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Über schwere Pferde, die Sprache, Sieger, einen Zentner Grassamen und Fremdbestäubung

Wer reitet so spät durch Nacht und Wind? Es ist die Zeit, sie fliegt geschwind.

Regelmäßig werden die Wörter des Jahres gekürt. Meistens sind es abscheuliche Wortgebilde, die in Politik und Medien aus dem Nichts heraus entstehen und wie der Wind in alle Richtungen verteilt werden. Diese Wörter breiten sich wie eine Grippeepidemie aus. Kein Mittel vermag diese Ausbreitung zu stoppen. Dabei gibt es so schöne Wörter in unserer Sprache. Oft geraten die geehrten nach einiger Zeit wieder in Vergessenheit. Das ist auch gut so.

Neulich war ich zu einer Pferdeschau. Eigentlich bin ich nicht der große Pferdenarr. Ich kenne mich mit diesen Biestern so leidlich aus. Es gibt große und kleine Pferde, Ponys, Esel, Stuten, Hengste und Fohlen sowie Brauereipferde. Letztere finde ich besonders beeindruckend. Die Wallache werden sich irgendwann einmal an der Menschheit rächen, da bin ich mir sicher. Bei schlechter Pflege verschimmeln die Pferde. Das sind die Basics meines Pferde-Know-hows. Viel mehr ist auch nicht zu finden.

Bei dieser Pferdeschau wurden Hengste und ihre Nachkommen präsentiert. Es ging um das schwere Warmblut, also um recht große Pferde. Es war eine sehr nette Veranstaltung. Vor allem hat es mir gefallen, als die jungen Reiter ihre Vorführungen mit den Tieren präsentierte. Wie so eine viertel Portion von Mensch mit solch einem riesigen Vieh klarkommt, ohne gefressen zu werden, ist wirklich beeindruckend. Bestimmt klappt das, weil Pferde Vegetarier sind. Oder ernähren sie sich sogar vegan? Die Kiddies sind auch überhaupt nicht heruntergepurzelt, obwohl die Pferde echt Action gemacht haben, über riesige Zäune gesprungen sind. Die Tiere gehorchen den Reiterinnen und Reitern einfach hervorragend. Ob die Mädels oder Jungs genauso parieren, wenn Mutter oder Vater ruft? Gerne hätte ich mitgemacht, aber das Geläuf ist nicht genügend gepolstert. Selbst wenn ich das Aufsteigen schaffen würde, flöge ich eine tausendstel Millisekunde später in großem Bogen durch die Luft und würde zielsicher auf dem nächsten Pferdeapfel die Grätsche machen. Das beste Deo hätte keine Chance.

Es ist erstaunlich, welche Wörter sich die Pferdenarren so ausdenken und in aller Öffentlichkeit verwenden. Sie haben nicht einmal darauf Rücksicht genommen, dass Kinder, Jugendliche und Herren in reifem Alter anwesend waren.

Einer der Hengste ist als Landesbeschäler bezeichnet worden. Ist das Land, sie meinen sicherlich das Land Thüringen, eine Apfelsine, ein Apfel, gar ein Pferdeapfel, den man schälen muss? Ein anderes Pferd wurde als Ersatzsieger vorgestellt. Was soll denn das nun wieder bedeuten? Oder ist das sogar eine innovative Idee für die Olympischen Spiele? Wenn man nach dem Sieger einen Ersatzsieger, anschließend erst den zweiten und dritten Platz ehren würde, dann könnte man glatt auf den undankbaren vierten Rang verzichten! Dann geht es nach den Medaillen gleich mit dem fünften Platz weiter. Die Olympioniken würden sich bestimmt ein Loch in den Bauch freuen. Niemand landet auf diesem verfluchten vierten Platz!

Nach der Vorführung gab es eine Verlosung. Da warteten ganz tolle Preise auf die Besucher. Der Sack Grassamen als Trostpreis, das Geschenk vom Hauptsponsor, war noch harmlos. Trotzdem war ich froh, nicht getröstet worden zu sein. Was soll ich mit einen Zentner Grassamen anstellen? Vielleicht hätte ich im Winter damit die Vögel füttern können? Den Freisprung vom Landesbeschäler, der als erster Platz ausgelobt war, hätte ich erst recht nicht gewinnen wollen. Aber der ist besser als die heute oft praktizierte Fremdbestäubung, die künstlerische Besamung. Da wird der Samen in einer Tüte geliefert. Der Hengst schaut dabei in die Röhre oder hockt auf einem Ledergesellen und wird verarscht. Ich habe mich rechtzeitig aus dem Staub gemacht. Diesen Preis, den Freisprung, wollte ich wirklich nicht gewinnen. Der offizielle Teil der Veranstaltung war sowieso zu Ende. Jetzt kam nur noch der gemütliche Teil. Vielleicht mussten die Besucher bei Bier und Bratwurst den Freisprung begutachten – höher, weiter, schneller. Oder, wie es früher hieß, „Mach mit, mach‘s nach, mach‘s besser!“.

Zu Hause habe ich mich dann in aller Ruhe mit diesen supertollen Wörtern beschäftigt. Welcher der drei Anwärter wird das Siegerwort? Ich habe für mich eine klare Reihenfolge gefunden. Die verrate ich Ende der nächsten Woche. Hier noch einmal die drei Kandidaten in alphabetischer Reihenfolge:

Beschäler (Landesbeschäler, Hauptbeschäler, …)

Ersatzsieger

Freisprung

Ich bin gespannt, welches Wort die meisten Stimmen bekommt. Die Abstimmung erfolgt über die Kommentare.

Natürlich gibt es auch etwas zu gewinnen. Alle Teilnehmer dürfen einen Freisprung über die nächste Wiese vollführen. Wer am weitesten hüpft, schält sich schnell mal einen Apfel zur Stärkung. Der Zweitbeste darf sich mit dem Titel ‚Ersatzsieger‘ schmücken.