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Ich sage es gleich vorweg. Der Frauentag und Weiberfasching haben nicht viel gemeinsam. Einzig die Tatsache, dass es um Frauen und Männer geht, verbindet beide. An dem einen Tag haben die Frauen ganz klar die Oberhand, piesacken die armen Männchen ganz fürchterlich. Das ist Spaß. An dem anderen geht es darum, die Frauen auf eine ‘Stufe‘ mit den Männern zu stellen. Das ist ernst. Nach dem Weiberfasching könnte man zu der Auffassung gekommen sein, dass die Ziele des Frauentags, die Gleichberechtigung von Frau und Mann herzustellen, erreicht sind, gar ins Gegenteil umgekippt wären. Das ist ein Irrtum auf der ganzen Linie.

Der Internationale Frauentag, man kann ihn auch kurz Frauentag nennen, widmet sich dem weltweiten Ziel, für die Rechte der Frau, aber auch den Weltfrieden, zu kämpfen. Er wird jedes Jahr am 8. März begangen. Historisch geht er auf die Zeit um den Ersten Weltkrieg zurück. Clara Zetkin, schlug seine Einführung schon 1910 vor. Die Idee dazu hatte sie aus den USA. Allerdings dauerte es eine Weile, bis sich der 8. März als Datum für diesen Tag etabliert hatte.

Trotzdem scheint der Frauentag auch heute noch, zumindest in unseren Gegenden, relativ wenig beachtet zu werden. Das liegt vielleicht daran, dass er in der DDR mit großem Pomp begangen und vom sozialistischen Vaterland ideologisch vereinnahmt wurde. Jedenfalls hat Honni an diesem Tag den linientreuesten Genossinnen mit einem Grinsen im Gesicht, einer kämpferischen Rede auf den Lippen und einem feuchten Händedruck ein Heldenmedaillon ans Revers geheftet. Das war wahrscheinlich der einzige Tag im Jahr, an dem er einer Frau so nahe kommen durfte, ohne dass seine blauhaarige Margot dazwischen gegangen ist. Vielleicht war seine Hand in Gedanken … Nee, so etwas hat unser Honni natürlich nie gedacht. Da war er zu sehr Kämpfer. Solche primitiven, spröden, animalischen Fantasien hätte eventuell ein Dachdecker gehabt, aber kein Staatsratsvorsitzender. Andererseits – er ist sogar zweifacher Vater. Man kann es kaum glauben und sich erst recht nicht vorstellen. Ich meine, wie der als Papa so war.

Die Gleichberechtigung von Frau und Mann ist in Deutschland und in einigen Ländern der westlichen Welt vergleichsweise weit gediehen. Zu sagen, sie ist gut entwickelt, wäre übertrieben. Ich möchte nur ein paar Stichworte nennen. Wer macht die öffentlichen Klos sauber? Wer sitzt den ganzen Tag, manchmal bis in die Nacht hinein, an der Kasse im Supermarkt und hievt tonnenweise Waren über den Scanner? Wer stellt die Sitzungsgetränke bereit, wenn der Aufsichtsrat tagt? Wer kann von 8 Stunden Arbeit kaum überleben? Meistens sind das Frauen. Das feierabendliche Vorglühen der Schlappen, der eilfertige Sprung zum Kühlschrank, um die Bierflasche herbeizuschaffen, das rechtzeitige Einschalten des TV, … das alles ist hoffentlich überwunden! Oder gibt es noch irgendwo ein Ekel Alfred? So ein kleiner, klitzekleiner Alfred schlummert bestimmt nach wie vor in vielen Herrlichkeiten?

Wäre es nicht eine kluge Idee, die Welt von Frauen regieren zu lassen? Dann wären erheblich weniger Verbrecher in den Regierungen. Schließlich gibt es deutlich weniger Knastologinnen als Knastologen. Ich schätze das Verhältnis auf 1 : 10. Das kann man beim Statistischen Bundesamt bestimmt genauer in Erfahrung bringen. Oder sind die Frauen einfach nur cleverer?

Schaut man in manche andere Länder, könnte man durchaus meinen, hier herrscht noch das Mittelalter. Solche Auswüchse, wie Steinigung, Beschneidung, Vergewaltigungen, Haft wegen Autofahrens gehen regelmäßig öffentlichkeitswirksam durch die Medien. Besserung der Lage scheint nicht in Sicht. Mit Glück gibt es Rettung im Einzelfall. Aber es sind auch die unendlich vielen kleinen, großen und unspektakulären Situationen des Alltags, die die Menschen so sehr belasten.

Viviane Reding, sie ist Luxemburgerin und dazu noch EU-Kommissarin. Als solche wurde sie durch die Farce, die sich Europäische Datenschutzgrundverordnung nennt, bekannt. Sie wollte „das Feigenblatt eines symbolhaften Tages“ abschaffen.

„Solange wir einen Frauentag feiern müssen, bedeutet das, dass wir keine Gleichberechtigung haben. […] Das Ziel ist die Gleichberechtigung, damit wir solche Tage nicht mehr brauchen.“

Da hat sie ausnahmsweise mal recht. Ja, auch aus dem EU-Himmel kommen kluge Gedanken. Unsere, erst kürzlich wieder mal aus der Versenkung aufgetauchte Freundin Alice Schwarzer möchte diesen Tag einfach auslöschen.

„Schaffen wir ihn […] endlich ab, diesen gönnerhaften 8. März! Und machen wir aus dem einen Frauentag im Jahr 365 Tage für Menschen, Frauen wie Männer.“

(Die Zitate stammen aus http://www.wikipedia.de) Bleiben das Schaltjahr-, das  Sommer- und Winterzeitproblem. Und jeden Tag als Frauen- oder sogar Menschentag feiern, was soll das bringen? Irgendwann müssen wir einfach mal arbeiten. „Ach Alice, Sie haben einen so wundervollen Vornamen. Trotzdem fällt es mir zunehmend schwerer, sie ernst zu nehmen.“ Im Grunde genommen hat Alice Schwarzer aber Recht.

Noch einige Worte zu Alice Schwarzer. Zum Glück ist sie seit einiger Zeit deutlich ruhiger geworden. Ist es das Alter? Vor ein paar Wochen wurde eine länger zurückliegende Verfehlung bekannt. Das hat enttäuscht. Sie ist öfter mal direkt oder indirekt mit dem Gesetz in Konflikt geraten. Wenn man beispielsweise auf Wikipedia stöbert, findet man entsprechende Hinweise. Oft hatte man den Eindruck, dass sie mit ihren radikalen Ansichten mehr Schaden als Nutzen für ihre Sache anrichtet. Sie hat es übertrieben und wurde deshalb selten richtig ernst genommen, wurde der Lächerlichkeit preisgegeben. Gleichberechtigung klang nach Gleichmacherei. „Hosen für alle!“ Ich habe heimlich gesucht, wo bei mir das Baby heraus kommen könnte. Bin nicht fündig geworden. Ich gab die Suche einfach irgendwann auf. Allerdings mein Bäuchlein … Aber das ist ein ganz anderes Thema. Andererseits braucht es oft Dampframmen, um die Welt anzustoßen. Also: Danke A.S.!

Eine weitere Frage kommt mir plötzlich in den Sinn. Wir feiern den Frauentag. Wo bleibt da der Kampf? Sollen wir etwa volltrunken die Schwerter schwingen? Das wäre wie ‚friendly fire‘ und eher kontraproduktiv. Trinken wir uns heute Mut an, prosten uns freundlich zu, schnabulieren eine Kleinigkeit, halten siegestrunken schöne Reden. Ein Kuss, eine Umarmung, ein Dankeschön, … – je nachdem – ich glaube, die Frauen mögen das.

Morgen ziehen wir gemeinsam auf das Schlachtfeld.

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Es gibt unendlich viele Probleme auf dieser Welt. Das größte Problem ist das Fehlen von Achtung, Toleranz, Ehrlichkeit, Verständnis und klugen Menschenverstand.