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Eisige Stele

Eisige Stele

Ich bin ein ganz lieber, braver Junge! Das muss mal gesagt werden. Sogar dem Weihnachtsmann ist dies bekannt. Schenkte er mir doch schon gestern etwas ganz Besonderes, etwas, das ich mir seit Jahren wünsche. Na ja, geschenkt bekam ich es nicht, musste es selbst bezahlen. Und noch halte ich es nicht in den Händen, nur ein Blatt Papier, auf dem dieses wundervolle Ereignis vermerkt ist. Und auch zum Weihnachtsfest habe ich es noch nicht. Ein wenig Geduld ist erforderlich.

Es ist eine Reise in den Winter, eine Reise ins Reich der langsam erwachenden Dunkelheit, eine Reise ins Land der Wesen der Unterwelt. Trolle, ganz viele Trolle wohnen dort. Und andere Wesen, deren Namen man nicht erwähnen darf, ohne sie zu erzürnen. Es ist das Land des Feuers und des Eises, der Dunkelheit und des Lichts. Es ist ein wundervolles Land. Seit Jahren träume ich davon, es im Winter zu besuchen. Und am 15. Februar 2015 ist es soweit. Da startet mein Flieger und bringt mich nach – Trari-Trara und Trommelwirbel – er bringt mich nach Island!

Ich werde Reykjavík besuchen, auf die Halbinsel Snæfellsnes fahren, auf dem Breidafjördur herumschippern und dabei zu den Westfjorden hinüberblicken. Dort wohnen im Sommer meine Freunde, die Puffins. Bei Reykholt statte ich Snorry Sturluson, dem größten Dichter und Politiker des mittelalterlichen Islands meinen Besuch ab. Auf die winterlichen Wasserfälle (Hraunfossar, Gullfoss, Seljalandsfoss, Skógafoss) freue ich mich besonders. Ich habe schon viele Bilder davon gesehen und möchte sie nun endlich mal life und in Farbe erleben. Na gut, die sommerlichen Farbenpracht werden sie im Winter eher nicht versprühen. Aber die kenne ich von meinen beiden früheren Islandreisen bereits. Natürlich steht auch Spucki, der Geysir Strokkur auf dem Programm. Vielleicht verzögert ja auch der Eyjafjallajökull meine Heimreise. Allerdings ist der im Moment eingepennt. Dafür sorgt der Bárðarbunga zur Zeit für etwas Action. Die Gletscherlagune Jökulsárlón ist im Winter bestimmt auch interessant. Aber darauf herumkutschieren werde ich wohl nicht, das kenne ich aus dem Sommer. Mich reizt der schwarze Strand am Atlantik, dort wo, der Zu- und Abfluss der Lagune in den Atlantik mündet. Und natürlich werde ich wieder von dem tausend Jahre alten Gletschereis kosten. Das muss einfach sein. Es schmeckt – nach gar nichts! Aber das Gefühl, solch altes Eis zu lutschen, ist einfach wunderbar! Baden in der Blauen Lagune (auf das Porträtbild von mir bin ich jetzt schon gespannt!) und Hákarl futtern stehen auch auf dem Programm – lecker, oder etwa nicht? Das sind einige der Highlights meiner Reise.

Und nun müssen wir alle ganz lieb sein, immer unseren Teller leer essen, damit in der zweiten Februarhälfte auf Island schönes Wetter ist. Meinetwegen kann es kalt sein, meinetwegen kann es schneien, stürmen. Auf Island ist ja immer Wetter, vor allem sehr viel. Man sagt,

„Wenn dir auf Island das Wetter nicht gefällt, warte fünf Minuten!“.

Ich brauche vor allem am Abend klaren Himmel. Ich möchte die Polarlichter sehen. Da muss Petrus mitspielen und den Himmel freipusten. Da muss die Sonne sehr aktiv sein und ihre Sonnenwinde schicken. Dann gibt es das große Leuchten, am Himmel und in meinen Augen.