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Am Samstag war ich im Speicher. Nein, ich meine nicht meinen Gerümpelkeller. Der Speicher ist eine Location in Erfurt und diente in früheren Jahrhunderten der Lagerung von Waid. Dafür war Erfurt weltbekannt. Waid war der Rohstoff für blaue Farbe. Um aus der Pflanze Waid die blaue Farbe zu machen, waren etliche Verarbeitungsschritte nötig.

Einer bestand darin, darauf zu pinkeln. Das durften natürlich nur die Männer tun. Notwendige Zielgenauigkeit war nicht der Grund dafür. Früher wurden Frauen nicht als rein empfunden. Natürlich nicht, weil sie kleine Dreckschweinchen waren. Das kann man den Frauen wirklich nicht nachsagen. Sie haben es schon damals mit der Reinlichkeit sehr genau genommen. Sie waren quasi die Vorbilder für ihre Männer. Aber die scheinen das nicht so richtig kapiert zu haben. Typisch Kerle eben! Aber das lenkt jetzt total vom Thema ab.

Der Speicher ist heute ein Café, ein Ausstellungs- und Veranstaltungsort mitten in Erfurt. Hinten raus ist ein kleiner Biergarten mit ein paar Holztischen. Wobei das Wort ‚Garten‘ ein ganz klein wenig übertrieben ist. Zu futtern gibt es dort nur Kuchen und Salzstangen. Trinken kann man das Übliche, was solche Locations bieten, also Bier, Wein, Schnaps, Wasser, Kaffee und ähnliche Sachen. Rauchen ist erlaubt. Das finde ich doof! Dann stinken die Klamotten hinterher immer ganz eklig. Dazu gab es Musik und im Obergeschoss eine Ausstellung.

Letzten Samstag spielte Andreas Max Martin mit Orchester im Speicher. Das war so richtig schön schräg – schön und furchbar schräg! Die Sprungschanzen der Vierschanzentournee sind gegen die Schräglage dieser Vorstellung pure und weite Ebenen. Die Musik fand ich eher mittelmäßig. Die Texte dagegen klingen fantastisch skurril. Aber die Moderation von Andreas Max Martin ist einfach spitzenmäßig, hat sehr stark an Poetry Slam erinnert. Ich habe flach gelegen vor Lachen! Schön, dass er viel geredet hat!

Das große Orchester, das mit Andreas Max Martin auf der Bühne agierte, bestand aus einem Bassisten und einem Gitarristen. Ein Cajón-Spieler, der wohl eher absichtlich zufällig anwesend war, verstärkte die Musiker bei einem der Titel. Der Musik hat das zum Glück nicht geschadet.

Der Bassist machte den Eindruck, als ob er im wahren Leben den völlig unterbezahlten Job eines Testessers für Zitronen hat. So etwas ist ein harter Job und es dauert Monate, bis man den sauren Geschmack wieder aus dem Mund raus hat. Man sah ihm an, dass die Monate noch nicht um sind. Vielleicht reicht der bescheidene Zusatzverdienst als Saitenzupfer, dass er sich mal einen Friseurbesuch leisten kann. Notfalls kann er sich bei mir melden. Schlimmer als jetzt sieht es nach meiner Schnippelei dann jedenfalls nicht aus.

Der Gitarrist war einer von den sieben Zwergen. Es war der, der immer mit der frisch gefönten Dauerwellenfrisur von Uromi Schulze aus Kleinkleckersdorf herumläuft. Frisurtechnisch ist er somit ein Kollege der fußballspielenden Tante Käthe aus Hanau. Aber der gehört ja nicht zu dieser Zwergengang. Schneewittchen musste am Samstagabend also mal mit sechs vorliebnehmen. Ich meine sechs Siebenzwerge. Das ist hart. Bestimmt haben sie sich zusammen mal einen Titel von Andreas Max Martin angehört, vielleicht die „Damenwahl in Boltenhagen“, „Immer wenn ich schwimme, hör ich eine Stimme – komm zu mir“ oder „Er spielt Bass in Alcatraz“! Irgendwie mussten sie die Zeit, bis Nummer Sieben wieder heimgekommen ist, ja überbrücken!