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Gelddruckmaschinen sind eine echt gute Erfindung. Leider wurden davon bisher viel zu wenige gebaut. Weder am großen südamerikanischen Fluss noch in der weiten Bucht ist eine zu ergattern. Dabei könnte ich solch eine Apparatur wirklich gut gebrauchen.

Die Option, einfach mal einen Geldschein auf den Kopierer zu legen, erscheint mir zu gefährlich. Heute sind alle Geräte miteinander und mit der NSA vernetzt. Es soll doch nicht gleich jeder wissen, dass ich reich bin. Nachher möchte der Kopiererbauer, der Kopiererbesitzer, der Papierhersteller, der Kopiererfarbenmixer, der Schwippschwager vom Kopierereinschalterhersteller und wer weiß, wer noch einen Anteil von mir bekommen. Der Staat, mit seiner unstillbaren Steuergier, würde seine Hand natürlich auch weit aufhalten. Was bleibt mir dann? Vielleicht ein beheiztes Kämmerchen mit rostfreien Gardinen? Nein, das muss nicht sein! Heimlicher Multimillionär ist ein so toller Beruf, den möchte ich mit niemanden teilen, den möchte ich in der weiten, weiten Welt mit viel frischer Luft genießen.

Vielleicht sollte ich mir einen hübschen Geldschein malen? Oder ein besonders schönes Bild abfotografieren und auf den Schein kleben? Natürlich wird es ein 1000-Euroschein. Da kann mir kein Mensch vorwerfen, ich hätte eine Banknote nachgemacht. Ich werde ihn als Kunstwerk deklarieren. Außerdem lohnt es sich mit solch einem Exemplar eher als mit einem 7-Euroschein. Immerhin muss ich für die erste Million dann genau tausend meiner Meisterwerke unter die Leute bringen. Das artet regelrecht in Schwerstarbeit aus. Von der Herstellung will ich an dieser Stelle gar nicht erst reden. Vielleicht sollte ich eine eigene Marketingabteilung auf die Beine stellen? Schließlich brauche ich genügend zahlungswillige Käufer. Und die Security engagiere ich, meine Penunze zu bewachen. Was das alles wieder kostet! Oh je, ich merke schon, der Plan ist noch längst nicht ausgereift. Ich muss mir wohl etwas ganz anderes überlegen.

Dabei geht es mit dem Gelddrucken deutlich einfacher. Fantasie ist gefragt. Die kann man nicht kaufen. Entweder man hat sie oder man rennt weiterhin jeden Tag zur Arbeit. Ich renne … Man braucht nicht einmal eine Druckmaschine. Der richtige Beruf ist ausreichend. Ich hätte das vor vielen Jahren, als ich darüber nachgedacht habe, was mal aus mir werden könnte, stärker berücksichtigen sollen.

Da meldet sich der kleine Ingenieur in mir.

„Mach jetzt keinen Fehler! Ich kündige dir die Freundschaft, wenn du umsattelst!“ grölt er mir ins Ohr, sodass ich vor Schreck fast umklappe und dem Heldentod in die Augen schaue.

„Keine Angst, das lohnt sich bei mir sowieso nicht mehr!“ entgegne ich ganz fix, um nicht noch einmal von ihm angeblafft zu werden.

Hätte ich früher etwas Ordentliches, besser gesagt etwas anderes gelernt, wären die geschilderten Probleme mit dem Reichwerden längst nicht meine Sache. Dann würde ich jetzt als Notar arbeiten und Märchen vorlesen. Erfolgreicher Rechtsanwalt, weil sich die Menschen so gerne streiten, ist ebenfalls eine Möglichkeit.

Radieschen von unten

Radieschen von unten

Bestatter ginge auch. Die Leute möchten alle irgendwann die Radieschen von unten beschnuppern. Frischgemüse ist so gesund! Dagegen ist Arzt keine gute Alternative für mich. Da fließt mir einfach zu viel Blut. Ich mag diesen roten Saft nur dort, wo es hingehört, also in den Adern. Selbst Blutwurst ist nicht nach meinem Geschmack.

Ich könnte, wenn ich noch einmal jung wäre, auch ein erfolgreicher Künstler werden. Jedes Jahr würde ich dann ein Kunstwerk für großen Batzen Geld verkaufen, artig meine Steuern und sonstigen Abgaben zahlen und es mir ansonsten richtig gut gehen lassen. Im Hintergrund höre ich gerade das etwas gekünstelte Hüsteln meines kleinen Ingenieurs.

„Beruhige dich, Junge! Das sind alles nur Gedankenspiele!“

Denn wer gibt einem angehenden großen Künstler die Gewissheit, dass er auch tatsächlich berühmt und erfolgreich wird? Dass dies nicht so einfach funktioniert, zeigen die Beispiele unendlich vieler Lebenskünstler, die mangels belegter Brötchen an der Armutsgrenze knabbern.

Island - Gullfoss

Island – Gullfoss

Neulich war ich mal so ziemlich erkältet. Plötzlich und völlig unerwartet hätte es mich beinahe dahin gerafft. Mit ganz unscheinbaren Halsschmerzen hat es angefangen. Kurz darauf musste ich niesen, dann lief die Nase wie der Gullfoss auf Island. Schließlich lag ich flach. Ein paar Tage bezahlte Freistellung von der Arbeit sollten es richten. Ich war einfach zu nichts mehr zu gebrauchen. Das Einzige, was ich noch tun konnte, war auf mein Ableben zu warten, mich immer und immer wieder zu bedauern und zu überlegen, wie das Danach wohl sein wird. Das ist eine totale Verschwendung von Zeitressourcen! Was hätte ich in dieser Zeit alles tun können! Wider Erwarten bin ich aus meinem Koma wieder auferstanden. Ich hatte ganz nebenbei heftig daran gearbeitet, es dem Sensenmann so richtig schwer zu machen. Nach ein paar Tagen hat er dann eingesehen, dass ich ein viel zu dicker Brocken für ihn bin. Ich hatte Unmengen Lutschbonbons, Kräutertees, Zitronensaft und anderen ungeheuer gesunde Getränke inhaliert. Da musste ich, auch wenn es mir zeitweise unmöglich erschien, einfach irgendwann wieder auf die Beine kommen. Wir Männer sind schließlich hart im Nehmen! Uns haut so schnell nichts um!

„Genauso ist es!“ quakt der kleine Ingenieur in mein Ohr.

Meine Ärztin hatte mir vorsorglich ein Rezept ausgestellt. Sie meinte, ein ganz natürliches, aus rein pflanzlichen Zutaten gemixtes Medikament würde mich retten. Ich war von Anfang an skeptisch. Denn zu diesem Zeitpunkt war ich mir nicht sicher, ob es irgendetwas gibt, was mir helfen kann. Prophylaktisch habe ich erst einmal im Internet recherchiert. Senföle, Kapuzinerkresse und Meerrettich sind enthalten. Über zwanzig Euro sollte ich für hundert Pillen löhnen und davon dreimal täglich fünf Stück verputzen. Das klingt schon ziemlich komisch. Den Wirkstoff, wenn es einen gibt, der tatsächlich wirkt, hätte man auch konzentrierter pressen können. Aber einhundert Pastillen, das hört sich natürlich viel, viel besser an und rechtfertigt den völlig überhöhten Preis. Nach knapp sieben Tagen wären die Dinger samt meinem Geld futsch. Jedoch wollte ich nach einer Woche längst abgenibbelt oder gesund sein. Letzteres ist ja dann auch eingetreten, ohne eine einzige dieser Pillen. Also, welchen Sinn machen diese Dropse? Da flitze ich lieber zu meinem Lieblingssupermarkt und besorge mir die Zutaten für einen Bruchteil des Preises in der Gemüseabteilung. Die reichen glatt vier Wochen lang, gleich bis über die nächste Erkältung hinweg.

Reichtum

Reichtum

Hatte ich nicht weiter oben vom Geldverdienen geschrieben? Ich schreibe die ganze Geschichte schon davon. Nur nicht, wie ich reich werde. Apotheker müsste man sein. Solch eine Erkältungswelle ist der wahre Geldsegen! Hoch lebe die Grippewelle!

„Bleib sauber, Junge!“ warnt mich der kleine Ingenieur leise. „Denk dran, du hast einen ordentlichen Beruf. Brauchst nicht irgendwelche unnötigen Lutschdinger zu drehen. Ingenieure braucht das Land!“

Wo er recht hat, da hat er recht! Schön, wenn man solch ein kluges Kerlchen im Ohr hat.

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Pillen am Morgen

Pillen am Morgen

Morgens eine Pille gegen die chronische Müdigkeit einnehmen. Die Nächste hilft gegen schlechte Träume, eine dämpft den Hunger, eine wirkt gegen Pestbeulen, natürlich rein prophylaktisch, eine ist zur allgemeinen Stärkung, eine beugt Blähungen infolge miesen Wetters und die braune gegen Verstopfungen jeder Art.

Mittagspille

Mittagspille

Mittags, das ist die wichtigste Pille. Darum ist die so groß. Die linke Hälfte richtet, was zwischen den Morgenpillen und jetzt auf mich eingedroschen ist. Der Rest hilft gegen die Unbill des Nachmittags. Man muss für alle Probleme gewappnet sein. Die Schokolade ist gut fürs Gemüt. In schweren Fällen kann man auch zur 200 Gramm-Packung greifen.

Pillen am Abend

Pillen am Abend

Wenn man den Abend erlebt, beugt man mit diesen Pillen der Hungerkrankheit vor. Man stärkt das Nervenkostüm für die Nachrichtensendungen, unterdrückt die Aggressionen, die bei der spätabendlichen, öffentlichrechtlichen Talkrunde wachsen, stärkt die Haut gegen die Überdosis Regen, die dieser Wetterfrosch immer wieder prophezeit, und beugt Einschlafstörungen vor. Die rote Pille ist gegen Übergewicht und die eineinhalb pinken Dropse beugen beliebige Wirkungen aller Pillen dieser Welt vor.

„Zu Risiken und Nebenwirkungen lesen Sie die Packungsbeilage
und fragen Sie Ihren Arzt oder Apotheker.“

Man könnte sich natürlich all diese bunten Teilchen sparen. Aber die schmecken doch so gut! Sie vermitteln sogar den Eindruck, dass man ja so krank ist und mit den besten Medikamenten der Welt wieder genesen wird. Und zum Schluss ist man bis auf die Fettleibigkeit und den daraus erwachsenen kleinen und großen Wehwehchen, der gesündeste Mensch unseres Universums.