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Neulich habe ich plötzlich festgestellt, dass sich die zwei Protagonisten in einer Geschichte gleich zweimal kurz hintereinander kennenlernen.
„Upps!“, habe ich gedacht, „Das ist ja peinlich. Wenn das jemand mitbekommt, dann bin ich gleich als ‚Depp des Tages‘ abgestempelt!“ Aber es hatte, trotz zweier Lesungen, noch niemand gemerkt. Glück gehabt!

Wann ich diese Geschichte veröffentliche, wurde gefragt. Das weiß ich nicht. Hier im Blog ist diesbezüglich bisher nichts geplant. Noch ist sie nicht fertig. Es gibt da noch so ein paar Ideen.

Ich verrate trotzdem einfach mal ein paar Einzelheiten:

Robert und Isabell haben sich ganz furchtbar gestritten. Es ging eigentlich um nichts, zumindest um nichts, was auch nur den Hauch von Bedeutung besitzt. Isabell ist türknallend weggelaufen. Und nun grübelt Robert schon tagelang. Um den Kopf freizubekommen, macht er sich nach der Arbeit auf den Weg. Frankfurt liegt ja an einem wunderbaren Fluss, an dem man herrlich entlanglaufen kann. Er macht einen kleinen Abstecher zur LIEBE, die ihm etwas zu schief dasteht und ziemlich rostig ist. Ständig gehen ihm tausend Gedanken durch den Kopf. Ist seine Liebe noch zu retten? Ist sie auch verrostet? Etwas neidisch ist er, als er ein knutschendes Paar sieht und macht aus ihnen ein Kunstwerk, das er direkt vor diese LIEBE stellt. Am Osthafen kommt er in ein starkes Gewitter, findet nichts zum Unterstellen. Er leidet wegen Isabell, seiner Liebe und weil ihn dieser Regenguss total erwischt hat. Ach herrjemine, der arme Mann! Niemand bedauert ihn. Schließlich kommt er klatschnass zu Hause an. Schlauer geworden ist er durch seinen Marsch allerdings nicht. Genau das Gegenteil ist der Fall. Viele neue Fragen sind aufgetaucht. Und dann diese Sache mit Natalie. Isabell hat davon nichts mitbekomme, aber ihn belastet der Gedanke daran plötzlich. Hoffentlich hat er sich keine Erkältung eingefangen!

Was aus den Dreien, aus Robert und seiner Isabell und ihrer Liebe wird, ist bisher nicht überliefert worden.

Die Strecke, die Robert gegangen ist, bin auch ich schon mehrfach gelaufen oder mit dem Rad abgefahren. Immer hatte ich mein Manuskript mit und habe Ergänzungen und Korrekturen eingetragen. Es ist einfach unglaublich, wie selbst gut bekannte Örtlichkeiten völlig falsch beschrieben werden können – und das ausgerechnet von mir!

Vorgestern bin ich Roberts Weg noch einmal mit dem Fahrrad entlang gefahren, einfach so aus Spaß. Per App auf meinem Handy habe ich die Strecke mitgetrackt. Unten sieht man, wo Robert entlang gelaufen ist, wo ich vorgestern mit meinem Bike geradelt bin.

Der steile Schniepel, der nach Norden weggeht, ist mein Ausflug zur LIEBE. NEIN, nicht zu einer heimlichen Freundin! Die LIEBE ist eine rostige Installation vom Lela (C. Heier), einer befreundeten Frankfurter Künstlerin. Lelas LIEBE und die Lesung von Frankfurter Liebesgeschichten, die sie im Sommer an ihrer LIEBE organisiert hatte, waren Anlass für das Schreiben meiner Geschichte, deren Strecke ich abgefahren bin. Die kleine Schleife, ganz im Osten ist ein Kreisverkehr, den ich kühn und keck zweimal umrundet habe. Dort musste Robert ganz gewaltig leiden. Die beiden Ehrenrunden habe ich ihm gewidmet. Einmal musste ich von Roberts Strecke abweichen. Da war plötzlich eine Baustelle. Bei Robert ist die Baustelle woanders, aber nach dem Unwetter kommt Robert da trotzdem mal durch. Der Sturm hatte die Absperrungen einfach weggeweht.

Insgesamt war ich knapp zehn Kilometer unterwegs und habe gut eine Dreiviertelstunde benötigt. Bei Robert waren es schätzungsweise drei Stunden. Er ist ja auch zu Fuß gegangen und hat andauernd gegrübelt. Das ergibt bei mir eine mittlere Wahnsinnsgeschwindigkeit gut 12 km/h. Multipliziert mit meinem Alter, geteilt durch die Lebensjahre meines Drahtesels ist das fast Licht-, wenigstens halbe Schallgeschwindigkeit. In Anbetracht der herbstlichen Temperaturen, der vielen Geisterradfahrer und mehrerer schlecht beleuchteter Jogger ergibt das im Endeffekt knapp die doppelte Lichtgeschwindigkeit. Außerdem muss man berücksichtigen, dass ich im Dunkeln, mitten in der Rushhour unterwegs war. Da ist selbst Licht nicht so schnell. Wahrscheinlich war das Licht schon ein paar Jahrzehnte alt. Ich bin ja auch nicht mehr ganz taufrisch. Meine Höchstgeschwindigkeit betrug 26 km/h, gerade noch zulässig innerhalb von Ortschaften. Die Höhendifferenz darf man nicht ernst nehmen. Mehr als 15 – 20 m höher als die Fluten des Mains bin ich bestimmt nie gewesen. Tiefer sowieso nicht. Außerdem fahre ich ungern bergauf. Aber wir zweifeln natürlich nicht an dem, was mein Handy gemessen hat.

Einen tödlichen Verkehrsunfall habe ich knallhart überlebt. Eine farbenblinde Smartfahrerin war von der LIEBE offensichtlich so beeindruckt, dass sie mich partout umfahren wollte. Natürlich habe ich ihr das nicht erlaubt. Ob sie sich deswegen so aufgeregt hat, dass sie einen Herzkasper bekommen hat? Ich weiß es nicht. Sie hat jedenfalls etwas verdattert geguckt. Aber in meine Geschichte kommt sie trotzdem nicht rein! In meinen Geschichten gibt es keine Autos aus dem Ü-Ei!

Zwischendurch bin ich ein Stück geschwommen. Man sieht es auf der Karte. Das ist mir an dieser Stelle am Main schon mehrmals passiert. Vielleicht ist da eine Gravitationsanomalie verbuddelt, die das GPS durcheinanderbringt? Ich weiß es nicht. Diesmal war es zum Glück nur ein kleines Stück. Einmal war ich bis zur Flussmitte unterwegs und bin dann wieder an Land getaucht. Verrückt dieses GPS!

Zwei oder drei Weihnachtsbraten hätte ich erwischen können. Zwei Gänse haben gerade noch den Abflug geschafft, als ich angesaust kam. Und hätte ich mich hinterher geworfen, so wie dazumal dieser Oliver K., dann hätte ich ein mickriges Zwergkarnickel erwischt. Das tat mir leid, weil es so verhungert geschaut hat. Außerdem gibt es ja noch den Tierschutz. Neulich hatte ich mal einen Zwergpinscher an der Angel. Vielleicht war es auch ein dicker Hamster. Jedenfalls zog der eine größere Dame mit Stöckelschuhen an einer langen Leine hinter sich her. Als ich im Dunkeln nichts ahnend zwischen Beiden hindurchfuhr, muss es einen mächtigen Ruck in der Leine gegeben haben. Frau und Hamster haben mir hinterher gejault. Ich habe das Debakel erst hundert Meter später aufgelöst. Ich glaube, ich hätte mächtig auf die Nase fliegen können. Ich bin nicht nur für Tier- sondern auch für Radlerschutz. Nehmt die Frauchens an die kurze Leine!

Ein Teil dieser Strecke ist auch der Schauplatz einer ganz anderen Geschichte. Damals bin ich einer wilden Joggerin einfach davongeradelt. Die kannte noch nicht einmal die elementarsten Verkehrsregeln. Jedes Kleinkind bekommt die schon in der Kita gelehrt, bevor es von den Pampers entwöhnt wird!

 

N.B.: Diese Radtour ist mein Beitrag zu einem sportlichen Vergleich mit unserer Bloggerkollegin ohneeinander, die mit ihrer Fabulierlust im Internet unterwegs ist, jetzt leider erkältet das Bett hütet. Gute Besserung!