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Blüte schwarz-rot-gold

Blüte schwarz-rot-gold

Kürzlich war ich im Frankfurter Palmengarten. Dort blühte für ganz kurze Zeit, etwa einen Tag lang, die Amorphophallus titanum. Wenn man die sieht, weiß man, dieser Name ist Programm! Sie wird auch Titanenwurz oder liebevoll Stinker genannt. Zu Hause ist diese größte Blume im Pflanzenreich in Südostasien.

Der Stinker verströmt einen wundervollen Duft. Der erinnert ein wenig an eine vollgeschissene Windel. Zum Glück hat sich der Gestank im Gewächshaus verteilt. Und man gewöhnt sich im Laufe der Zeit daran, nimmt den Duft nicht mehr wahr. Oder ist es die Freude am Anblick dieser wundervollen Riesenblüte, die alle Sinneszellen in der Nase betäubt?

Blüte am Tage

Blüte am Tage

Der Palmengarten hatte zu einer abendlichen Führung eingeladen. Das Aufblühen wurde von einer Mitarbeiterin des Palmengartens Tage vorher angekündigt. Jeden Tag kamen Nachrichten „Noch nicht, aber bestimmt morgen Abend!“. Bis es endlich am Mittwochmittag hieß „Der Titan beginnt, sich zu lockern, heute Abend ist er auf!“ Also hieß es, nichts wie hin!

Die Kumpeline entfaltet Blüte und Aroma erst am Abend und auch nur für kurze Zeit. Es war dunkel. Mit Taschenlampen bewaffnet, haben wir das Gewächshaus geentert. Und da stand sie, die Titanenwurz, in ihrer vollen Schönheit! Sie war eingerahmt von vielen wundervollen tropischen Pflanzen. Ein Gepiepe und Zwitschern lag in der Luft. Ein Gecko und kleine Frösche beobachteten uns.

Die Blüte der Titanenwurz ist riesig. Sie kann bei älteren Exemplaren bis zu 3 Meter groß werden (In Worten: Drei Meter!). Unsere war 1,80 m hoch, also noch ein Nümmerchen größer als ich. Ihr Durchmesser betrug 94 cm. Auch da kann ich nicht mithalten – zum Glück!

Die Titanenwurz ist somit ein echtes Wahnsinnsteil, sowohl hinsichtlich dieser ganz besondere Duftnote als auch ihrer Gestalt. Ich würde sagen, fürs Wohnzimmer ist sie nicht geeignet, eher fürs Gästezimmer oder als Geschenk für die ganz besonderen Freunde. Ich meine Besucher oder Freunde, die man eher wieder loshaben möchte. Allerdings – Wenn es Naturliebhaber sind, dann freuen sie sich über das Teil. Einen Tag Gestank in 7 oder 8 Jahren, das kann man doch aushalten.

Blüte blau

Blüte blau

In ihrem Innern entwickelt die Blüte eine Temperatur von über 30 °C. Die Hitze entsteht bei der Duftproduktion und soll den Geruch etwas verteilen. Wegen des extrem hohen Energiebedarfs fällt die Blüte nach einem Tag wieder in sich zusammen. Dank des Gestanks werden Aaskäfer angelockt, welche die Blüte, sie ist zweigeschlechtlich, bestäuben. Nach erfolgreicher Bestäubung bildet sie innerhalb eines dreiviertel Jahres Samen und die Pflanze geht ein. Anderenfalls kommt nach einer Ruhephase aus der Knolle ein Blatt heraus, hoch wie ein Einfamilienhaus. Und Jahre später versucht es die Titanenwurz noch einmal mit einer Blüte. Unter guten Bedingungen können die Knollen bis zu 70 kg schwer werden.

Neben der blühenden Titanenwurz stand ein zweites Exemplar mit solch einem Riesenblatt. Man meint, es wäre ein Baum. Nein, das ist wirklich nur ein einzelnes Blatt mit einem Stieldurchmesser von circa 15 cm und einer Höhe von, sagen wir mal, sieben Metern oder acht.

Alle Titanenwurze Deutschlands gehen auf ein Exemplar zurück, das vor Jahrzehnten nach Deutschland in den Frankfurter Palmengarten kam. Es ist dann gelungen, die Pflanze vegetativ zu verehren und alle bedeutenden botanischen Gärten des Landes zu versorgen. Heute tauscht man Pollen aus, um die Pflanzen zu vermehren. Das Frankfurter Exemplar wird nicht bestäubt. Es soll in späteren Jahren noch einmal, vielleicht noch imposanter, blühen. Es gibt heute genügend Exemplare in den Botanischen Gärten, sodass kein Bedarf an Samen besteht.

Die Botanischen Gärten liefern sich einen heimlichen Wettbewerb um die größte Blüte dieser Pflanze. Das letzte Exemplar der Titanenwurz im Frankfurter Palmengarten liegt im guten Mittelfeld.

Wie fühlt man sich nach solch einem Erlebnis? Es war wundervoll, diese Blüte zu sehen, unmittelbar neben ihr zu stehen, sie mit allen Sinnen zu erfassen. Diese eine Stunde im nächtlichen Gewächshaus war eine echte Kur für die Seele. So viel Kraft kommt von dieser wahnsinnig beeindruckenden Blüte! Man bekommt das Bild nicht wieder so schnell aus dem Kopf heraus.

Die Informationen in diesem Artikel stammen von Frau H. Steinecke, wissenschaftliche Mitarbeiterin des Palmengartens, die unsere Führung organisiert hatte. Vielen Dank auch für die Informationen im Vorfeld des Entfaltens der Blüte!

Die Titanenwurz wurde nachts mit einer starken LED-Taschenlampe angeleuchtet. Je nachdem, wie die Blüte angestrahlt wurde (von oben in den Blütenkelch hinein, von unten, …) erstrahlt die Blüte in ganz unterschiedlichen Farben. Die Fotos sind weitgehend unbearbeitet.