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Nordlicht

Nordlicht

Wer im Winter nach Island düst, möchte natürlich Nordlichter sehen.

Diese meistens grünen, tanzenden Lichtbänder am winternächtlichen Himmel faszinieren die Menschen seit eh und je. Früher entstanden Mythen, verbreiteten diese unerklärlichen Erscheinungen eher Angst. Heute kennen wir die Ursachen und sind einfach begeistert.

Ich bin Ingenieur. Deshalb beginnen wir mit der Theorie.

Nordlichter- aurora borealis

Das Nordlicht, auch Polarlicht, wissenschaftlich Aurora borealis genannt, ist ein beeindruckendes Phänomenen der nordischen Länder, einschließlich Islands.

Was braucht man zum Beobachten von Nordlichtern?

Glück ist ganz wichtig, wie so oft im Leben. Es muss dunkel sein – logisch! In den Wintermonaten ist diese Voraussetzung in der Nähe des Polarkreises gegeben. Wolken am Himmel sind eher ungünstig. Wenn die Grundvoraussetzungen erfüllt sind, legt man den Kopf in den Nacken und staunt.

Wie entstehen Nordlichter?

Nordlicht entsteht, wenn geladene Teilchen (Sonnenwind) auf die Erdatmosphäre treffen. Sie bringen die Luftmoleküle zum Leuchten. Das Magnetfeld der Erde lenkt diese Teilchen so ab, das sie vor allem in der Nähe magnetischen Polen in die Erdatmosphäre eindringen.

Der Sonnenwind entsteht, wenn es auf der Sonne zu Eruptionen kommt. Besonders in den starken Phasen der periodisch schwankenden Sonnenaktivität kommt es zu solchen Ausbrüchen. Ein paar Tage später treffen diese Teilchen bei uns ein. Solange dauert es, obwohl sie sich mit etwa 500 bis 850 km/Sekunde ausbreiten. Zum Vergleich: Die Lichtgeschwindigkeit liegt bei 300.000 km/Sekunde. Licht benötigt für diese Strecke etwa acht Minuten.

Die geladenen Teilchen des Sonnenwindes treffen in einer Höhe von 70 bis 400 Kilometern auf die Moleküle unserer Luft. Dabei laden sie die Atome der Atmosphäre energetisch auf. Die äußeren Elektronen springen auf ein höheres Energieniveau. Einen Moment später wird die Energie als Licht wieder abgegeben. Die Elektronen springen wieder zurück auf ihre heimatliche Bahn um den Atomkern. Wenn dies bei sehr vielen Teilchen gleichzeitig passiert, können wir die Nordlichter sehen. Der Himmel glüht in den verschiedensten Farben.

Im Internet gibt es viele Portale, in denen die Wahrscheinlichkeit und Stärke der Polarlichter anhand von Beobachtungen der Sonnenaktivitäten vorhergesagt werden. Die Intensität der Nordlichter wird als K-Wert angegeben. Ein K-Wert ab 4 weißt auf gute Beobachtungsmöglichkeiten hin. Ab K 6 könnte das Nordlicht vielleicht auch in Deutschland beobachtet werden.

Wie sehen Nordlichter aus?

Die meisten Nordlichter erscheinen grün und entstehen durch Sauerstoffatome in ca. 100 km Höhe. Oberhalb von 200 km geht das Nordlicht ins rötliche über. Stickstoffatome, die sehr hohe Anregungsenergien benötigen, erzeugen blaues Licht. Deshalb ist bei besonders starken Nordlichtern in südlicheren Regionen, die bis nach Deutschland, im Extremfall bis in den Mittelmeerraum reichen können, vor allem rote Nordlichter zu sehen.

Die Erscheinungsformen von Nordlichtern sind sehr unterschiedlich. Häufig sind es ruhige Schleier oder Girlanden. Es gibt auch pulsierende Nordlichter. Aktive Nordlichter entwickeln und verändern sich ständig. Man spricht von tanzenden Lichtern.

Wo kann man Nordlichter beobachten?

Nordlichter kann man häufig über einer Linie von 60′ nördlicher Breite beobachten. Am Nordpol sind sie selten.

Auch im Süden gibt es sie. Dort heißen sie Südlicht (wissenschaftlich: Aurora australis).

Die Teilchen des Sonnenwindes treffen von allen Seiten in Richtung der Magnetpole auf und werden dann vom Magnetfeld abgelenkt. Dadurch entstehen Nordlichter in einem kreisförmigen Bereich um die Pole, dem Polarlichtoval.

Das Nordlichtoval verläuft über Nordskandinavien, Island, die Südspitze Grönlands, den Norden Kanadas und Alaska sowie die Nordküste von Sibirien.

Und nun folgt die Praxis:

Wie kann man Nordlichter fotografieren?

Die Nordlichter erscheinen uns recht lichtstark. Wir profitieren von den unglaublichen Fähigkeiten unserer Augen. Die können extrem lichtschwache und äußerst lichtstarke Objekte erkennen. So empfindlich ist kein Fotoapparat. Deshalb müssen man beim Fotografieren von Nordlichtern einige Punkte beachtet werden.

Rechtzeitig vor der Fotosession sollte man die Location checken. Es muss ein Ort sein, der möglichst dunkel ist, wo es keine störenden Lichter, Bäume oder Gebäude gibt.

Ohne eine leistungsfähige Spiegelreflexkamera, ein Stativ, warme Unterwäsche, Pudelmütze und Handschuhe geht es nicht. Das Objektiv sollte lichtstark und eher weitwinklig sein. Blitz, Autofokus, Rauschunterdrückung und Bildstabilisator schaltet man aus. Das ist wichtig!

Den ISO-Wert wird man auf mindestens 800 gesetzt. Da muss man einen Kompromiss finden. Zu große ISO-Werte befördern das Rauschen, zu kleine haben sehr lange Belichtungszeiten zur Folge. Die Blende wird weit auf gemacht (kleine Zahl) und den Schärfepunkt setzt man auf unendlich. Als Belichtungszeit kann man 15 bis 20 Sekunden einstellen. Jetzt sieht man, weshalb Kompaktkameras untauglich sind. Man benötigt den manuellen Modus, Automatiken helfen absolut nicht weiter.

Natürlich nehmen wir die Bilder im RAW-Format auf. Das gibt später wesentlich größere Möglichkeiten der digitalen Nachbearbeitung.

Das alles stellen wir am Abend vor dem Schlafengehen an der Kamera ein. Sie wird auch schon auf das Stativ gesetzt. Ein voller Akku und eine leere Speicherkarte sind sehr zu empfehlen. Die langen Belichtungszeiten fressen regelrecht Strom und bei Kälte macht der Akku schnell schlapp. Außerdem schießt man erfahrungsgemäß sehr viele Bilder.

Die warmen Klamotten liegen griffbereit und in der richtigen Reihenfolge zum Anziehen bereit. Eine kleine Taschenlampe in der Tasche der Jacke sollte auf keinen Fall vergessen werden. Dann hüpft man in die Falle. Paarweise grunzen ist zulässig. Wenn nur einer schnarcht, ist das möglicherweise ungünstig.

ALARM und Attacke!

Was nun kommt sollte generalstabmäßig vorbereitet werden. Wenn Nordlichter am Himmel erscheinen, muss ein Alarmstart erfolgen. Alle Beteiligten werden geweckt. Am besten ist es, dies rechtzeitig mit dem Portier des Hotels oder dem Reiseführer abzusprechen.

Nun heißt es

„Augen auf, raus aus dem Bett, rein in die Buxe, Fotokram geschnappt und ab Marsch!“

Das alles dauert nur Sekundenbruchteile, maximal wenige Minuten.

Tipp am Rande:

Der Nordlicht-Profi legt seine Zudecke ordentlich über das Bett, so dass jedes Milligrad Bettwärme erhalten bleibt. Das kommt uns später zugute!

Das Zielen auf das Motiv ist etwas kompliziert. Da ist Fingerspitzengefühl gefragt. Im Sucher ist bei dieser verdammten Dunkelheit natürlich kaum etwas zu erkennen. Man kann sich eventuell an ein paar Lichtern etwas entfernter Ortschaften, so es die gibt, orientieren. Auf dem Monitor sieht man dann, ob die Richtung stimmt.

Nach den ersten Schüssen sollte man die Ergebnisse kontrollieren und eine Feinjustage der Parameter vornehmen. Wichtigste Stellschraube ist die Belichtungszeit. Fototechnisch betrachtet sind statische Nordlichter bei den genannten Belichtungszeiten natürlich günstiger.

Je nach Dauer des Fotografierens krabbelt man nach einer halben oder ganzen Stunde total erfroren und glücklich zurück in die Falle. Dick Einmummeln ist zwar Pflicht, hilft aber auf Dauer nur bedingt. Beim Fotografieren steht man bekanntlich auf der Stelle und bewegt kaum mehr als den Zeigefinger.

Tipp am Rande:

Das Akku-Aufladen für den nächsten Tag nicht vergessen!