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Einmal in der Woche fahre ich von Hessen nach Thüringen. Und einmal geht von Thüringen nach Hessen. Aber es war auf der Fahrt von Hessen nach Thüringen. Es hätte natürlich auch auf der Fahrt von Thüringen nach Hessen passieren können. Aber der Zufall wollte, dass ich dies auf der Fahrt von Hessen nach Thüringen erlebt habe.

So ungefähr auf der Hanauer Landstraße im Osten von Frankfurt ging im Radio dieses elende Lamentieren los. Die Radioleute nennen es ‚Werbung‘. Ich kann mir aber wirklich nicht vorstellen, da sie mit diesem Blödsinn, echte Werbung betreiben. Es ist das Überflüssigste, was ein Radio zu bieten hat. Natürlich hätte ich auch auf den CD-Knopf drücken können und mir statt der unsäglichen Werbung ein paar Lieder von Stefan Gwildis, dessen Scheibe gerade drin lag, anhören können. Vielleicht hätte ich ihn bitten sollen, ‚Bonzo‘ in der 1000 kg-Version zu dem Radiosender zu schicken. Aber erstens gehört Bonzo seiner Braut. Wobei allerdings zu vermuten ist, dass aus den Beiden, genau wegen dieses Bonzos, nichts geworden ist. Und zweitens hätte ich Nachrichten, Wetterbericht und Verkehrsfunk verpasst. Also musste ich diesen Werbekram über mich ergehen lassen.

Genau in diesem Moment, während meiner Fahrt auf der Hanauer, ist es passiert. Die Fahrt auf der Hanauer dauert etwas länger, weil es dort zu jeder Tageszeit, egal ob Frühling, Sommer, Herbst oder Winter, immer sehr stauig zugeht. Gerne parken dort auch Paketdienste auf der rechten Spur. Die Folgen kennen Autofahrer und Paketempfänger. Autofahrer wünschen sich eine Kalaschnikow. Die Paketempfänger sind gerade außer Haus, weil sie sich ihre Brötchen verdienen müssen. Statt die Sendungen gleich bei der nächsten Paketstation zu hinterlegen, wird im Fünfminutentakt ein Stau erzeugt.

Die Gefahr, genau hier in die Werbefalle zu geraten, ist somit besonders groß. Warum hat man diese blöde Straße auch ‚Hanauer Landstraße‘ genannt? So schön ist Hanau ja nun wirklich nicht. Die Stadtplaner haben dort gerne diese quadratisch, praktisch, guten Schokiteilchen gefuttert. Entsprechend sieht die Stadt auch aus. Okay, es gibt auch nette Stadtteile. Ich habe mal im Ortsteil Kesselstadt, gleich neben dem Schloss Philippsruhe, gewohnt. Das war erträglich. Und wie eine Landstraße sieht die Hanauer ja nun wirklich nicht aus! Warum also dieser Name?

Es war ein Möbelhaus der Region. Es ist mir wegen seiner penetranten Werbung schon mehrfach sehr negativ aufgefallen. Ich versichere an dieser Stelle, dass ich mir in diesem Möbelhaus niemals ein Möbelstück kaufen werde – Drei Ausrufezeichen!!! Die können sich ihre alberne Werbung in meinem Radio also einfach sparen. Stattdessen sollten sie beispielsweise Stefan Gwildis ‚Bonzo‘ trällern oder bellen lassen.

Die Werbung ging in etwa so:

Ansager sagt: „Marktforschungen haben ergeben, dass Möbelwerbung am besten ankommt, wenn sie von einer Frau gesprochen wird, die auf beiden Pobacken ‚Butterbrot‘ tätowiert hat. Hier kommt die Werbung:“

Frau mit tätowiertem Hinterteil sagt: „Die Möbel des Möbelhauses ‚Gefräßiger Holzwurm‘ sind besonders schön. Die Stühle sind klein, die Preise groß. Es ist für Jeden etwas dabei. Zugreifen lohnt sich also!“

Es gibt durchaus auch nette, lustige, erstaunliche Werbung. Oft ist Werbung leider ziemlich blöd. Aber dass es noch Steigerungen für schlecht gemachte Werbung gibt, verblüfft immer wieder. Wahrscheinlich sind die Werbestrategen dieses Möbelhauses auch noch sehr stolz auf ihr Machwerk! Bestimmt denken sie, dass es ein genialer Einfall war, im Radio auf den tätowierten, bebutterten Frauenhintern hinzuweisen! Ich gehe jede Wette ein, dass die Sprecherin kein Tattoo auf dem Hinterteil hat, zumindest kein Butterbrot. Das muss sie mir erst einmal ganz persönlich beweisen! Wenn sie die Butterbrote noch lecker belegt, … Nein, ich bleibe dabei, in diesem Möbelladen kaufe ich nichts!

Mit Frauen, vorzugsweise leicht- oder unbekleideten, wird ja gerne geworben. Selten kommen Weisheit ausstrahlende Models zum Einsatz. Schönheit geht vor Intelligenz. Ich kann mich an keinen andersgearteten Fall erinnern. Diesbezüglich bin ich allerdings kein Maßstab, da ich in Werbepausen gerne aufs Klo wetze oder die Sender nach besseren Angeboten durchzappe. Ich wundere mich, dass die Frauen noch nicht protestierend auf die Straße gerannt sind. Warum lassen die sich das eigentlich gefallen? Sie könnten eine Quotenregelung fordern. Für jede dümmlich dreinschauende Lady muss ein dusseliger Kerl auftreten. Jeder zehn Sekunden lang gezeigte Frauenpopo erfordert zum Ausgleich zwei fünfsekündige Männerärsche. Oder drei Hundertstelsekunden Till Schweigers Hintern aus dem Tatort, natürlich verpixelt, wegen des Umweltschutzes!

Ich habe im Selbstversuch eine eigene, repräsentative Marktforschung durchgeführt. Ich wollte doch mal wissen, wie man sich fühlt, wenn man Artikel in meinen Blog liest. Das Ergebnis ist, obwohl die Marktforschung noch nicht abgeschlossen ist, eindeutig und völlig überraschend:

Das Lesen meiner Artikel hier im Blog macht viel Spaß, wenn man kein beidseitiges Tattoo mit ‚Butterbrot‘ auf den Pobacken hat. Ein geschlechtsspezifischer Unterschied konnte nicht festgestellt werden.

Wow! Wer hätte das gedacht? Zum Abschluss meiner wissenschaftlichen Untersuchungen brauche ich jetzt noch ein paar Testpersonen. Sie sollten Butterbrote wahlweise auf der linken, rechten oder beiden Pobacken haben. Dabei spielt es keine Rolle, ob die Butterbrote als Schriftzug oder Bild aufgebracht sind. Aber Butter muss es sein! Margarine würde das Forschungsergebnis unbrauchbar machen. Bewerbungen mit Butterbrotfoto sind an mich zu richten. Ich sichere zu, dass die Persönlichkeitsrechte der Butterbrote nebst der gewölbten Plakatwand eingehalten werden. Fotografische Veröffentlichungen erfolgen ausschließlich zu wissenschaftlichen Forschungszwecken.

Die Aufgabe den Butterbrotträgerinnen und –träger ist das Lesen meiner Artikel. Ich untersuche dann das Verhalten der Butterbrote. Kommt es bei bestimmten Textpassagen oder bei speziellen Bildern zu Zuckungen? Schmilzt eventuell die Butter aufgrund ungewöhnlicher Hitzewallungen und läuft die Butter vom Brot herunter? Wölbt sich das Brot oder die Plakatwand unter dem Einfluss meiner Texte in irgendeiner Weise? Wird eventuell die Butter ranzig und verbreitet einen unangenehmen Duft? Ähnliche Erscheinungen wurden in einer früheren Studie bereits einmal untersucht. Deshalb sind entsprechende Reaktionen beim Lesen in meinem Blog für die Wissenschaft außerordentlich interessant und wertvoll. Ich liebäugele bereits mit dem Nobelpreis für Düfte.

In der nächsten Woche fahre ich wieder die Hanauer entlang. Ich bin gespannt, welche doofe Werbung mich erwartet. Oder kommt zur Abwechslung mal ein netter Werbespot?

 

N.B.: Der Frauenhintern-Butterbrot-Tattoo-Werbespot hat natürlich seine vorgesehene Wirkung erreicht. Klar, die wollten doch, dass man ihn wahrnimmt, dass man drüber spricht. Dass er sich in den Köpfen der potenziellen Kunden festhakt. Genau das haben sie erreicht!

Es kommt nicht darauf an, gute Werbung zu machen. Hauptsache, sie wirkt. Bekannt ist auch dieser Spruch:

„Bad news are good news!”

Was passiert, wenn beispielsweise so ein Sternchen auf die Nase fällt und sich die bunten Wimpern oder Fingernägelchen verbeult? Oder wenn einem Prinzen ein Zacken von seiner Krone abfällt? Die Boulevardblätter berichten prompt, egal ob richtig oder falsch. Dann steigt sein Marktwert plötzlich ins Unermessliche. Man denke nur an diese schreckliche Verona P., die von ihrem Alten mal kräftig eine gelatscht bekam und sich gleich wieder medienwirksam scheiden ließ. Letzteres war durchaus verständlich. Später bekam sie einen Werbevertrag für Sahnequarkspinatimitat und ist reich geworden. Dieser Quark hat die Langzeitwirkungen der prügelbedingten Gesichtsbeulen deutlich gesteigert, wenigstens die finanziellen Auswirkungen. Dagegen sind meine Bemühungen, reich zu werden, schon in den Startlöchern elendig verreckt. Irgendetwas mache ich falsch.