Schlagwörter

, , ,

Was ist überhaupt ein Stöckchen?

Das ist die Frage aller Fragen. Das Stöckchen an sich ist ein kleiner Knüppel.

Hunde schnuppern gerne an Stöckchen herum, schleppen ihn in ihren schlabberigen Mäulchen kreuz und quer und schwanzwedelnd durch die Gegend. Das ist gut so. Da können sie wenigstens nicht bellen. Und Hunde die nicht bellen, beißen. In diesem Fall beißen sie ins Stöckchen. Das ist besser als ins Bein oder in den Pops. Dies wäre ein Indiz für einen Kampfhund, der ist an der Leine zu führen und mit Maulkorb zu versehen. Das sieht doof aus und macht dem Kläffer bestimmt keinen Spaß.

Kleine Kinder, vor allem diese kleinen, etwas frechen Jungs, schleppen auch gerne ein paar Stöckchen durch die Gegend. So ein Sonntagnachmittagsspaziergang mit den Eltern ist ja so furchtbar langweilig! Und dann diese neue Hose, die ihnen verordnet wurde. Die darf kein einziges Fleckchen abbekommen. Das ordentlich gebügelte Hemd und die geputzten Schuhe – das sind die absoluten Spaßbremsen. Da sammeln sie eben Stöckchen. Zuerst finden sie nur ganz kleine Söckchen, um die lieben Erziehungsberechtigten ganz langsam an die Katastrophe heran zu führen. Sie werden, clever und strategisch geplant, schon einmal auf den Dreiangel in der Hose seelisch und moralisch eingestimmt. Dann suchen sich die gelangweilten Burschen immer größere Stöckchen, Äste, Knüppel. Je größer das Stöckchen, desto Knüppel. Die Hände kann man sich an diesem Hemd ein wenig säubern.
„Wozu gibt es Waschmaschinen?“ erstickt jeden Hinweis von Mama im Keim. Vater lächelt irgendwie. Sehnt er sich nach seiner Kindheit, nach Dummheiten, nach einem Stöckchen? Sohnemann sammelt weiter. Den Elan hat er sich eine ganze Woche lang in der Schule aufgespart. Wer weiß, wozu diese Stöckchen noch zu gebrauchen sind? Sie sind echte Schätze. Man könnte damit ja die Katze vom Nachbarn ein wenig ärgern. Aber nur, wenn die doofe Nachbarin nicht guckt. Die meckert ja immer nur herum und petzt das den Eltern.

Ich kenne zwei von dieser Sorte Buben. Einer schreibt gerade diesen Text und hat eine stockdunkle Vergangenheit. Der andere stammt unmittelbar von diesem ab. Die Namen sind dem Verfasser bekannt. Aus Gründen des Datenschutzes bleiben sie ungenannt.

Knüppel sind ein Gebäck, das ich aus meiner brandenburgischen, genauer gesagt Barnimer und Märkischen Kindheit kenne und gemocht habe. Das sind Weizenbrötchen. Die haben mit Marmelade, Gelee, Teewurst oder Schmelzkäse bestrichen wirklich gut geschmeckt. Heute gingen sie im Supermarkt unter der Bezeichnung ‚Baguettebrötchen zum Aufbacken‘ durch, würden aber bei Weitem nicht an den Geschmack früherer Zeiten heran reichen. Früher war eben alles besser. Außer das Internet, das gab es noch nicht. Und ohne Abhörskandal, zumindest dem von der NSA, ging es uns ganz gut.

Andere Knüppel, mit Stöckchen hat man sich nicht begnügt, waren in Verbrecherkreisen seit eh und je sehr beliebt. Damit konnte man seinem Widersacher kräftig eins auswischen. Dumm war höchstens, wenn der auch solch ein Teil mit sich herumschleppte. Dann entschied die Schlagfertigkeit. Typische Beispiele für solche schlagkräftigen Gesellen sind Fred Feuerstein und Barni Geröllheimer.

Die drei Stöckchen, die ich abbekommen habe, sind so ähnlich, wie die gerade beschriebenen. Ihnen fehlt zum Glück das Blutrünstige. Dafür sind sie weitaus diffiziler in ihrer Wirkung. Das Opfer wird einer überaus peinlichen Befragung unterzogen. Früher kam danach der Scheiterhaufen oder ein ähnlich endgültig wirkendes Mordinstrument.

Jetzt habe ich den Bogen der Spannung so richtig in die Länge gezogen. Jetzt bleibt nur noch die Frage, soll ich oder soll ich nicht?

Na jut! Eh isch misch uffreech, iss mir lieba allet ejal!

Ein Problem gibt es aber noch!