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Heute geht es um durstige Pferde, Dixiklos auf der Autobahn, Bandscheiben, „Hose runter“, eine versehentlich gelöste Handbremse und Breaking News auf der Autobahn!

Es ist inzwischen ein paar Jährchen her. Ich erinnere mich immer noch gerne daran. Doch als ich damals in diesem Stau stand, war viel Wut in mir.

So geht die Geschichte weiter:

Das Wetter ist schön, es ist ein herrlicher Spätsommertag. Man steht gemütlich in Grüppchen beieinander und plaudert. Was soll man sonst tun? Der Verkehr in der Gegenrichtung braust völlig unbeeindruckt an uns vorbei. Nicht einmal unsere neidischen Blicke werden von diesen verrückten Rasern wahrgenommen! Etwa halbstündlich wird gemeinsam den Verkehrsnachrichten gelauscht.

„A7 – zwischen Bad Berneck und Marktschorgast – Vollsperrung wegen eines LKW-Unfalls. PKW-Fahrer werden gebeten in Bad Berneck abzufahren und die U777 zu benutzen! …“.

Die Beifahrerin des Pferdetransporters macht sich mit einem Gummieimer in der Hand auf den Weg ins nächste Dorf, das weit hinter dem großen Feld zu sehen ist. Auch Pferde haben Durst. Ab und zu verlässt einer seine Gesprächsrunde, klettert über die Leitplanke und steht breitbeinig meditierend für etwa eine Minute ganz still auf dem Acker. Die nächste Ernte auf diesem Feld muss ganz besonders reich ausfallen.

So langsam lösen sich die Plauderrunden auf. Alle ziehen sich in ihre Fahrzeuge zurück. Ich gehe mit gutem Beispiel voran. Zuerst versuche ich, meinen Sitz so weit wie möglich zurück zu schieben und die Lehne nach hinten zu klappen. Nein, zum Schlafen ist das nicht geeignet. Ich probiere bestimmt eine Viertelstunde lang herum, bis ich eine halbwegs bequeme Position für mich gefunden habe. Eine, in der ich wenigstens ein kleines Nickerchen machen kann. Eine, in der mir nicht alle Glieder gleichzeitig einschlafen. Eine, aus der ich wenigstens eine kleine Chance habe, wieder hoch zu kommen.

Mir ist völlig unklar, wie es diese Superhelden in ihren engen Kisten schaffen, mit einer Lady das zu tun, was das Aussterben der Menschheit verhindern soll. Na gut, die Menschheit zu retten ist vielleicht in solchen Momenten nicht das primäre Ziel. Aber kann eine Wirbelsäule mit vielleicht zwanzig Bandscheiben, diesen grazilen, genialen Kunstwerken der Evolution, so etwas überhaupt aushalten? Drücken diese Teile nicht im Takt auf sämtliche Nerven, die für erotische Stimmung und Bluttransport verantwortlich zeichnen? Solche Filme sollten verboten werden. Sonst kommt noch jemand auf die geniale Idee, das nachzumachen. Unserer heutigen, experimentierfreudigen Jugend ist ja einfach alles zuzutrauen.

Man muss sich das mal bildlich vorstellen. Zuerst entledigen sie sich in diesem engen Gefährt ihrer Kleidung. Allein das ist eine Meisterleistung. Das Minimalprogramm „Hose runter“ ist ziemlich unerotisch und schränkt die Bewegungsfreiheit in der unteren Region drastisch ein. Dann liegt er auf dem zurückgeklappten Fahrersitz. Beim Anblick seiner Elfe liegt er natürlich nicht völlig flach. Einer steht, idealerweise. Dann kommt sie ins Spiel. Sie muss da noch drüber passen und alles richtig einfädeln. Ihr Arsch schrammt ganz stramm am Deckenposter entlang. Cabrio Fahrer sind klar im Vorteil. Wenn der Hintern zu dick oder sein Bierbauch zu rund ist, wird das nichts. Hoffentlich bleiben da oben keine Spuren zurück. Auch ein Rollentausch hilft hier nicht weiter. Dann würde sich sein Hintern unter dem Wagendach verklemmen. Seitlich geht es auch nicht. Es besteht akute Verwechslungsgefahr mit Gangschalthebel und Handbremse. Außerdem kann man sich unter der Handbremse etwas einklemmen. Wenn die plötzlich runtergedrückt wird, rollt die Kiste obendrein noch los. Wie peinlich, wenn dann die Rettungsmannschaften die große Blechschere zum Freischneiden ansetzen. Die werden von den natürlich nur rein zufällig anwesenden Reportern eines privaten Fernsehsenders zur Seite geschupst. Sie brauchen noch schnell ein Interview mit den Opfern und ein paar Bilder für die Abendnachrichten. Im Studio schreibt bereits der Anchorman seinen genialen Kommentar. Der Bericht wird in den nächsten Tagen solange wiederholt, bis die Meldung auch von den Öffentlich-Rechtlichen gebracht wird.

Nein, ein PKW ist für erotische Spielchen bestimmt der denkbar ungeeignete Ort. Selbst ein ganz normales Schläfchen gerät in einem PKW zum Martyrium. Kann Schlafen auf der mittleren Spur der A9 überhaupt als normal bezeichnet werden?

Ich gehe also erst einmal ein wenig zwischen den Autos spazieren. Mir fehlt eine Inspiration. Ganz unauffällig schaue ich mir an, wie die anderen das praktizieren. Vier Mann, davon drei Damen in einem Fiat Punto, mehr muss ich nicht sagen. Und der Kerl hinter dem Lenkrad sieht aus, wie Bud Spencer oder Obelix. Die Lady in ihren Porsche ist auch nicht zu beneiden. Die hat ja kaum eine Rückbank, kaum Platz, den Sitz nach hinten zu schieben. Ich gehe weiter. Ieh! Was ist denn das für eine Pfütze? Hat hier jemand hingepinkelt, genau zwischen die Autos? Direkt daneben steht ein VW. Ich quetsche mich an der Pfütze vorbei. Der Fahrer hat es ganz clever angestellt. Jetzt weiß ich Bescheid. Genau so werde ich es auch tun.

Ich schiebe den Beifahrersitz ganz nach vorn, klappe die Lehne um und klemme mich diagonal auf die Rückbank. Sämtliche Jacken schiebe ich unter meinen Kopf. Die Beine strecke ich auf den Beifahrersitz und schließe die Augen. Ja, so geht es einigermaßen.

Nach knapp einer Stunde tun mir die Knochen weh! Ich rappele mich hoch. Das ist wirklich nicht einfach! Ich laufe ein paar Schritte, diesmal in die andere Richtung. Die Blutzirkulation in meinem Inneren muss wieder in Schwung gebracht werden! Die Pferdetransportierer kümmern sich um die beiden Gäule. Die könnten doch die Karre hier stehenlassen und nach Hause galoppieren. Das sind dann zwar nur zwei bescheidene PS, aber besser als in einem 150 PS-Jeep mitten in der Vollsperrung zu versauern, ist das allemal.

Was ist denn da los? Ich wundere mich nur kurz, dann weiß ich Bescheid. Jetzt habe ich auch die Erklärung für die Lache, vorhin, weiter vorn, als ich auf der Suche nach einer Inspiration für die bequemste, sagen wir mal halbwegs akzeptable Position, zum Pennen war. Zwei PKW, nebeneinanderstehend, haben alle zueinanderzeigenden Türen sperrangelweit geöffnet, so dass ein Pinkelkäfig entsteht. Die drei Männer, die da etwas abseits stehend in die weite Ferne schauen, gehören bestimmt zu den Damen. Die Ladys hocken sich abwechselnd zwischen den Wagen. Endlich, es war wirklich nicht länger auszuhalten, oh, was für eine Wohltat! Sie, die Heldenhaften, retten den Beton dieser wundervollen Autobahn vor dem Austrocknen! Ich möchte da zwar nicht in der Nähe meine Zeit absitzen, aber hier ist man bereit, der Situation Opfer zu bringen. Was muss dieser verdammte Stau, diese verrückte Vollsperrung auch ausgerechnet hier, wo weit und breit kein Baum, kein Strauch, nur Wiese und flacher Acker zu finden sind, stattfinden! Sollte die Autobahnverwaltung nicht vorsichtshalber alle hundert Meter ein Dixiklo postieren? Ist ungestört Pinkeln nicht ein grundlegendes Menschenrecht?


Der dritte Teil der Geschichte erscheint etwa in einer Woche hier in diesem Blog.

Dann geht es um eine große Plastikflasche, einen Tsunami, noch einmal um zwei Dixiklos auf der Autobahn, einen Rettungswagen, der nicht vorbei kommt, Geisterfahrer im Stau, Wecker im Polizeiauto, ganz viel Bier und betrunkene Retter!

Teil 1 dieser Geschichte befindet sich hier.