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Reykholt - Neue Kirche

Reykholt – Neue Kirche

„Atomkraft – Nein danke!“

Dieser Spruch ist in Island wenig verbreitet. Auf Island gibt es weder Atom-, noch Kohle- oder Erdölkraftwerke. Windräder habe ich dort auch nicht gesehen. Obwohl Island nie unter einem Mangel an Wind leidet. Solarpaneele lohnen sich in einem Land so nah am Polarkreis sowieso nicht.

Trotzdem besitzt Island ausreichende Energieressourcen. Das Zauberwort heißt ‚Wasser‘. Die isländische Stromerzeugung basiert auf Wasserkraft und Thermalenergie. Letztere wird in weiten Landesteilen intensiv gefördert. Man bohrt einfach ein Loch in die Erde, wenn es sein muss, mehrere Tausend Meter tief und dann strömt heißes, stinkendes Wasser heraus. In der Blauen Lagune kann man darin auch baden. Es heißt, die gelösten Mineralien würden die Haut zehn Jahre jünger machen. Ich habe so etwas nicht feststellen können. Nach einem Bad in dem etwa 40 °C heißen Wasser, sah ich eher älter aus, jedenfalls ziemlich faltig, ringsherum. Man könnte auch sagen, fast wie ein Neugeborenes, nur größer und nicht quakend. Das würde die Theorie mit dem Jüngerwerden bestätigen. Allerdings stand die Blaue Lagune erst am letzten Tag der Reise auf dem Programm.

Vom Grábrók kommend, ging es nach Deildartunguhver. Dort ist eine mächtige Heißwasserquelle, die 180 Liter Wasser (97 °C) pro Sekunde liefert. Das ist echt heiß! Das Wasser wird durch eine 74 km lange Leitung bis nach Akranes, Borganes und Hvanneyri gepumpt. Es benötigt etwa einen Tag für seine Reise und kühlt nur etwa um 20 Grad ab. Den Touris zuliebe lässt man in Deildartunguhver etwas von der heißen Eiergestanksuppe einfach so herausgluckern. Ja, das sieht nett aus, gluckert schön und duftet friedlich.

Hraunfossar

Hraunfossar

Aber! Ein Antrieb für meine Islandreise waren die Wasserfälle. Ich wollte sie im Winter sehen. Jetzt ging die Fahrt zum Hraunfossar und Barnafoss! Beide kenne ich von Besuchen im Sommer. Wie sieht es dort im Winter aus?

Der Hraunfossar kommt etwa einen Kilometer lang aus einer porösen Lavaschicht heraus und ergießt sich in den Hvítá. Dies ist ein vom Langjökull gespeister Gletscherfluss mit dem typischen hellblauen Wasser. Der Hraunfossar bietet zu jeder Jahreszeit einen faszinierenden Anblick. Jetzt im Winter wachsen dort viele Eiszapfen. Wir hatten wieder einmal Glück mit dem Wetter. Es hatte tüchtig geschneit. Nun schien die Sonne und wir konnten bis zum nächsten Schneeschauer genießen.

Barnafoss

Barnafoss

Gleich oberhalb des Hraunfossar sprudelt der Barnafoss. Das ist ein klassischer Wasserfall, so wie man ihn sich vorstellt:

Fluss kommt an und purzelt in die Tiefe.

Der Barnafoss ist sehr felsenhaltig. Es gibt mächtige Engstellen und gewaltige Strömungen. Eine Brücke über den Fluss und Aussichtsplattformen lassen ihn gut anschauen. Jetzt im Winter ist das Balancieren auf der felsigen Gegenseite nicht empfehlenswert. Es sei denn, man möchte den Rückflug sparen. Das Wasser macht einen saumäßig kalten Eindruck. Ich blieb artig auf den befestigten Wegen. Da oben ist alles total vereist.

Zum Barnafoss gibt es eine nette Geschichte. So richtig nett ist diese Story allerdings nicht:

Die Bewohner des Hofs Hraunsás fuhren zur Weihnachtsmesse, liessen aber die beiden Kinder zu Hause. Als sie heimkehrten, waren die Kinder fort. Ihre Spur führte zu einem Steinbogen über den Fluss. Die unglückliche Mutter ließ daraufhin diesen Bogen zerstören, sodass niemals wieder jemand in den Fluss stürzt. Seitdem heißt der Barnafoss auch der ‚Kinderwasserfall‘.

Im Sommer findet man an den Wegen viel von diesem wundervollen Wollgras. Jetzt, im Winter schläft es unter einer dicken Schneeschicht. Ich mag dieses Wollgras sehr, besonders, wenn große Flächen damit bedeckt sind. Irgendwie hat es Ähnlichkeit zu den weiten Schneeflächen.

Mein Kumpel, der Troll

Mein Kumpel, der Troll

In Island wohnen Isländer, Islandpferde, Schafe, Kühe, Polarfüchse, …, Trolle und … Nein und nochmals nein! Diesen Namen erwähne ich jetzt nicht!!! Schließlich will ich wieder nach Island, in dieses Wahnsinnsland. Und wenn die merken, dass ich ihren Namen genannt habe, … Das Risiko ist einfach zu groß! Wer dieses Risiko tragen möchte, zähle von Zehn bis Zwölf. Dann weiß man, wen ich meine.

„Na los, zähl! Oder hast Du etwa Angst?“

Jedenfalls fühlte ich mich plötzlich beobachtet. Ja, da guckte wer! Nein, meine Mitreisenden waren es nicht. Die peilten alle woanders hin, zum Hraunfossar, zum Barnafoss. Ich spürte es deutlich! Als erfahrener Islandfuchs habe ich sofort einen Verdacht. Es kann nur ein Troll sein, der da glotzt.

Ja! Es war ein Troll. Er hat mich die ganze Zeit über beobachtet. Mich trixt der nicht aus, ich habe ihn entdeckt!

„Hey, Alter, wie geht es Dir? Hast Du Langeweile?“

Der scheint schon ein paar Jahrhunderte, da gewartet zu haben. Jetzt sind wir Freunde. Ich habe immer ganz verrückte Freunde. Ich erinnere nur an meinen Kumpel Hugo von Fürsteneck, das Burggespenst.

Über Trolle und … berichte ich demnächst, wenn wir an der Südküste von Island angekommen sind, so etwa an der südlichsten Stelle. Die Basaltzacken „Reynisdranger“ sind nämlich die steinernen Kumpels von meinem neuen Trollfreund.

Ein Höhepunkt der Reise war die Übernachtung in Reykholt. Hier hat Snorri Sturluson gelebt. Das ist lange her! Er lebte von 1179 – 1241. Jetzt gibt es dort seine alte Kirche, sein Grab, seinen heißen Pott und ein großes Denkmal. Snorri war Gode. Das war so eine Art König. Er war zweimal in der Position des Gesetzessprechers im isländischen Parlament, dem Althing. Während seiner Zeit war es ziemlich friedlich. Das hat nicht allen gefallen. Sein früherer Schwiegersohn hat ihn dann im Auftrag des norwegischen Königs ermordet. Zu den historischen Ereignissen gibt es mehr beim Besuch in Þingvellir.

Snorri war außerdem einer der größten Schriftsteller seiner Zeit. Oder war er der Größte? Er schrieb die Heimskringla, die Geschichte der norwegischen Könige, das berühmte Buch über Poetik und nordische Mythologie, die Prosa-Edda und, man nimmt es an, auch die Egill-Saga. Da sich die isländische Sprache im Verlauf der Jahrhunderte kaum verändert hat, können die Isländer die Sagas heute noch lesen. So mancher junge Isländer fühlt sich gequält, wenn er hausaufgabenbeladen aus der Schule heimkommt. In den Sagas geht es häufig um Mord und Totschlag. Es gibt viele Hinweise auf die isländische Geschichte.

Jedenfalls habe ich dort zwei Nächte gewohnt, unmittelbar neben Snorris Wirkungsstätte. Vielleicht hat sein schriftstellerisches Talent wenigstens ein ganz klein wenig auf mich abgefärbt! Man darf ja mal hoffen. Das ist wie beim Lottospielen.

Der Ort ist klein. Der Ort ist irgendwie magisch. Direkt hinter dem Hotel sieht man auf den Friedhof, einen ungewöhnlichen Friedhof. Leuchtende Kreuze stehen auf jedem Grab. Dahinter die beiden Kirchen, eine etwas Neuere und SEINE alte Kirche!

Die Isländer sind größtenteils evangelisch. Das haben die Goden auf dem Thing ausbaldowert. Aber sie dürfen zu Hause an ihre heidnischen Geister glauben und Pferdefleisch futtern. Isländer sind sehr pragmatisch. Das müssen sie in diesem Land sein.

Im Hotel gab es heiße Schokolade zu trinken, so als spätabendlichen Betthupferl. Wir waren in der Faschingszeit dort und durften dazu eine typisch isländische Faschingsspezialität Vatnsdeigsbollur (Brandteig-Krapfen) futtern. Das erinnert an einen kleinen Windbeutel mit Cremefüllung. War wirklich lecker!

Und dann kam die Nacht! Was ist da passiert? Das verrate ich im nächsten Teil des Reiseberichts ‚Island im Winter‘.