Schlagwörter

, , ,

Gefräßig lauerndes Ungeheuer

Gefräßig lauerndes Ungeheuer

Von Spinnen, Phobikern, Sauriern, Pups und Pieps, einem Retter, dem Kugelaquarium, einem schweren Ziegelstein, dem Tatortreiniger und der Mutter und ihrer Waschmaschine

Weshalb sind Spinnen so schüchtern, gar ängstlich? Warum verstecken sie sich andauernd in irgendwelchen Ecken? Eigentlich hätten sie das doch gar nicht nötig. Sie bräuchten nicht die Spur einer Angst vor uns zu haben.

Aber – sie könnten einen Menschen mit einem Happs verschlingen! Dieser hat gegen sie nicht den Hauch einer Chance! Und sie lieben Erdlinge über alles. Besonders zarte, süße, nette, kleine und große, dicke und dünne, blonde und dunkelhaarige Frauen stehen auf ihrem Speiseplan ganz, ganz weit oben. Und ein zweites Frauchen als Nachtisch… lecker!

Das Geheimnis der Spinnen ist eine Phobienphobie. Sie haben eine Phobie gegen die insbesondere weibliche Spinnenphobie. Doppelte Phobie ist die Phobienphobie – rein logisch und mit den mathematischen Grundrechenarten betrachtet. Das kleinste Kreischen lässt sie zusammenzucken, versetzt sie in den Zustand dieser ominösen Spinnenstarre. Spontan läuft ihnen das Wasser im Mund in Strömen zusammen. Oder heißt es bei Spinnen Maul? Fast ersticken sie an ihrer Spinnenspucke. Man erkennt den Wasserfluss an der metergroßen Pfütze unter ihrem Kopf. Sie bringen es in dieser es Situation trotz großem Hunger einfach nicht fertig, die endlos kreischende Kreatur zu verschlingen.

Wenn sämtliche Fliegen, Mücken und anderen Fluginsekten dieser Welt wegen der Spinnen kreischen würden, wären wir längst verrückt geworden. Und die Spinnen wären schon zu Urzeiten, noch weit vor den Sauriern, ausgestorben. Das alles nur infolge der Phobienphobie. Man fände nur mit Mühe und Not versteinerte Exemplare dieser vielbeinigen, millimetergroßen Raubtiere in den tiefsten Schichten der Erde. Wir könnten uns nicht erklären, worum es sich dabei handelt. Irgendwie erinnern Sie uns an den späteren Tyrannosaurus Rex. Die Gefräßigkeit, die sie ausstrahlen, würde die Spinnenerforscher total irritieren. Zum Glück ist das Kreischen nur bei Spinnenphobikern und boygruppenkonzertbesuchenden, ohnmachtsnahen Teenies verbreitet. Deshalb schnappt sich diese riesige, drei Millimeter fette Spinne, mit den dürren Beinchen in ihrer großen Hungersnot ab und zu eine ahnungslos dahergeflogen kommende, in ihrem Netz festgeklebte Stechmücke. Deren Summen wirkt ja so beruhigend – für Spinnen. Aber so richtige vertreibt die Mücke keine Hungerkatastrophe.

Gefährliche Falle

Gefährliche Falle

Wehe, eine Spinnenphobikerin hakt sich an einem Spinnennetz fest. Dann fällt die Spinne sofort in ihre Starre. Wenn sie besonders viel Pech hat, purzelt sie von ihrer Spinnwebe herunter und stößt sich auf dem Fußboden zu allem Überfluss auch noch die Birne. Mitten in der Nacht erwacht sie und rennt in einem Affenzahn, besser gesagt Spinnenzahn ganz, ganz weit weg. Sie lässt dieses kreischende, zappelnde, sich immer mehr verstrickende, schreiende Untier in ihrem Netz schlicht und einfach verhungern. Wenn dieses dann völlig kraftlos im Spinnennetz hängt, gibt es kaum noch einen Pieps oder Pups von sich. Es wird so mir nichts dir nichts, völlig nebenbei und unglaublich lässig von der nächsten geradewegs vorbei marschierenden Spinne verschlungen. Die einzige Rettung für das Opfer ist ein mutiger Mann. Der befreit sie umgehend, nimmt sie liebevoll in den Arm und tröstet sie. Besonders liebe Mannsbilder päppeln solch ein armes Ding auch noch auf.

Was kann man gegen Spinnen tun? Da gibt es mehrere Möglichkeiten. Die einfachste und wirkungsvollste Variante ist die Ignoranz. Sie schlicht nicht beachten. Das hilft – garantiert. Da ärgern sich die Biester ein Loch in den Bauch und wandern nach der dritten Mücke und siebenten Stubenfliege, die sie aus ihrem Netz geklaubt haben, aus. Jaja, ich weiß es, diese Methode taugt nicht für eingefleischte Spinnenphobiker.

Eine andere Möglichkeit ist ein Wasserglas. Man kann auch Senfgläser, Sektkelche oder Kugelaquarien nehmen. Bei den Aquarien achte man darauf, dass die Fische vorher in Sicherheit gebracht werden. Man stülpt das Glas kühn und keck, ganz fix und mutig, aber so, dass es nicht zerspringt und die Spinne keinen Schaden an ihren Beinchen nimmt, über das gefährliche Monstrum von Spinnentier. Da das Gehirn von Spinnen ausgesprochen klein im Verhältnis zu ihrem Hunger ist, denken sie fälschlicherweise, dass statt Ihrer der außen herumkreischende Mensch in einem Glasgefäß sitzt. Bei besonders dreisten Exemplaren wurde beobachtet, dass sie ihrem Gegenüber sogar die Zunge heraus gesteckt haben! Dies denken sie so lange, bis sie das nicht mehr denken. Entweder, sie sind dann verhungert oder weit weg an die frische Luft gesetzt worden.

Es gibt sehr wirksame, radikale und spinnenblutrünstige Methoden sie ins Nirwana zu schicken. Die bestehen in der Verwendung von besonders martialischen Schlaginstrumenten. Vorschlag- bzw. elektrische Bohrhämmer, Blumentöpfe, Zeitungen oder Zeitschriften, Küchenmixer, eine Fliegenklatsche nebst großem Ziegelstein oder andere Mordinstrumente sind bestens geeignet. Wichtig ist hierbei, genügend, mindestens zwanzig Meter Sicherheitsabstand zu halten und vorher den Fluchtweg zu checken. Ein leistungsstarkes Auto sollte mit laufendem Motor, ausreichend Sprit im Tank und offener Tür bereitstehen! Dann einfach draufhauen, solange bis das Biest quietscht und das Blut in Strömen von den Wänden rinnt. Als Zeitung darf man der Spinne zuliebe keine Gazette verwenden, in der mehr Bilder als Worte stehen. Das hat etwas mit Tierschutz zu tun. Bei den Zeitschriften eignen sich die üblichen Exemplare, wie wir sie beim Friseur oder Hausarzt finden, hervorragend. Hinterher sollte man, natürlich völlig anonym und heimlich, den Tatortreiniger anrufen, ersatzweise den nächstbesten Mann. Dann steigt man schnell ins Auto und fährt zur lieben, trostspendenden, verständnisvollen Mami. Schwiegermütter sind in diesem Fall überhaupt nicht geeignet. Die bemitleiden nur dauernd ihren geliebten Sohn oder sind furchtbar stolz auf ihn oder beides. Die eigene Mutter muss die geschundene, verkorkste Spinnenphobikerinnenseele wieder gerade biegen. Hilfsmittel, wie eine oder mehrere Flaschen Sekt, wirken Wunder. Damit kann man sich solch ein monstermäßiges Spinnentier so richtig schön Schöntrinken. Aus der Angst wird plötzlich Heldentum, während die gelblich braun gefärbten rosaroten Höschen mit den lustigen Blümchen in der Waschmaschine Karussell fahren.

Was ist genauso gefährlich, wie eine Spinne? Das ist die gefräßige Maus. Aber dagegen gibt es bekanntlich seit Urzeiten sehr wirksame Mittel.