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Ein Wahnsinnsname: Alice. So heißen Lottofeen, Wetterfrösche mit der Spezialrichtung Orkan oder die Anführerinnen von Räuberbanden. Als Piratenkapitänin hätte sie gute Chancen. Die Alice, die ich meine, hat von allen etwas.

Alice ist ein pfiffiges Mädel. Sie arbeitete fleißig. Stets hat sie ein paar Groschen in den Strumpf unterm Kopfkissen gesteckt. Sie saß in vielen Talkshows, laberte mit Männern um die Wette. Kerner ist kaum zu Wort gekommen. Sie kämpfte mit Verona, der elenden Verräterin. Sie schrieb Bücher, echte Bestseller. Leider verkauften sich die nicht so gut.

Die ganze Penunze aus der inzwischen geplatzten Socke hat sie gut angelegt. Der Strumpf war noch von ihrer Uroma, selbststricken ist in ihrem Metier nicht üblich. Sie hat die Moneten so gut platziert, dass nicht einmal der Fiskus das mitbekommen hat. Dann erfuhr sie von dem schrecklichen Schicksal, dass diesem Ulli H. widerfahren ist. Da trabte sie fix zum Finanzamt und hat gestanden. Sonst hätte sie gesessen, schlimmstenfalls mit Ulli H. in einer Zelle. Das verdient der nun wirklich nicht! Alice musste nur blechen. Dass dies bekannt wurde, ist nicht rechtens, denn es gibt ein Steuersündergeheimnis.

Alice wollte immer eine Vorkämpferin sein, eine für das Gute auf dieser Welt, für die Gleichberechtigung von Mann und Frau. Das ist ihr allerdings völlig misslungen. Sonst hätte sie das Fachblatt für die Emanzipation nicht „Emma“ genannt. Das klingt nicht nach Gleichberechtigung, eher nach altmodischem Talk mit der Kassierein im Supermarkt der Zwanziger des letzten Jahrhunderts. Selbst die „Praline“ ist titelmäßig gefühlt emanzipativer. Mann und Frau gleichermaßen lieben solche Schokoladenteilchen. Inwieweit in diesem Fachmagazin Männer und Frauen wirklich gleichberechtigt vorkommen, ist nicht überliefert, da fehlt noch eine wissenschaftliche Untersuchung.

Trotzdem, man glaubt es kaum, sind viele Männer der Meinung, dass die Gleichberechtigung von Mann und Frau in unsere Zeit gehört. Wenigstens zu 30 % und auch nur in den großen DAX-Unternehmen wollen sie von Frauen angeführt werden. Zumindest meinen das 401 der 631 Bundestagsabgeordneten. Oder hat etwa einer der Männer im Bundestag gegen die Frauenquote gestimmt? Ich habe da einen Verdacht. Horst ist in seinem schwarzen Inneren so ein ausgebuffter Oppositioneller.

Hoffentlich geht das gut! Die Frauenquote ist ein echtes Wagnis, ein furchtbar teures noch dazu. Dann tagen die Aufsichtsräte noch öfter. Nicht wegen des vermeintlichen Laberdrangs der Ladys. Oder, weil die ewig brauchen, bis sie das Smartphone in der Handtasche gefunden haben. Oder, weil es so lange dauert, bis sie vom Klo zurück sind. Dort wartet natürlich wieder diese wahnsinnig lange, hundertfüßige Schlange mit den verschränkten Beinen. Da gibt es nur einen Ausweg: Alle machen gemeinsam ein Überstündchen, ein Bezahltes.

Die Jungs im Aufsichtsrat sind völlig durcheinander, wollen bei den Damen einen tiefen Eindruck hinterlassen. Jeder denkt, die besten Gene zu haben, die einzigen, welche die Menschheit vor dem Untergang bewahren können. Sie schwenken ständig Kontoauszüge, Aktienpapiere und Fotos ihrer weltweiten Immobilien vor den Nasen der Damen. Hoffentlich bleiben die standhaft, standhafter als die Herren. Diese alten Aufsichtsratssäcke halten das nicht lange durch. Die lassen sich schnell hängen, schnaufen wie Walrösser in der Sahara. Das ist die Chance der Damen. Sie verpflichten den Vorstand, endlich den ewig versprochenen Kindergarten zu bauen und die Lüftung im Damen-Klo der Vorstandsetage reparieren zu lassen.

„Putsch! Revolution! Das ist der Untergang!“, jammern die Herren mit allerletzter Kraft. Und weil die Häppchen immer so lecker schmecken, verabreden sich die Damen gleich für den kommenden Dienstag zur nächsten Sitzung. Dann führt Isolde, die Vertreterin der Arbeitnehmerinnen im Aufsichtsrat, endlich ihr selbst gestricktes Leibchen vor. Alle sind mächtig gespannt. Der Vorschlag der Thusnelda von Schnippskuchen, künftig statt mit dem Flieger, mit der Bahn anzureisen und damit ein deutliches Zeichen für den Umweltschutz zu setzen, wird abgelehnt. Ebenso findet die Idee, eine Telefonkonferenz abzuhalten, wegen dieser leckeren Häppchen und dem Leibchen von Isolde keine Mehrheit.
„Ich muss dir ins Gesicht sehen, wenn du den Konzern ruinierst!“, hechelt Erwin Schröttelfuß. Alle wissen, dass er nicht das Gesicht, sondern den tiefen Ausschnitt von Thusneldas Bluse meint.

Wenn dieses Gesetz kommt, wird unser Land nur noch von Frauen regiert. Mutti, Manuela, Uschi, Andrea und die 30 % in den Aufsichtsräten, das macht satte 123 % – MIN-DES-TENS. Dann brauchen wir eine Männerquote auf der Welt, wenigstens 1 % Männer. Sonst stirbt die ganze Menschheit aus. Dann ist das Universum menschenleer. Es sei denn, Aliens werden zu den Menschen gerechnet. Oder die Aliens kommen, die Welt retten. Das hat schon einmal funktioniert. Ist Alice vielleicht ein Alien? Es klingt zum Verwechseln ähnlich.

Die Gleichberechtigung im Großen ist ein Experiment. Experimente gehören ins Labor. Der Konzernaufsichtsrat als Laboratorium, das könnte passen. Da geht bekanntlich öfter mal was schief. Im Labor ist so etwas nicht weiter schlimm. Im realen Leben hat das immer Folgen für diejenigen, welche die ganze Arbeit machen!

Wie steht es mit der Gleichberechtigung im Kleinen aus, in der Familie? Ist der Mann von heute den Anforderungen gewachsen? Das ist eine sehr interessante Frage, welcher der zweite Teil dieses Artikels nachgeht. Auch dort geht es um ein Experiment. Es wird ein hoch kompliziertes Experiment, dafür bürge ich als Experimentator und Ingenieur. Wir werden sehen, dass man den wissenschaftlichen Studien, selbst der renommiertesten Forschungseinrichtungen, nicht leichtfüßig Glauben schenken darf.