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Mein CD-Spieler hat manchmal ganz schön viel zu tun. Vor allem der Player im Auto leiert und leiert während meiner langen Fahrten so manche CD etliche Male hintereinander durch sein Mahlwerk. Die CD fühlt sich hinterher total durchgedreht an. Da ich mich auf den Straßenverkehr konzentriere, verpasse ich manche Titel beim ersten oder zweiten Anhören. Dann muss sie noch einmal von vorn beginnen.

Zuletzt hörte ich die CD „Wenn die Nacht den Tag verdeckt“ von Desiree Klaeukens.

Das Mädel ist jung, echt jung. Man könnte neidisch werden. Einziger Trost ist die Rente, die sich bei mir am Horizont als schmaler, heller Streifen abzeichnet und erste Hoffnungen weckt. Weshalb macht Desiree Klaeukens immer solch ein trauriges Gesicht? Ist ihr Jemand ganz mächtig auf die Zehen gelatscht? Schaut sie zu viele Nachrichtensendungen, die ihr auf die Verdauung schlagen? Ist es wegen des Lichtstreifens, der schon an meinem Horizont steht? Neid macht unglücklich und die vielen Jahrzehnte, die sie bis zur Rente noch trällern muss, könnten ihrem zarten Seelchen möglicherweise mächtig zusetzen. Man weiß es nicht.

Ihre Musik ist nichts für Leute, die unter Depressionen leiden. Teilweise tief melancholisch resümiert sie über das Leben als solches im Allgemeinen und Speziellen.

Manchmal ist ihr recht „Warm ums Herz“. Das liegt wahrscheinlich daran, dass sie „Verliebt in dich“ ist. So etwas kann man, wenn man dich kennt, durchaus verstehen. Ein Lächeln, wenigstens ein kleines, wäre spätestens an dieser Stelle angemessen. Ich meine ein Lächeln von euch Beiden. Eines mit einem tiefen, vielsagenden Blick in die Augen, vielleicht sogar mit verliebtem Augenaufschlag! Ihr seid doch glücklich, oder? Na dann zeigt das doch einfach mal! Aber „Es ist nicht immer der Sex“, stellt sie dann verdrossen fest. Es muss irgendetwas Anderes sein! Lebenserfahren schafft sie nun erst einmal einen „Zwischenraum“, was allerdings ziemlich „kompliziert“ ist. Deshalb rennt sie zum Bahnhof, will einfach nur weg. Mehrere „Züge“ lässt sie jedoch abfahren, ohne einzusteigen. „Zwei Tage“ lang steht sie unentschlossen da. Dann, völlig entkräftet, mit einem noch traurigeren Gesichtsausdruck als sonst, merkt sie, „Will dich zu sehr“, als dass ich einfach so davonfahren könnte. So ist das!

Die jungen Leute haben manchmal ihre Gefühle nicht so richtig im Griff – mal geht es Hüh, dann wieder Hott! Da fällt eine Entscheidung durchaus etwas schwer. Bald wird es „Herbst“ und die Blätter „fallen“ wie Hüllen von den Bäumen. Was für Blätter meint sie mit dieser Metapher? Spielt sie hiermit auf ihren Titel vom Sex an? Will sie erst einmal bis zum Herbst abwarten? Meint sie den diesjährigen? Und schafft sie so die Kurve an den Beginn der CD, so dass man sie noch einmal anhört. Bin ich, völlig unbewusst, auf diesen genialen Trick reingefallen? Bis zum Herbst, wenn die Blätter fallen, hat sie bestimmt viele Konzerte gegeben und ihren Kummer heraus gesungen. Sie ist plötzlich ein neuer Mensch. Mag sie dich dann noch?

So ungefähr oder auch noch etwas oder völlig anders könnte man die Geschichte, die sie auf ihrer Scheibe beschreibt, mit viel Fantasie zusammenfassen.

Trotz der Melancholie gefällt mir die CD ganz gut. Bestimmt hört man von der Interpretin mit der traurigen Gestalt in Zukunft noch mehr. Hat sie das Zeug zu einer ganz Großen? Da bin ich mir nicht sicher. Und es muss ja auch Kleine und Mittlere geben! Auf jeden Fall ist sie von den Kleinen eine der Größten. Das ist ja schon ein Anfang.

Lächeln wäre mal ein echter Gag!