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Das mit dem Reichwerden steht bei mir ja schon länger auf der Agenda. Bisherige Versuche sind allerdings jämmerlich gescheitert. Mein Lotto-Heinz hat immer wieder gemauert. Heute weiß ich, dass so ein Lottogewinn ein echtes Phantom ist. Ich meine einen richtigen Gewinn. Diese läppischen Vierer oder gar Dreier werden nur als Lockangebote platziert. Die richtig große Kohle steckt nur Vater Staat, vertreten durch Mutti Staat, alias Angie, ein.

Lotto-Phantom

Lotto-Phantom

Hier zeige ich mal zwei solcher Phantome. Bestimmt ist dieser sogenannte Thüringer ein totaler Fake, eine Beruhigungspille fürs Lottovolk. Ich versichere an Eidesstatt, das ich mit diesem Phantom aus Thüringen nicht, aber auch gar nicht in irgendeiner Verbindung stehe. Dieser geldgierige Geist aus NRW ist sicher auch nur eine leere Luftblase!

Neulich hatte ich eine vielversprechende Idee, wie es mit dem Reichwerden funktionieren könne. Die Sache hat nur einen Haken. Es ist die Zeit, die wie immer gegen mich arbeitet. Und in diesem Fall arbeitet sie gleich in Dreifachschicht. Zum einen werde ich jeden Tag um vierundzwanzig Stunden älter. Daran lässt sich nichts ändern. Das ist der Lauf des Lebens. Zum Zweiten werden meine Spareinlagen durch die ständige Geldentwertung und die Zinspolitik der EZB immer weniger wert, je länger sie auf dem Konto schmoren. Ohne diese langfristige Geldanlage funktioniert mein Plan nicht. Und letztendlich und drittens dauert das Reichwerden auf die geplante Weise bis in die Mitte meines übernächsten Lebens hinein. Wenn ich dann als Regenwurm, Kranich oder armer Schlucker, der sich nicht einmal den wöchentlichen Betrag für einen Lottoschein leisten kann, wiedergeboren werde? Dann stehe ich echt doof da! Regenwurm, Kranich, armer Schlucker sind schlagartig out. Dann bin ich plötzlich eine kleine Maus, eine ganz arme Kirchenmaus. Katzenbedingt sind sogar die Mäuse akut vom Aussterben bedroht.

Was bleibt nun, jammern, klagen, verzweifeln? Das Jammern hilft immer ein wenig, zumindest der geschundenen Seele. Also stimmen wir alle mal in den Chor ein. Ich gebe das Startsignal:

„Drei, zwei, eins – START!“

Und nun alle zusammen:

„Das Leben ist so gemein zu mir!“

Am besten, wir wiederholen das jetzt noch dreimal:

„Das Leben ist so gemein zu mir! Das Leben ist so gemein zu mir! Das Leben ist so gemein zu mir!“

So, nun geht es uns deutlich besser. Reicher geworden sind wir trotzdem nicht und ich schon gar nicht. Letzteres wäre mir, ganz persönlich betrachtet, natürlich das Allerallerwichtigste!

Zum Überleben reicht es gerade. Ab und zu, ein läppisches Mal im Monat überweist mein Arbeitgeber ein paar Groschen aufs Konto. Jetzt muss ich wirklich jammern. Wenn mein Chef das liest, darf der auf keinen Fall auf die dumme Idee kommen, dass ich auch nur halbwegs gut bezahlt, gar überbezahlt bin. Das wäre fatal!

„Ach, bin ich ein armes Würstchen!“ Na wenigstens kann ich mir mein tägliches Frühstücksbrötchen leisten. Aber eine Straßenbahnfahrkarte für den Weg zur Arbeit habe ich mir noch nie gelöst. Jeden Morgen renne ich die Wahnsinnstrecke von 300 Metern zu Fuß zur Arbeit. Das muss man sich erst einmal vorstellen, dieser Stress am himmelherrgottsfrühen Morgen! Was bringt es? Bin ich reich? Richtig reich sieht anders aus. Es fühlt sich auch ganz anders an. Besonders furchtbar ist es am Morgen zwischen halb sieben und neun Uhr, dann von neun bis zwölf und schließlich den ganzen Nachmittag bis abends um elf. Was dann kommt – ich möchte es lieber nicht erwähnen.

Aber ich hatte einen Plan, einen ganz genialen Plan!

Ich muss vorsichtig sein, sehr vorsichtig. Wenn Kriminalkommissar Möckelmann-Winkelstein oder einer seiner Kollegen dahinter kommt, was ich vorhatte, dann bin ich geliefert. Dann habe ich ein Problem. Dann muss ich auf Anstreicher umschulen, Innenanstreicher für eiserne Gardinen. Vielleicht verbringe ich meinen Lebensabend in Landshut zusammen mit diesem furchtbaren Fußballclown. Der hatte das mit dem Reichwerden nicht nur übertrieben, sondern sich noch dazu total dusselig angestellt. Er hat einfach aufs falsche Pferd in Form der falschen Bank gesetzt und dabei nicht an Wolfgang S. gedacht. Letzterer ist da sehr eigen und furchtbar pingelig. Wegen knapp 30 Mille sitzt dieser Ulli nun auf einem harten Schemel in einem kleinen verschlossenen Kämmerlein, statt auf der Tribüne im Fußballstadion. So etwas wird mir nicht passieren, weder die verschlossene Kammer, noch die Tribüne.

Es ist ja völlig unverdächtig, wenn ich zu einer Buchlesung marschiere. Das Literaturhaus in Frankfurt feierte kürzlich die Romantik. Dabei ging es ihnen weniger um die romantischen Momente, die man beispielsweise mit seiner Holden auf der Couch vor dem Fernseher bei Kerzenschein und Limonade verbringt. Selbst die tränendrüsendrückenden, romantischen Minuten in einem Rosamunde-Klassiker waren nicht gemeint. Es ging vorwiegend um die Epoche der Romantik, um solche Schreiberlinge wie Eichendorf, Novalis, Schlegel, Schoppi, Chamisso, E.T.A. Hoffmann, …

Die Romantik, das Zeitalter der Sehnsucht, der Liebe, des Unheimlichen ist bei genauer Betrachtung niemals zu Ende gegangen. Auch heute sehnen wir die klassische Stadtarchitektur herbei, stehen wir genießerisch in einer historischen Kirche, bestaunen wir alte Kunstwerke im Museum nebenan. Dabei provoziert die Neuzeit diese Sehnsüchte regelrecht. Das Internet mit Facebook, Twitter und Co. (Blogs ausgenommen) treiben uns regelrecht in die Fänge der romantisierenden Sehnsucht nach Beständigem, Bewährtem und Soliden. Die mystische Dunkelheit der Nacht leistet regelmäßig zusätzlichen Auftrieb für diese Stimmungen. Und die Liebe … Oh ja, die Liebe!

Auch bei mir geht es um eine Sehnsucht. Sie ist nicht mystisch, sie ganz konkret. Sie ist nicht vage, phantomhaft, unbestimmt, unwahrscheinlich und traumhaft. Sie ist auch nicht traumatisch. Sie ist dringend, höchstdringend!

Also bin ich ins Literaturhaus zu dieser romantischen Veranstaltung getrabt. Titel und Untertitel dieser Veranstaltung lauteten:

„Wie man erfolgreich Falschgeld druckt, Gespenster jagt und ein Käsebrot genießt – Ulrike Draesner trifft ihren heimlichen Helden: Johann Peter Hebel“

Das passt doch, wie die Faust aufs Auge, hatte ich gedacht! Geld kann ich kurzfristig und vor allem in größeren Mengen gut gebrauchen. Mit Gespenstern stehe ich auf Du und Du. Das ist bekannt. Und ein Käsebrot ist bei mir fast zu jeder Tageszeit höchstwillkommen! Ich glaube, die im Frankfurter Literaturhaus kennen mich fast besser, als ich selbst. Sind die etwa mit der NSA oder meiner Liebsten vernetzt? Letzteres glaube ich eher weniger. Dann würden statt Käsebrot ein Diätplan und eine Runde Sport auf der Tagesordnung stehen. Ja, Frauen können so furchtbar gemein sein!

Die Veranstaltung war sehr interessant. Die Autorin Ulrike Draesner kann sehr gut sprechen. Kein ‚äh‘ verzierte ihren Vortrag. Es hat Spaß gemacht, ihr zuzuhören. In ihrem Buch ‚Kästchengeschichten‘ gibt sie eine Reihe von Geschichten des fast vergessenen Romantikers Johann Peter Hebel wieder und schreibt dazu ihre ernsten und humorvollen Kommentare.

Eine Geschichte Hebels erzählt von Gespenstern und Gaunern. Die Halunken sind gerade dabei, Falschgeld zu drucken. Als Tarnumhang vergraulen sie alle Besucher mit einem Gespenst, das angeblich nächtens herumspukt. Da kommt ihnen der Protagonist der Geschichte in die Quere. Er lässt sich nicht durch das Gespenst vertreiben. Da bleibt ihnen nichts anderes übrig, als ihn abzumurksen. Aber sie schließen mit ihm einen Deal. Alle überleben, werden reich und glücklich. Leider kommt dabei kein brauchbares Rezept für Falschgeld mit rüber. Es scheint weniger der Druck von Falschgeld, als das Prägen von Falschmünzen zu sein. Das reicht heutzutage nun wirklich nicht zum Reichwerden!

Plan B ist gescheitert, Plan C muss her! Aber die Käsebrötchen waren gut!