulich …“

„Sie haben sich also vorgenommen, nur noch langsam zu fahren, Herr Wundermann.“

„Ja. Meine Frau freut sich darüber wahnsinnig.“

„Heute ist der achtzehnte Januar. Das bedeutet, dass sie ihren Vorsatz bereits knapp drei Wochen lang einhalten. Sind sie da nicht ein wenig stolz auf sich?“

„Ja, das darf man so sagen. Und Elvira erst einmal. Die kann jetzt wieder jede Nacht durchschlafen und wacht nicht mehr mit Albträumen auf. Die hat nämlich immer geträumt, dass ich zu schnell fahre und von der Polizei erwischt werde. Und dieser Polizist hat so grimmig geguckt.“

„Das kann ja nun nicht mehr passieren. Sie halten ja ihren Vorsatz, nicht mehr schnell zu fahren, ganz konsequent ein!“

„Ja, ganz konsequent.“

„Was glauben sie, wie lange es ihnen noch gelingt, diesen Vorsatz einzuhalten?“

„Das kann ich ihnen genau sagen!“

„???“

„Bis zum 23. Januar.“

„Bis zum 23. Januar 2015?“

„Nein, bis zum 23. Januar 2014!“

„Warum nicht länger?“

„Am 23. bekomme ich meinen Führerschein zurück. Da darf ich wieder mit dem Auto fahren. Ich musste den Lappen doch für drei Monate abgeben. Bin in der Dreißigerzone vor dem Kindergarten ein wenig zu schnell gewesen.“

„Zu schnell?“

„Ja, sag ich doch. Elvira hat es kommen sehen, dass sie mich mal erwischen. Sie hat stets gesagt, wenn du zu Aldi fährst, brems gefälligst vor dem Starenkasten. Und das habe ich immer gemacht. Alle drei Monate mussten die Bremsbeläge an meinem Wagen getauscht werden. So sehr habe ich gebremst. Aber im Oktober, da hatten wir uns gestritten, wegen meiner ständigen Raserei. Da habe ich aus Wut über Elvira einfach mal nicht gebremst.“

„Und da mussten sie ihren Führerschein abgeben.“

„Sie glauben ja nicht, wie schön es war, wenn mich Elvira immer getröstet hat.“

„Wenn es so schön war, könnten sie am 23. Januar doch wieder ungebremst …“

„Sie meinen, ich sollte mal richtig Gas geben in meiner Ehe! Ja, das ist eine gute Idee! … Darf ich mal winken?“

„Sie wollen Ihrer Elvira winken?“

„Ja … Hallo Elviralein, ich habe dich so lieb!“

„Vielen Dank, Herr Wundermann. Kommen wir nun zu unserem nächsten Gast. Sebastian Vettel, Sie haben kein Problem damit, schnell zu fahren! …“

* * *

Ein Vorsatz schwebt jedes Jahr über uns. Fast alle nehmen sich vor, in diesem Jahr rechtzeitig an die Weihnachtsgeschenke für die Lieben zu denken. „Solch ein Stress, wie im letzten Jahr, …“ Nein, das muss wirklich nicht sein! Und es sind ja nicht nur die Geschenke, die zu besorgen sind.

Beginnen wir bei den Basics. Was benötigt man für Weihnachten? Als Allererstes wäre da ein Weihnachtsbaum. Ohne Weihnachtsbaum, kein Weihnachten. Ohne Weihnachten, kein Weihnachtsmann. Ohne Weihnachtsmann keine Weihnachtsgeschenke. Das wusste schon der alte Confusius. Und die Geschenke sind ja das allerallerwichtigste an solch einem Fest. Die kommen in ihrer Bedeutung gleich nach der Weihnachtsgans und den selbst gebackenen Plätzchen. In Anbetracht der Abholzungskatastrophe der Regenwälder gehen wir mit gutem Beispiel voran und verwenden den letzten Weihnachtsbaum noch einmal. Bei sachgemäßer Lagerung und Pflege hält sich so ein Tannenbaum mindestens bis vorgestern. Einzig und allein die Nadeln sind ein wenig problematisch. Aber wozu hat schließlich ein gewisser Herr Pritt den nach ihm benannten Stift erfunden? Damit dieser gelangweilt in der Schublade herum kullert und eintrocknet? Nein, dazu bestimmt nicht. Also heißt es den Weihnachtsbaum kühlstellen, die abgefallenen Nadeln einsammeln und im Tiefkühlfach bis Dezember lagern. Beim nächsten Angebot von Klebestiften werden wir rechtzeitig zum Discounter flitzen und eine Großpackung einheimsen. Das Kleben wird eine nette Adventsbeschäftigung sein.

Punkt eins wäre damit auf den Weg gebracht. Punkt zwei sind die Geschenke. Das ist schon problematischer. Zuerst steht immer das Problem „Was schenken wir?“ im Raum. Ohne Präsente ist es kein ordentliches Weihnachtsfest. Und das allseits beliebte Spiel „Dieses Jahr schenken wir uns nichts!“, ist nicht nur stinkelangweilig, sondern funktioniert meistens nicht so richtig.

Es gibt jedoch für die Hälfte der zu Beschenkenden einen ultimativen, stets funktionierenden, garantiert zum Erfolg und zu Freudentränen beim Beschenkten führenden Tipp! Schenkt Schuhe! Frauen freuen sich immer über Schuhe. Wenn man das Unwort Zalando aufs Geschenkpaket malt, ist der Freudenschrei garantiert. Ohropax muss bereitliegen. Es kommt nicht einmal auf den Inhalt des Schuhkartons an. Das Unwort wirkt wie ein Wunder. Selbst die zerlatschten Treter von Onkel Fridolin gehen als topmoderne, innovative und trendsetzende Fußbekleidung durch. Nur sollten sie vor dem Verschenken fünf Stunden lang ausgekocht und mit ausreichend Duftstoffen geruchstechnisch neutralisiert werden. Falls der Oheim auf seine Latschen nicht verzichten kann, besorgt man die begehrten Geschenke paarweise in einem Schuhladen, je einen linken und einen rechten Schuh möglichst in passender und identischer Größe. Perfekt wird es, wenn die beiden halbwegs gleich aussehen.

Aber auch einzelne Schuhe können Freude bereiten. Man stelle sich vor, es geht mal ein Schuh verloren. Beim Kühl stellen des Weihnachtsbaums kann so etwas, wie das Bild zeigt, schon einmal vorkommen. Dann schlummern Baum und Schuh ein Jahr lang nebeneinander vor sich hin. Besser werden sie dadurch nicht. Das Leder der Schuhe neigt bei Kälte dazu, spröde zu werden. Und genau in solch einer Situation wird ein einzelner Schuh zum großen Renner. Es wäre doch reine Verschwendung von Schuhressourcen, wenn auch der verbliebene, fast neue, immerhin noch volle 0,03 Millimeter Profiltiefe aufweisende Schuh entsorgt werden würde. Mit einem brandneuen Brüderlein oder Schwesterchen ist er wieder komplett und wird die Trägerin noch Jahrzehnte lang beglücken. Ihr Dank wird überschwänglich sein. Der Zalondoschrei klingt dagegen wie das Säuseln der Brandung an der fünfhundert Kilometer entfernten Ostseeküste bei Windstille. Alleine die Vorfreude darauf macht das Jahr zu einem Guten!