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Gestern bin ich am Main entlang spaziert. Der Main trennt Frankfurt in zwei Hälften. Gleichzeitig verbindet er die Stadtteile wieder. Für mich ist er das eigentliche, das schöne Zentrum der Stadt. An beiden Seiten des Flusses stehen lange Reihen von Platanen. Die Bäume sind kürzlich beschnitten worden. Alle Triebe des letzten Jahres wurden wieder gekürzt. Man glaubt gar nicht, wie viel in einem Sommer an so einer Platane nachwächst.

Die abgeschnittenen Äste wurden am Wegrand zu fetten Bergen aufgeschichtet. Als ich vorbei lief, hat es klick gemacht und abermals klick. Irgendetwas war in meinem Oberstübchen plötzlich los. Die Zahnräder ratterten wie verrückt. Ich fühlte mich an etwas ganz Bestimmtes erinnert. Was war das nur? Ratter, ratter und ich wusste Bescheid. Ja, es waren diese Zweige und Äste, die meine Gedanken auf Stöcke und Knüppel gestoßen haben. Da muss man erst einmal drauf kommen!

Im letzten Dezember ist es gewesen. Da kamen sie angeflogen. Zuerst zwei Knüppel kurz hintereinander und ein paar Tage später der Dritte. Sie landeten genau auf meiner Birne. Ich war platt, platt wie eine Mainflunder. „Was soll denn das nun wieder?“ dachte ich mit letzter Kraft. Drei Stöckchen hatten mich fast im Minutentakt erwischt. In meinem jugendlichen Leichtsinn versprach ich dann auch noch, die Fragen zu beantworten. Aber ich wollte nicht nur eine interviewähnliche Befragung veröffentlichen, sondern eine richtige Geschichte schreiben.

* * *

Kommissar Möckelmann-Winkelstein hat sofort die Ermittlung aufgenommen. Man muss in solch einem Fall schnell handeln. Das weiß Möckelmann-Winkelstein natürlich. Das gehört zum Einmaleins der Kriminalistik. Es war ein besonders schwerer Fall von Körperverletzung. Gleich drei Täter hatten das Opfer, einen hilflosen Herrn, mit starken Knüppeln fast erschlagen. Kommissar Möckelmann-Winkelstein ist professionell vorgegangen. Erst einmal hat er sich einen Apfelstrudel gegönnt. Er braucht einen klaren Kopf, wenn er in solch einem komplizierten Fall seine Ermittlungen führt. Und Hunger ist da eher kontraproduktiv.

Die Recherchen waren weit fortgeschritten. Kommissar Möckelmann-Winkelstein wollte endlich einen ersten, einen ganz wichtigen Zeugen, den Schrottsammler Krull befragen. Der weiß immer alles, was im Ort gerade so läuft, wer, mit wem oder wer, mit wem nicht und warum und wieso und wer daran schuld ist. Da gab es zwei unerwartete Katastrophen.

Die eine Heimsuchung heißt Elvira, trägt mit Vorliebe ein kurzes Röckchen, eine Bluse mit tiefem Ausschnitt und will von Kommissar Möckelmann-Winkelstein Elvi genannt werden. So etwas ist Kommissar Möckelmann-Winkelstein nicht gewöhnt. Seine Else ist nämlich ganz anders. Dafür kann sie den allerbesten Streuselkuchen backen und den leckersten Kasselerbraten bereiten. Vor allem ist sie nicht so vorlaut, wie diese Praktikantin Elvira Klemmig, die ihm sein Chef für diese Aufgabe zur Seite gestellt hat.

Kommissar Möckelmann-Winkelstein wollte den Fall gerade an seinen Chef zurückgeben. Unter diesen Umständen, mit dieser Elvi, kann er doch keine Untersuchungen und schon gar nicht in solch einem hoch komplizierten Fall führen! Außerdem ist diese halbausgebildete Praktikantin, die nur Facebook und Internet in ihrem Kopf hat, für eine verdeckte Ermittlung viel zu auffällig. Er fragt sich, was in seinen Chef so plötzlich gefahren ist. So kennt er ihn doch gar nicht! Aber dann ist das zweite Unglück passiert. Das war viel, viel schlimmer als die erste Katastrophe, auch wenn Kommissar Möckelmann-Winkelstein das ganz anders sieht.

Das Zweite war ein Terroranschlag, ein ganz gemeiner noch dazu. Vorsatz war im Spiel und überaus arglistige Niederträchtigkeit. Das merkwürdige daran war, dass das eigentliche Opfer der Prügelattacke klar als dieser hinterhältige Terrorrist zu erkennen war. Nein, Sprengstoff oder solche Sachen waren nicht verwendet worden. Die Zahl der Toten war überschaubar. Es gab keine! Es war ein viel, viel gemeinerer Anschlag, ein ganz gewiefter. Solch einen hat Kommissar Möckelmann-Winkelstein noch nie erlebt, den hat die ganze Welt bis dato nicht gesehen! Die Kriminalgeschichte muss neu geschrieben werden. Kommissar Möckelmann-Winkelstein ist fassungs- und sprachlos. Letzteres ist nichts Besonderes bei ihm. Er erzählt sowieso nie sehr viel.

Nach diesen beiden Ereignissen sind die Ermittlungen zu Ende. Es geht nicht weiter. Es kann nicht weiter gehen. Der Fall gilt als vorläufig abgeschlossen. Der Fall ist nämlich weg, wegen des Terroranschlags. Kommissar Möckelmann-Winkelstein ist das völlig schnuppe. Wenn diese Elvi abreist, dann geht es ihm wieder gut, da kann er die restliche Zeit bis zu seiner Pensionierung noch gut überstehen. Das ist sowieso das Allerwichtigste für ihn und seine Else!

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Ich wollte dies nur Mal so ganz am Rande erzählt haben. Es kann ja sein, dass jemand auf eine Reaktion von mir wartet. Vielleicht diese drei Stöckchenwerfer? Das mit der Geschichte hat ja nun ein tragisches Ende genommen. Aber unabhängig davon wird das Versprechen der Beantwortung dieser 30 Fragen von mir natürlich eingehalten. Und ich verspreche es hoch und heilig. Ich beantworte diese Fragen noch in diesem Jahrzehnt, vielleicht sogar in diesem Jahr. Wenn es nicht noch einen Wintereinbruch in der Sahara gibt, mit viel Glück bereits im Monat April oder Mai dieses Jahres. Es wird, soweit lehne ich mich schon jetzt aus dem Fenster, eine Folge von vier oder fünf Artikeln geben. Es sind ja immerhin 30 Fragen zu beantworten! Mit mehreren Artikeln hat man als Schreiber wenigstens die Möglichkeit, einen kleinen Spannungsbogen aufzubauen und dann mit einem lauten Knall, wie bei einem Terroranschlag, platzen zu lassen.

Ich bin gespannt, gespannt wie ein Flitzebogen!

N.B.: Ich habe das Wort Terroranschlag ziemlich oft verwendet. Jetzt wird bei der NSA bestimmt Alarm ausgelöst. Da haben die Jungs wenigstens keine Langeweile und etwas Abwechslung von ihrem schnöden Abhöralltag.

Noch ein N.B.: Es gibt eine weitere schlechte Nachricht. Der Annahmeschluss für weitere Stöckchen ist in diesem Blog am letzten Sonntag genau um 23:23 Uhr gewesen. Ich erwähne das nur vorsichtshalber, falls noch jemand auf dumme Gedanken kommt! Das Büro wird vielleicht am 30. Februar wieder geöffnet.