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Alafoss - Der Fluss

Alafoss – Der Fluss

Etwas Warmes braucht der Mensch

Wie verrückt ist es, im Winter nach Island zu reisen! Im Winter, da ist es doch kalt und dunkel!

Island wird vom Golfstrom umflossen. Dadurch ist es in den küstennahen Regionen kaum kälter als in Deutschland. Arktische Temperaturen muss man nicht befürchten. Im Landesinneren, im Hochland, da ist es jedoch saukalt. Aber dorthin kommt man in dieser Jahreszeit nicht. Die Pisten, Straßen gibt es dort kaum, haben sich unter einer dicken Schneedecke versteckt und sind gesperrt. Problematisch ist einzig und allein das Wetter, dieses typische Islandwetter, das sich alle paar Minuten ändert. Ein Schneesturm ist auch bei einer Temperatur in der Nähe des Gefrierpunkts ziemlich unangenehm. Dafür wird man entschädigt, wenn die Sonne strahlt.

Island liegt noch knapp unterhalb des Polarkreises. Nur eine Insel ganz im Norden wird vom Polarkreis gestreift. Ein klitzekleiner Teil liegt darüber. Das bedeutet, dass in Island die Sonne niemals ganztags unter und im Hochsommer ganztags über dem Horizont steht. Ja, zu Weihnachten ist es nur wenige Stunden um die Mittagszeit hell. Hell ist bei der niedrig stehenden Sonne jedoch relativ. Aber Mitte Februar dauert die Helligkeit schon etliche Stunden an. Man kann also durchaus etwas unternehmen. Und die Zeit zum Beobachten der Polarlichter ist noch lang genug.

Trotzdem: Auf Island ist noch richtiger Winter, eine Erscheinung, die in Mitteleuropa fast in Vergessenheit gerät. Also benötigt man entsprechende Kleidung. Winddicht und warm sollte sie sein. Eine Mütze, Handschuhe und Schal sind Pflicht.

Es passt gut zusammen. Auf Island leben mehr Schafe als Einwohner. Da fällt immer genügend Wolle an. Und die Isländer sind fleißige Spinner, Stricker und Häkeler. Flotte Pudelmützen, Schals und Islandpullover sind ihre Spezialität. Diese bekommt man überall zu kaufen. Und wenn man mehr als 5000 ISK (etwa 33 Euro) zusammen bekommt, erhält man bei der Ausreise die Mehrwertsteuer erstattet. Das ist eine gute Idee.

Alafoss - Wasserfall mit Trollgesicht

Alafoss – Wasserfall mit Trollgesicht

Fährt man von Reykjavik kommend auf der Ringstraße in nördliche Richtung, ist man schon fast am Alafoss, einem kleinen Wasserfall. Direkt neben diesem Wasserfall befindet sich ein großes Wollgeschäft. Als wir ankommen, sind die Frauen einfach nicht mehr zu halten und stürmen den Laden. Der Mann von heute geht die Sache ruhiger an und orientiert sich erst einmal in der Umgebung. Die Sondierung ergibt, dass sich dieser Wasserfall gleich hinter dem Verkaufsgebäude befindet. Also, nichts wie hin und durch den tiefen Schnee gestapft. Wenn man als Mitteleuropäer winter- und schneeentwöhnt ist, macht so etwas auch richtig Spaß. Einzig ein bunt angemalter Hochbehälter für das heiße Thermalwasser stört die Optik. Während von Süden die Sonne unter den Schneewolken hindurch strahlt, baut sich im Norden ein Unwetter auf, echtes Islandwetter eben. Ich fühle mich plötzlich beobachtet. Lugt da aus der Mitte des Wasserfalls ein Troll heraus?

Alafoss - Wolladen - Puffins

Alafoss – Wolladen – Puffins

Auch im Wollladen gibt es ein paar nette Fotomotive. Puffins, auch Papageitaucher genannt, sind nicht nur meine Lieblingsvögel, sondern auch beliebte Vorlagen für Andenken.

Weiter geht die Fahrt in Richtung Nord. Man unterquert im Hvalfjarðargöng, dem einzigen mautpflichtigen Autotunnel Islands, den Fjord Hvalfjörður und erreicht bald den Ort Borganes am Borgarfjörður. Hier gibt es ein nettes Museum nebst kleiner Gasstätte. Die angebotene Tagessuppe ist wirklich schmackhaft. Wenn man Zeit hat, kann man auch ein Schwimmbad besuchen.

Am Grabrok - Krater

Am Grabrok – Krater

Dann führt die Ringstraße in Richtung Nordost und man erreicht den Vulkankrater Grábrók. Eigentlich sind dies drei Krater. Der letzte Ausbruch war vor etwa 3600 Jahren. Allerdings sind es keine direkten Vulkane, sondern Explosionskrater. Sie entstanden durch mächtigen  Überdruck in einem Lavastrom. Der entsteht, wenn sich in der glühenden Lava große Gasmengen bilden. Dieses Gas explodiert und sprengt dabei das sogenannte “Lavadach“ einfach weg. Mehrere Gasblasen hinterlassen eine Kraterreihe. So einfach ist das. Auf den mittleren Krater führt ein Weg. Jetzt im Winter ist der beschwerlich und stellenweise sehr glatt. Spikes unter den Sohlen sind sehr zu empfehlen. Das Geländer, an dem man sich festhalten könnte, ist stellenweise auf Höhe der Fußgelenke. Es ist eben Winter und die Eis- und Schneeschicht interessiert sich nicht für Wege. Der Wind, er entwickelt sich schnell mal zu einem eisigen Schneesturm, kommt natürlich immer von vorn. Das kenne ich schon von zu Hause. Aber von oben, vom Kraterrand, hat man einen herrlichen Blick hinein in den Krater und über die Landschaft.

Am Grabrok - Schafspferch

Am Grabrok – Schafspferch

Unterhalb des Grábrók befindet sich zum Sortieren der Schafe ein Pferch mit unterschiedlich großen Segmenten. Darin werden die Tiere im Herbst zusammengetrieben und auf die einzelnen Höfe aufgeteilt. Der hier ist aus Steinen gebaut. Die hat man auf Island zur Genüge. Im Sommer tummeln sich die Schafe überall mutterseelenallein in der Landschaft. Sie futtern hier mal, dann dort und wachsen gemütlich vor sich hin. Zwischendurch machen sie Mittagsschlaf, egal, wie spät es gerade ist. Kein Schäfer, erst recht kein Hütehund stört sie dabei. Artgerechte Tierhaltung ist das. Allerdings müssen sie dann im Herbst eingesammelt werden und tauschen die kalte winterliche Landschaft gegen einen warmen Stall. Außerdem haben die Muttertiere dann ihren Pullover eingebüßt und erwarten gegen Ende des Winters ihren Nachwuchs.