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Da hat sich eine hohe Beamtin des US-Außenministeriums verquatscht. So etwas passiert schon mal. In einem höchst geheimen Telefonat mit der amerikanischen Botschaft in der Ukraine sagte sie „Fuck the EU“.

„Liebe Frau Viktoria Nuland, so etwas sagt man nicht! Die NSA hört mit. Das müssten Sie doch wissen! Oder war es diesmal der russische Geheimdienst, der mitgehört hat und sich einen Riesenspaß daraus macht, das Telefongespräch in die Öffentlichkeit zu streuen. Egal, wer es war. Nun sind alle im Bilde, was Sie von der EU halten. Das ist wirklich nicht lieb. Eher ist es ziemlich dumm, dass sie das gesagt haben. Aber wenigstens ist es mal ehrlich. Das kommt ja in der Politik sonst nicht vor. Dafür erhalten Sie von ihrem Chef, Mr. O., bestimmt einen Pluspunkt in Ihr ‚Buch der guten Taten‘ eingetragen!“

Unsere Chefin, Kanzlerin Merkel, lässt ausrichten, dass sie diese Äußerungen für „absolut unakzeptabel“ hält. Das ist endlich mal eine klare Ansage!

In der Schweiz ist das anders. Da ist alles ganz anders. Da fragt die Regierung ihr Volk, wie sie regieren soll. Da können die Menschen die Politik mitbestimmen. Das ist unglaublich! Ist das noch Demokratie? Das ist doch purer Sozialismus! Nein, Sozialismus ist das nicht. Da konnte das Volk definitiv nicht mitreden. Das ist etwas überaus Besonderes!

Sooon Keese

Sooon Keese

Aber was ist es denn nun? Es ist so eine Art Schweizer Käse, an dem jeder ein wenig knabbern darf. Wenn mehr als die Hälfte übrig bleibt, heißt das JA oder NEIN, sonst genau umgekehrt. Das hängt davon ab, wer gerade den größeren Hunger hat. Die Luft aus den freigeknabberten Löchern wird in die Täler entlassen. Dann fühlen sich die zahlungskräftigen Touris wie in der Schweiz. Jedenfalls haben die Schweizer, genauer ausgedrückt, gut die Hälfte der Teilnehmer an der entsprechenden Abstimmung gesagt „Fuck the EU“. Die Schweizer haben das natürlich viel, viel freundlicher kundgetan. So böse würden sie dies niemals zum Ausdruck bringen. Sie sind schließlich Schweizer! Und nun ärgert sich die EU ein Loch, groß, wie das größte Käseloch, in den Bauch. Vielleicht denken die auch gerade über ein Einfuhrverbot für Schweizer Käse nach? Der ist in Deutschland sehr beliebt, jedenfalls beim Volk, nicht bei den Politikern.

Die Ängste, welche Schweizer umtreiben, weil so viele Ausländer kommen, gibt es ebenfalls in anderen Staaten, auch in Deutschland. Aber neue Mauern hochziehen, das kann nicht die Lösung sein. Die Länder, egal, wie sie heißen und wo sie liegen, brauchen alle einander. Es ist viel wichtiger, die wirklichen Probleme gemeinsam an der Wurzel zu beheben. Dass in einer globalisierten, modernen Welt ein Austausch zwischen den Ländern stattfindet, ist doch völlig normal.

Jetzt hat die Schweiz entschieden, jetzt jammert Herr Schäuble, jetzt jammern viele Schweizer, jetzt zeigt die EU ihre zarten Krallen und brüllt ganz furchtbar laut. In den Talkrunden überschlagen sich die Politiker. Dann wird lange nichts passieren. Das kennen wir. Alles braucht seine Zeit, besonders bei der EU. In der Schweiz ist das sicherlich, und wenn man den landläufigen Klischees Glauben schenkt, kaum anders. Passiert etwas, hüben oder drüben, wird es auch nicht so schlimm werden, wie manch einer heute befürchtet. Ohneeinander kommen wir nicht aus.

Ich kann gut verstehen, wenn jemand die EU und was da so abgeht, nicht so prickelnd findet. Allein die EU-Städtepartnerschaft zwischen Brüssel und Straßburg ist absolut abartig. Was könnte man mit dem verschwendeten Geld nicht alles anfangen! Aber wir Deutschen sollten uns hier nicht zu weit aus dem Fenster herauslegen. Ich erinnere nur an die Dienstsitzproblematik einiger unserer Bundesministerien.

Die Entscheidungszeiträume des EU-Parlaments sind auch krankhaft lang. Die seit zwei Jahren diskutierte EU-Datenschutzrichtlinie könnte alleine deswegen scheitern, weil demnächst ein neues EU-Parlament samt neuer EU-Kommission gewählt wird. Im günstigsten Fall wird sie in einem Jahr verabschiedet. Das muss aber ein sehr günstiger Fall sein. Es wird es eher deutlich später. Und dann dauert es noch geschlagene zwei Jahre, bis diese Richtlinie in Kraft tritt. Na ja, knapp dreißig Regierungen unter einen Hut zu kriegen ist sauschwer bis unmöglich. Die vielen amerikanischen Lobbyisten bekannter Firmen möchte ich hier gar nicht erst erwähnen.