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Wo wir alle herkommen

Die NASA könnte mit ihrem Marsmobil Curiosity Mikroben auf den Mars gebracht haben. Kürzlich wurde festgestellt, dass die Sonde nicht gründlich genug gereinigt worden war. Vor dem Start wurden Proben entnommen. Etliche der gefundenen Mikroben haben alle Härtetests überlebt. Das heißt, dass einige dieser Gesellen jetzt ein zweites Leben auf dem Mars beginnen könnten.

Das kann zweierlei Konsequenzen haben. Einerseits könnten von Curiosity möglicherweise gefundene Mikroorganismen oder Reste davon direkt von der Erde eingeschleppt worden sein. Das ist dann in der Kategorie ‚Peinlicher Irrtum‘ zu verbuchen. Andererseits können die eingeflogenen Mikroben den Marsmännlein einen bösen Schnupfen bescheren. Oder sie bekommen Ohrensausen, Bauchweh oder Hämorriden.
„Die NASA ist an den Hämorriden der Marsmännchen schuld!“ So lautet dann auf Seite eins die Schlagzeile in der Washington Post. Einen Tag geben die russischen Abendnachrichten Tipps gegen Marshämorriden. Peinlicher geht es kaum.

An noch schlimmere Katastrophen wage ich nicht zu denken!

Die Konstrukteure von Curiosity haben sich offensichtlich nicht ausreichend an die Vorschriften zum Schutz fremder Welten vor Kontaminierung mit terrestrischen Lebensformen gehalten. In Zukunft will man vorsichtiger sein.

In der Geschichte des Universums gab es bereits einmal solch einen Fall der Verschmutzung eines Planeten mit fremdem Leben. Das ist zwar schon über drei Milliarden Jahre her, hat aber bis heute gravierende Auswirkungen. Wie das kam, erzählt die folgende Geschichte. Leider gibt es davon keine schriftlichen Überlieferungen. Sie ist also mit etwas literarischer Fantasie, natürlich auf den allerneuesten pseudowissenschaftlichen Erkenntnissen basierend, verfasst worden.

* * *

Wir schreiben das Jahr 3.987.654.321 vor Chr. Die Echos vom Urknall sind in den Tälern der Alpen gerade erst verhallt. Auf der Erde toben schwere Gewitter. Die Meere sind aufgewühlt. Vulkane spucken unaufhörlich Asche, Glut und stinkende Giftgase in die Atmosphäre. Im Stundentakt schlagen Meteoriten aller Größenordnungen ein. Der Donner ist ohrenbetäubend. Was für Ohren hören den Krach? Es ist so richtig ungemütlich. Die Wettervorhersagen für die nächsten elf Millionen Jahre sind eher pessimistisch. Von Orkanen, Überschwemmungen, Blitz und Donner am laufenden Band ist die Rede. Damals waren die Langzeitprognosen noch zuverlässig!

In den Tiefen der Meere wuselten am Nordhang eines Vulkans verschiedene Moleküle gemütlich vor sich hin. Damals waren die Meere noch richtig tief, waren nicht solche höchstens 11.000 Meter flache Pfützen. Die Moleküle hielten Ausschau nach einem Paarungspartner, mit dem sie sich vielleicht zu einem etwas größeren Molekül zusammenreagieren könnten. Es war nicht leicht, ein passendes Molekül zu finden. Selbst wenn sie einen halben Millimeter aneinander vorbei gedriftet sind, haben sie sich glatt verfehlt. Sie hatten weder Suchradar noch aktiven Antrieb. Wenn es dann doch mal geklappt hat, spukte und spuckte dieser verrückte Vulkan häufig einfach dazwischen.

Heutzutage wird dieses frühzeitliche Meer auch Ursuppe genannt. So manche Werkskantine hat davon noch etliche Kubikmeter Konzentrat in großen Fässern tief unten im Keller versteckt. Die Hersteller von Tütensuppen sind zwischenzeitlich mit dem Synthetisieren einer künstlichen Ursuppe sehr weit fortgeschritten.

Das, was die Moleküle damals trieben, heißt Chemische Evolution. Aus kleinen Molekülen wurden erst etwas größere, dann mittelgroße und mit viel Glück nach langer Zeit auch mal riesengroße Molekülketten. Und dann? Dann zerfielen sie wieder und der ganze Kladderadatsch ging von vorne los. Damals hatte man viel Zeit. Den Stress, den uns die Welt von heute mit dem Internet, der Börse, der EU, der Bundesliga und unseren Chefs bereitet, gab es längst noch nicht. Der ist erst über drei Milliarden Jahre später als Irrweg der späteren biologischen Evolution erfunden worden.

Die chemische Evolution steckte in einer tiefen Krise. Es ging und ging viele hundert Jahrmillionen lang einfach nicht vorwärts. Wen hat das gestört? Niemanden. Denn es war ja niemand da. Das stelle man sich einmal vor! Man kommt irgendwo hin und da ist niemand. Man ist ganz alleine, man ist nicht einmal selber dort. Keine Kassiererin im Supermarkt piept die Waren ein. Man wartet vergebens an der Kasse in dem nichtexistenten Einkaufsmarkt.

„So kann es nicht weitergehen!“ dachte sich die Evolution. Doch sie hatte weder Idee noch Alternative. Schade, die Erde war schon damals ein so vielversprechender Planet. Na ja, bis auf das Wetter vielleicht. Das hat sich bis heute nur wenig geändert.

Doch dann ist es passiert. Wenn es nicht passiert wäre, dann wäre die Erde heute solch ein langweiliger Planet wie etwa der Mars. Und niemand würde das merken! Aber es ist passiert und komischerweise ist es der Erde und nicht Mars oder Venus passiert.

Mitten in der Milchstraße, gleich neben dem tiefen schwarzen Loch, das dort gefräßig auf Materie wartet, gibt es ein zweites Loch. Das ist nicht schwarz. Es ist das Wurmloch von einem Universalwurm, welches unser Universum mit einem der vielen Paralleluniversumse verbindet. Das ist wie zwei Luftballons, die mit einer Schnur verbunden in den Himmel fliegen. Wenn die Schnur innen hohl ist, funktioniert sie wie ein Wurmloch. Dann könnte eine Ameise von dem einen Ballon aufs andere Ameisenuniversum krabbeln. Das Aufblähen der Ballons in der Höhe ist die Expansion des Universums, das Platzen ein verspäteter Urknall. Die arme Ameise!

Irgendwann vor gut 3 Milliarden Erdenjahren, aufs Jahr kommt es hierbei wirklich nicht an, war ein Raumschiff in einem Paralleluniversum unterwegs. Es war das dritte Paralleluniversum gleich links um die Ecke hinter unserem Universum. Man wollte nur mal fix die Samstagsbrötchen aus der Nachbargalaxis holen, weil dort so ein genialer Samstagsbrötchenbäcker jeden Samstag Samstagsbrötchen backt. Dummerweise hatten alle Besatzungsmitglieder einen wahnsinnigen Dünnpfiff. Das lag an der Freitagssuppe. Die war am vorvorherigen Freitag übrig geblieben, lungerte im kaputten Kühlschrank herum, bis sie am Vortag, dem berüchtigten Freitag, serviert wurde. Und genauso alt wie sie war, schmeckte sie auch. Und genauso wie sie schmeckte, wirkte sie auch. Die schnell einsetzenden Nebenwirkungen hatten für das andere Universum, in das sie geraten sollten, gravierende Folgen zur Folge.

Die Blähungen pfiffen ihnen regelrecht um die Ohren. Die Luft im Raumschiff war nicht mehr zu ertragen. Die Fenster wurden trübe, wölbten sich gar nach außen. Die Raumfahrer fielen auf ihren Toilettenzylindern hockend in einen komatösen Schlaf. In ihren sieben Bäuchen rumorte es fürchterlich. Das führerlose Raumschiff geriet bedenklich in Schieflage. Der Konstrukteur hatte die Toilettenzylinder dummerweise alle auf derselben Seite angebracht. Und wenn alle Besatzungsmitglieder gleichzeitig drauf hockten und bei der damals üblichen Leichtbauweise sowieso, dann konnte das Raumschiff schnell mal ins Schwanken kommen. Das verstärkte die gesundheitlichen Probleme der dünnpfiffigen Raumfahrer weiter.

Schließlich kam das Raumschiff mächtig vom Kurs ab. Im GPS-Empfänger waren aufgrund der aggressiven Gase in der Kabine etliche Kabel durchgeätzt. Zum Glück zogen sie mit ihrem Raumschiff eine gelblichbraune Spur hinter sich her, die den Rettungsmannschaften viele Jahre später den Weg wies. Einer der Toilettenzylinder war nämlich ein klein wenig undicht. Das Raumschiff war offensichtlich älterer Bauart und hatte den letzten TÜV-Termin deutlich überschritten. Aus diesem gelblichbraunen Vorkommnis hat unsere spätere biologische Evolution das Märchen von Hänsel und Gretel gemacht. Man muss sich die Evolution wie ‚stille Post‘ vorstellen. Dabei entsteht aus Scheiße eben mal ein leckerer Sonntagsbraten für die liebe Frau Hexe. Die ist allerdings nicht nur altersschwach, sondern auch ein bisschen sehschwach und dusselig, was für die beiden Kinderlein die Rettung darstellt. Manchmal ist blinde Dusseligkeit sogar lebensrettend!

Plötzlich geriet das Raumschiff in einen Strudel. Es begann, sich langsam zu drehen, wurde schneller und schneller. Das hatte zur Folge, dass es den Insassen noch schlechter ging. Sämtliche Körperöffnungen, die Weltraumbewohner dieses Paralleluniversums hatten etliche davon, entluden im Millisekundentakt hochkontaminierte Substanzen. Der Sog des Strudels zog das Raumschiff in ein Loch. Das sah aus wie der Abfluss einer Badewanne, nur war es nicht mit weißem Emaile und Chromverschluss gepflastert. Die Spur, welche das Raumschiff hinter sich herzog, sah durch die Verwirbelung wie der blondgeflochtene Zopf von Gretel aus. Das Raumschiff sauste durch ein Wurmloch. Darin war es sehr eng und es grenzt an ein Wunder, dass keine der Antennen des Raumschiffs irgendwelchen Schaden nahm. Wahrscheinlich war das Wurmloch von innen gut gepolstert – echte Qualitätsarbeit eben!

Schwuppdiwupp landeten die außerirdischen Raumfahrer aus dem Paralleluniversum mitten in unserer Galaxis. Sie flogen immer weiter, immer geradeaus. Es wäre egal gewesen, wohin sie flogen, hier kannten sie sich nicht aus und das GPS war bekanntlich kaputt. Ohne Steuermann, der am Lenkrad drehte, ging der Flug zielgerichtet nach vorn.

Schon mehrere hundert Millionen Jahre später kamen sie in die Nähe einer Sonne. Dort flatterte ein wilder Planet herum. Der hatte noch nicht einmal einen Namen! Da die Raumfahrer erst einmal ganz dringend ein Päuschen machen wollten, landeten sie dort. Wo genau das war, ist völlig egal. Die Kontinente verschoben sich in den folgenden gut 3 Milliarden Jahren noch tausendfach, falteten sich wie eine Ziehharmonika zusammen und auseinander und wurden ständig umgestapelt.

Aber diese feine Spur, die sie seit der verdorbenen Suppe verfolgte, ist dadurch auf die Erde gekommen. Mehrere hochkontaminierte Fäden wurden in die Ursuppe geweht. Genau in diesem Moment landete ein zweites Raumschiff auf der Erde, nur wenige Meter vom ersten entfernt. Es war die Dringende Medizinische Hilfe aus dem Paralleluniversum, aus dem auch das erste Raumschiff stammte. Dank Spur hat es die verwirrten Verirrten glücklicherweise und endlich gefunden. Das Märchen von Hänsel und Gretel stammt also nicht von den Brüdern Grimm! Die haben nur aufgeschrieben, was damals vor vielen, vielen Jahren so gelaufen ist. Allerdings sah man dem medizinischen Personal das Glück wirklich nicht an. Wegen des miesen Wetters trugen sie an jedem ihrer dreizehn Beine gelbe Gummistiefel. Sie stritten sich ständig. Denn sie hatten einfach nicht genügend Wäscheklammern in ihrem Rettungsraumschiff gefunden. Diese Klammern benötigten sie unbedingt. Schließlich mussten sie ihre siebzehn Nasen zuklammern, um den Gestank, den das gestrandete Raumschiff nebst seiner Besatzung ausstrahlte, nicht einatmen zu müssen. Selbst der vulkanausbruchsbedingte Erdengestank der namenslosen Erde war ein laues parfümartiges Düftchen gegen die krankheitsbedingten Ausscheidungen der armen Gestrandeten.

Kurz und gut, die Kranken wurden irgendwie versorgt. Das ist noch ein offener Punkt der Forschungen heutiger Archäologen. Das kontaminierte Raumschiff wurde in einem Vulkanschlot versenkt, gründlich ausgekocht und desinfiziert. Das Rettungsschiff sauste in einem Affenzahn mitten durch unsere Galaxis zu dem Wurmloch, durchquerte es in rasantem Tempo, kassierte wegen mehrfacher Überschreitung der Lichtgeschwindigkeit ein Knöllchen und drei Punkte in der Verkehrssünderdatei des Paralleluniversums und kam wohlbehalten zu Hause mit allen Rettern und Geretteten an.

Die Mikroben aus dem Paralleluniversum haben sich in der irdischen Ursuppe pudelwohl gefühlt. Schnell verbreiteten sie sich in allen Weltmeeren. Das Gewaber und Blubbern der Meere fanden sie toll, zumal es ihnen sehr half, sich zu verbreiten. Schnell haben sie sich an die irdischen Bedingungen angepasst, fraßen die einsamen Moleküle einfach auf und produzierten den sauren Stoff, den wir heute so mögen. Unter dem Einfluss all der Wetter- und Umweltkapriolen begann jetzt die biologische Evolution. Aus den dreizehnbeinigen und siebzehnnasigen Scheißviechern aus dem Paralleluniversum wurden ganz normale, also das, was wir heute als normal bezeichnen, Mikroben, Bakterien, Amöben, Würmer, Fische, Krabbeltiere, Algen, Schlingpflanzen, Unterwasseranemonen, Überwasseranemonen, andere Blümchen, Bäume und Gras. Aus irgendeinem unverständlichen Grund betrachten wir Lebewesen mit dreizehn Beinen und siebzehn Nasen als unnormal. Aber es kann doch eigentlich überhaupt nicht schaden, wenn man ein Reserverad, bessergesagt ein Reservebein oder die eine oder andere Reservenase griffbereit hat.

Dann hat es wieder eine ganze Weile gedauert. Sagen wir mal, es vergingen wieder Milliarden von Jahren. Doch plötzlich stand er da. Mitten in Afrika, mitten in der brütend heißen Sonne stand ein Urmensch. Von nun an ging es Schlag auf Schlag. Klitzekleine drei bis fünf Millionen Jahre später ist aus diesem Urvieh ein neuzeitlicher Mensch entstanden. Die Steinzeit, das Mittelalter und die Kleinstaaterei sind kaum erwähnenswerte Epochen der Entwicklung. Doch dann begann er, der in mühsamer, jahrmilliardenlanger Kleinstarbeit, evolutionsgetrieben entstandenen Welt den Todesstoß zu versetzen. Ob ihm das schließlich gelingt, weiß man heute noch nicht so genau. Da müssen wir noch die nächsten, vielleicht auch noch die übernächsten fünf Minuten abwarten.

Jedenfalls wissen wir nun, wie das mit der Evolution damals funktioniert hat. Alle Märchen von Adam und Eva sind obsolet. Und ohne diesen Dünnschiss würden wir auch heute noch als Ursuppe im Weltmeer köcheln. Wer wissen möchte, wie sich das anfühlt, kann am nächsten Freitag mal die Suppe in der Betriebskantine kosten.

Aber auch die Außerirdischen von damals, sowohl die Kranken, die Retter als auch ihre heimatlichen Kollegen haben ihre Schlüsse aus diesem Vorfall gezogen. Nachdem sie immer mal wieder im Abstand von knapp einer Milliarde Jahre nachgeschaut haben, wie sich ihre Schleifspur so entwickelt hat, haben sie dieses Wurmloch verrammelt. Sie nagelten einfach eine billige Holztür aus dem Baumarkt davor. Dann hingen sie ein fettes Schoß daran, machten die Schotten dicht und feuerten den Schlüssel weit weg – so einfach ist das. Sie wollen nicht, dass irgendwann ein paar dünnschissige Erdlinge ihr Paralleluniversum besuchen, alles vollscheißen und eine irdische Evolution in Gang setzen. Dazu ist ihnen ihr Paralleluniversum einfach zu schade!

 

N.B.: Dass die Mehrzahl des Wortes Paralleluniversum ausgerechnet Paralleluniversumse heißt, ist wissenschaftlich verbürgt. Meine Winword-Rechtschreibkontrolle hatte an diesem Wort nichts auszusetzen! Wenn Billy G. meint, das wäre so richtig, dann mäkeln wir daran auch nicht herum!