Schlagwörter

, , ,

Neulich wäre ich beinahe an der Autobahnabfahrt zu meiner Heimatstadt vorbeigedüst. Eine sanfte Vollbremsung hat mich gerettet. Manchmal kommt eine Abfahrt überraschend schnell. Normalerweise dauert es immer ein ganzes Weilchen, bis ich hier ankomme. Ist die Autobahn manchmal kürzer? Zieht sie sich bei Kälte zusammen? Das haben wir doch damals im Physikunterricht gelernt. Ich war allerdings an einem recht warmen Tag unterwegs. Da verstehe die Welt wer will und kann. Bestimmt dreht die NSA auch noch an den Naturgesetzen.

Lisbeth, die Tochter von Tom und Tom, hat mich auch schon mächtig in die Irre geleitet. Einmal war ich in der hessischen Rhön unterwegs. Die Straßen wurden immer schmaler. Asphalt ging in Schotter über. Dann kam, hinter einem großen Bauernhof, es roch verdächtig, ein grob geschotterter Parkplatz. Dahinter in Fahrtrichtung lag eine ziemlich abschüssige Wiese, eine ohne irgendeinen Weg. Parkplatz und Wiese waren durch einen Draht getrennt und ein paar Kühe schauten mich ein wenig deppert an. Ich möchte nicht wissen, wie ich geschaut habe! Und da sollte ich langfahren! Ich weiß nicht mehr, wie ich aus dieser Wildnis herausgefunden habe. Jedenfalls war ich auf Lisbeth mächtig sauer.

Ein beliebtes Straßenstück ist die Zufahrt zur Main-Fähre in Rumpenheim zwischen Hanau und Frankfurt. Die Navis erkennen eine durchgehende Straße. Vor einiger Zeit sind zwei Jugendliche dort lang gekommen. Er hat, wegen der süßen Schnecke auf dem Beifahrersitz, eine mit eingebautem Superairbag, den Straßenverlauf nur aus den Augenwinkeln beobachtet. Das kann man verstehen. Solche Airbags müssen vom Fachmann unter ständiger Beobachtung gehalten werden. Plötzlich ging es abwärts, direkt in die Fluten des Flusses hinein. Ob die Airbags ausgelöst haben, weiß ich nicht. Er hatte gute Reflexe, sowohl, was seine Begleiterin betraf, als auch das Bremsen. Es war ein echt feuchter Kuss. Es wurde leider nicht überliefert, wie sie dieses Knutschen empfunden hat. Vielleicht war sie ja eine reinrassige Nassknutscherin, von denen vor längerem in diesem Blog berichtet wurde. Oder war er etwa einer dieser furchtbaren Sabberknutscher? Sie haben es überlebt, relativ unbeschadet. Auch das Auto wurde geborgen. Ob ihre Beziehung diese Bewährungsprobe überstanden hat?

Wer sicher gehen möchte, sein Ziel zu erreichen, sollte vielleicht das Verkehrsmittel wechseln. Bei Flussschiffen kann man davon ausgehen, dass sie in der Regel keine Probleme bekommen, wenn es unten herum mal feucht ist, beim Schiff. Und da das Verkehrsnetz übersichtlicher ist, besteht weniger Gefahr, sich zu verfahren. Allerdings kommt man mit einem Dampfer weder in die Rhön, noch in den Thüringer Wald. Und das ist sehr schade!

Bleibt noch die Bahn. Der Mainzer Hauptbahnhof ist zum Glück wieder befahrbar. Bezüglich Streiks der Lokführer sollte man vorher sämtliche denkbaren Informationsquellen kontaktieren. Die sommerlichen Hitzewellen sind vorüber und Schneeflocken wurden in unseren Breiten in diesem Herbst noch nicht beobachtet. Die Klimaanlagen laufen gemütlich volle Pulle im Standgas. Also müssten die ICEs problemlos ihre Kreise ziehen können – meint man. Aber da hat man die Rechnung ohne die Bahn AG gemacht!

Es gibt Dinge, die gibt es nicht, die kann es nicht geben, die darf es nicht geben! Und doch passiert es offensichtlich immer wieder. Ich meine hiermit nicht die obligatorische Verspätung des ICE 0-8-15 auf der Strecke von hier nach da über dort. Ich meine auch nicht den nächsten, längst fälligen Streik der Lokführer. Oder streiken vielleicht auch mal die unterbezahlten Schrankenwärter, Weichensteller oder Mitropaköche?

ICEs können sich verfahren! Sie biegen einfach ab, wo es geradeaus gehen sollte oder umgekehrt. Und schwuppdiwupp fahren sie als Geisterzug durch die Landschaft. Der Normalbürger sagt sich, dass so etwas ja mal vorkommen kann. An den Eisenbahnstrecken stehen schließlich keine Wegweiser und da kann der Lokführer schon einmal die Übersicht verlieren und versehentlich den Blinker betätigen, wo dies nicht erforderlich ist. Nein, so einfach ist es nicht! Die Strecke wird schließlich vollautomatisch, elektronisch, pünktlich und planmäßig an zentraler Stelle gesteuert. Nein, die NSA hat anderes zu tun, für die Weichenstellungen ist die DB verantwortlich. Selbst klemmende Weichen, also wenn sie mal etwas zu hart eingestellt oder defekt sind, werden automatisch an die Zentrale gemeldet.

Kürzlich hat sich mal wieder ein ICE verfahren. Der Lockführer hat es bemerkt, aber da war es zu spät. Statt von Frankfurt auf die Strecke nach Köln abzubiegen, ist er in Richtung Mannheim geschwenkt. Da hatten sie den Salat. Da gibt es nur eins, nämlich scharf bremsen. Das hat der Zugführer auch getan. Darf ein Zug überhaupt auf freier Strecke wenden? Kann er überhaupt wenden? Ein ICE kann das. Das ist schließlich ein Superteil, da hat Siemens seine Hände mit im Spiel. Da ist alles redundant eingebaut. Die Klimaanlage hat zwei Sollbruchstellen, eine kühlt bei Kälte, die andere powert bei Hitze. Und es gibt zwei Loks, je eine vorn und hinten. Der Lokführer braucht nur umzusteigen und schon rollt der Zug rückwärts. Gibt es beim ICE eigentlich vorn und hinten? Na klar, gibt es das. Da wo er hinfährt, ist immer vorn, die andere Seite ist hinten. Vorn ist das Licht, wurde schon weit vor ’89 gesungen. Das war die Gruppe Renft. Ich erwähne es an dieser Stelle nur der Fans wegen.

Weiter ging es mit dem ICE in Richtung Dortmund. Da hat sich die alte chinesische Bauernregel bewahrheitet: „Eine Panne kommt selten allein.“ Der ICE braust mit überhöhter Geschwindigkeit an Siegburg/Bonn vorbei. Das war ursprünglich anders geplant.

„Wie Sie gemerkt haben, sind wir an Siegburg/Bonn vorbeigefahren“, meldete der diensthabende Schaffner den Passagieren. Die Fahrgäste nahmen es mit Humor. Der Schaffner wurde nicht gelyncht. Das war gut, denn bekanntlich hat die Bahn einen Mitarbeitermangel. Der Schaffner hat sich vor Schreck nicht einmal geärgert, Schaffner genannt worden zu sein. Schließlich ist er der Zugbegleiter. Das ist eine viel bedeutendere Position!

Dass der ICE eine ordentliche Verspätung hatte, braucht nicht erwähnt zu werden. Wegen der außerplanmäßigen Comedy-Einlage gibt es für die Fahrgäste statt einer Entschädigung die Rechnung für ein Veranstaltungsticket, inkl. Abendkassenzuschlag.