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Plastik von Paul Wunderlich

Plastik von Paul Wunderlich

Ohne ein Wappen geht es einfach nicht. Der Name ist Schall und Rauch. Man muss ein Zeichen setzen. Eines, das man nicht vergisst. Dann noch einen klugen Slogan dazu erdacht und das Marketingpaket ist fertig geschnürt.

Wappen von Eberswalde

Wappen von Eberswalde

Die Marketingabteilung in Rathaus von Eberswalde ist zweigespalten. Die eine Hälfte favorisiert zwei Eber, die um eine Eiche herumspringen und sich um ein paar Eicheln keilen. Die andere Hälfte ist friedfertiger, findet Streit doof und Eber sowieso. Wer möchte schon solch einem wilden Tier im Eichenwald begegnen! Und in einer Stadt haben die sowieso nichts zu suchen! Höchstens auf dem Teller als Wildschweinragout. Die Eiche gilt als urdeutsches Nationalsymbol. Solch ein Symbol im Zeitalter der Globalisierung geht natürlich überhaupt nicht. Da muss etwas Modernes, etwas Großes, Kräftiges, Internationales, etwas Aufmerksamkeitsheischendes her! Also haben sie sich für den Löwen entschieden. Das ist ihnen nicht schwer gefallen. In Eberswalde gibt es genügend Löwen. Nein! Man muss jetzt nicht die Beine in die Hand nehmen und auf die nächstgelegene Eiche klettern. Freilebende Löwen sind hierzulande eher selten. Die meisten dieser Spezies, die sich in Eberswalde tummeln, sind metallener Natur. Lediglich ein paar dieser Vierbeiner tummeln sich im Tierpark Eberswalde. Bei meinem letzten Besuch hatten sie sich feige in die allerletzte Ecke verkrümelt, sodass ich hier kein Bild von ihnen zeigen kann.

Löwenapotheke

Löwenapotheke

Welche dieser zwei Gruppen aus der Marketingabteilung gewinnt den Wettbewerb? Ich glaube, es steht unentschieden. Die Eber werden im Wappen nach wie vor verwendet. Aber die Löwen sind echt in der Überzahl. Alleine der goldene Löwe der Löwenapotheke ist schon sein Geld wert. Genau gegenüber steht der

Löwenbrunnen

Löwenbrunnen

Löwenbrunnen. Da floss sogar Bier, wenn die Eberswalder Studenten gefeiert haben. Gerne verwenden einheimische Händler den Löwen als Symbol ihrer Tätigkeit. Wenn man durch die altehrwürdigen

Löwe

Löwe

Straßen der Stadt schlendert, stolpert man nicht nur andauernd über Kopfsteinpflaster, ewige Baustellen und seine eigenen Füße, da löwt einem vielleicht sogar das Exemplar einer Löwenstatue über den Weg.

Ob der Herr Löw der Stadt Eberswalde schon einmal einen Besuch abgestattet hat, ist nicht überliefert. Wenn er gerade keinen Führerschein hat, könnte er gerne auch per Jet oder Eisenbahn kommen. Gerne kann er auch den WM-Pokal mitbringen!

Apropos Studenten: Die haben in Eberswalde so einiges angestellt. Es gab lange Zeit eine Forstakademie, die Waldschrats, auch Förster genannt, ausgebildet hat. Dann wurde es mit den Gesellen zu bunt und man hat sie nach Tharandt im tiefsten Sachsen ausgelagert. Erst nach der Wende zogen sie wieder in Eberswalde ein. Heute heißt die Uni „Hochschule für nachhaltige Entwicklung Eberswalde (FH)“. Na ja, einen etwas schöneren Namen hätten sich die Damen und Herren Professoren wirklich ausdenken können!

Die vorwendischen Studenten haben der Stadt so manchen Streich gespielt.

Amazone

Amazone

Der Löwenbrunnen musste mehrfach von bunter Ölfarbe gereinigt werden. Die Studenten fanden sein schwarz einfach zu schwarz. Wahrscheinlich hat er zu viel in der Schwärze gebadet. Auch die Lanze werfende Amazone erregte ihr Mitleid. Das Mädel fror mangels warmer Kleidung häufig. Da haben sie ihr mal fix Unterwäsche angemalt und schon waren die Frostbeulen nur noch halb so schlimm.

Eines sonnigen DDR-Sommertages prangte mitten in der Stadt ein großes auffälliges Spruchband:

„Der Weihnachtsmann grüßt mit 158 Tagen Planvorsprung!“

Na, wenn das kein Wink mit dem Zaunpfahl war! Wie die Behörden reagiert haben, ist nicht mehr bekannt. Echte Begeisterung haben sie ganz sicher nicht zur Schau gestellt.

Einen Slogan gibt es für die Stadt auch. Er lautet ‚Natürlich Eberswalde – Lebendige Vielfalt zwischen Tradition und Moderne‘. Um sich den zu merken, braucht es seine Zeit. Trotzdem haben wir noch einmal Glück gehabt, dass sich Eberswalde nicht solch einen verrückten Spruch, wie das Land Sachsen-Anhalt (‚Land der Frühaufsteher‘) ausgedacht hat.

Bedeutende Menschen stammen aus Eberswalde oder haben dort gewirkt. Einer schreibt gerade diesen Text. Die Älteren erinnern sich vielleicht an Bärbel Wachholz oder Dagmar Frederic. Den Jüngeren sei gesagt, die haben gerne mal etwas geträllert. Bärbel war die Anastasia der 50er und Daggi die Amsel des Ostens. Dann muss man unbedingt den Medizin-Nobelpreisträger Werner Forßmann erwähnen. Ja, ein Nobelpreisträger hat in der Stadt gewirkt, in der ich den ersten Schrei von mir gab! Im Selbstversuch hat er den Herzkatheter erfunden. Und Paul Wunderlich, ein Grafiker, Maler und Bildhauer, der sich der Stilrichtung des Phantastischen Realismus verschrieben hatte, stammt aus Eberswalde. Da braucht man sich über nichts mehr zu wundern! Das ist mindestens ein ganz berühmter Künstler. Den kennt man garantiert, wenn man öfter mal in dieser Weltstadt war.

OBus in Eberswalde

OBus in Eberswalde

Eine Besonderheit von Eberswalde ist der Oberleitungsbus, auch OBus, Hörner- oder Strippenbus genannt. Heute verkehren moderne Gelenkbusse durch die Stadt. Als Schuljunge bin ich täglich mit dem OBus zur Schule gefahren. Anfangs saßen noch Kassiererinnen an der hinteren Tür. In Spitzenzeiten hing ein Anhänger hinten dran. Der hat vielleicht geschaukelt! Das war genau das Richtige für uns Kinder. Als die Schaffner abgeschaffnert wurden, gab es Boxen mit einem Hebel. Oben kamen der Schnipsel oder das Kleingeld (15 Pfennig

OBus in seiner vollen Schönheit

OBus in seiner vollen Schönheit

für Erwachsene pro Fahrt) hinein. Dann wurde gehebelt und ein Fahrschein mit einer Kontrollnummer kam heraus. Der wurde dann einfach so abgerissen. Nach viermal Hebeln fielen das Fahrgeld und die Fahrtschnipsel in einen Vorratsbehälter und waren nimmermehr gesehen. Wenn man zu viert war, das waren wir Schüler oft, wurde gleich viermal gehebelt und vier Fahrscheine kamen heraus. Dann war nicht mehr zu sehen, ob Schnipsel oder Geld hinein geworfen wurden. Das war recht praktisch. So etwas habe ich natürlich niemals getan!