Schlagwörter

, ,

Domplatz - Dom und Severi-Kirche

Domplatz – Dom und Severi-Kirche

Wer über Erfurt spricht, nennt als allererstes den Dom, auch Mariendom genannt. Erste Vorläufer wurden bereits im 8. Jahrhundert errichtet. Der Dom ist wirklich sehenswert und beeindruckend. Seine Wirkung entfaltet sich erst so richtig durch das ganze Gebäudeensemble drum herum.

Der Dom thront zusammen mit der ebenfalls katholischen Severikirche oben auf dem Domberg. Da hinauf führt eine breite Treppe. Diese ist so beeindruckend, dass das Erfurter Theater dort vor der historischen Kirchenkulisse jedes Jahr die Domstufenfestspiele veranstaltet. Leider ist immer nur Oper angesagt. In diesem Jahr stand die Rockoper ‚Jedermann‘ auf dem Programm. Dabei würde diese Kulisse hervorragend für ein Shakespeare’sches Schauspiel geeignet sein. Aber das Erfurter Theater, vor allem sein etwas arroganter Intendant, steht total auf Oper. Bis vor ein paar Jahren gab es in Erfurt noch ein Schauspielhaus. Das Haus, inzwischen dem Verfall anheimfallend, gibt es immer noch. Es ist unter anderem Trainingsstätte für das SEK geworden. Das hat sicher auch etwas Schauspielerisches. Aber es ist eine Tragödie.

Dom

Dom

Zurück zum Dom. Vor dem Dom ist, wer hätte das gedacht, der Domplatz. Der ist schön groß und für Festivitäten aller Art bestens geeignet. Legendär ist der jährliche Weihnachtsmarkt. Aber Vorsicht! Der mindestens zwanzig Meter hohe Weihnachtsbaum ist vor ein paar Jahren mal umgekippt. Am besten, man geht mit Schutzhelm bummeln, lässt den Baum nicht aus den Augen und checkt ständig den nächsten Fluchtweg. Sehr schön fügen sich an den Seiten des Domplatzes die historischen Fachwerkfronten der Häuser in das Ensemble ein. Eher weltliche Macht strahlt das große Gerichtsgebäude auf der rechten Seite aus. So manches Sünderlein hat hier seinen Weg in die enge eisengardinenbewehrte Welt angetreten.

Über allem thront die Zitadelle Petersberg. Die ist groß und gewaltig anzuschauen. Hohe Mauern haben sie geschützt. Oben angekommen, wischt man sich den Schweiß von der Stirn. Die Festung ist nie gestürmt worden. Lange Zeit diente sie den Mainzern zur Demonstration ihrer Macht über die aufmüpfigen Erfurter. Die Zeiten haben sich geändert. Nun sind selbst die Mainzer nicht mehr sicher, ob sie per Bahn nach Erfurt reisen können. Hätten sie sich mal mit den Erfurtern besser gestellt. Vielleicht wäre im letzten Jahr mal ein Rangierer zur Hilfe nach Mainz gekommen?

Erfurt und der Dom, der Dom und Erfurt. Der Dom hat natürlich eine Glocke. Das ist nicht irgendeine Glocke. Das ist die Gloriosa, die größte freischwingende, mittelalterliche Glocke der Welt – also keine Kleinigkeit. Die Gloriosa wurde 1251 erstmals geweiht, das heutige Exemplar stammt aus dem Jahr 1497. Sie wiegt etwa 11,5 Tonnen, hat eine Höhe von 2,62 Metern und unten herum einen Durchmesser von 2,56 Metern. Ihr Klang ist der helle Wahnsinn. Und weil der so wahnsinnig klar, angenehm und weithin hörbar ist, wurde sie oft geläutet. Das mochte sie irgendwie nicht so richtig. Schließlich gab es in der Glocke erst einen Knacks, dann einen Riss. Das war 1984. Ein Jahr später wurde sie repariert. Nur einer, ein Glockengießer aus Nördlingen, konnte sie reparieren. Er hat es oben im Turm des Domes getan. Aber die Reparatur hat nicht lange gehalten. Das lag auch sicher an den Reparaturkosten. Westgeld war damals in Erfurt nicht so weit verbreitet, so dass man sich nur eine kleine Reparatur leisten konnte. Das mit dem Westgeld hat sich geändert. Die Glocke war zwischenzeitlich wieder gerissen und nun sollte sie richtig, das heißt mindestens für die nächsten tausend oder wenigstens fünfhundert Jahre instandgesetzt werden. Sie wurde ausgebaut, nach Nördlingen transportiert, dort fachmännisch repariert und zurück nach Erfurt gebracht. Durch ein großes Loch im Kirchturm wurde sie per Kran wieder eingesetzt. Wie der riesige Autokran auf den Domberg kam, ist mir heute noch schleierhaft. Da oben passt zwischen den Gebäuden eigentlich nur ein schmaler Trabbi durch, wie gesagt, ein schmaler Trabbi. Diese Aktion wurde von tausenden Erfurtern unter großem Luftanhalten und anschließendem Beifall verfolgt.

„Die Gloriosa ist wieder zu Hause!“

Domstufen

Domstufen

Nun bimmelt die Glocke wieder. Aber nicht sehr oft, genau acht Mal pro Jahr. Es gibt eine strenge Läuteordnung, die das regelt. Bisher wurde nur dreimal davon abgewichen. Einmal läutete sie zum 20. Jahrestag der Deutschen Einheit, dann, als Papst Benedikt 2011 in Erfurt zu Besuch war und zuletzt zum 10-jährigen Gedenken der Opfer des Amoklaufs im Erfurter Gutenberg-Gymnasium.

Dem Papst hat der Dom übrigens auch gut gefallen. Wie zu hören war, hat er im Priesterseminar gut genächtigt. Ein Hotelzimmer konnte er sich wohl nicht leisten. Oder waren alle Zimmer ausgebucht?

Die Gloriosa kann besichtigt werden. Da muss man aber mächtig viele Stufen hochkraxeln. Wenn sie läutet, sollte man sich nicht da oben aufhalten. Jedes Mal kommen viele Erfurter zum Domplatz um sie aus der Nähe zu hören. Ja, das ist wirklich beeindruckend!

Interessant ist auch diese Geschichte im Zusammenhang mit der Gloriosa. „Wenn die Gloriosa spricht, haben alle anderen Glocken zu schweigen.“ Praktisch sieht es so aus, dass die Gloriosa als erste beginnt zu läuten. Die anderen Kirchenglocken fallen mit ihrem Geläut zeitversetzt ein. Übrigens sagte Luther, der lange in Erfurt weilte, hier beinahe vom Blitz erschlagen wurde und deshalb ins Kloster eintrat, „Erfordia turrita“, was türmereiches Erfurt heißt. Damals gab es 25 Pfarrkirchen, 15 Klöster und Stifte sowie 10 Kapellen, die alle ihre Türme hoch in den Erfurter Himmel reckten. Heute gibt es in der Stadt etwa 50 Gotteshäuser, davon 18 aus dem Mittelalter. Aber alle stehen im Schatten des Doms.