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Eine Ostergeschichte

Was war zuerst da? Natürlich das Ei, genauer gesagt zwei Stück davon. Mit einem einzigen Ei wäre die gesamte Evolution der Eier schon zu Beginn ins Stocken geraten.

Ostereier-Liebespaar

Ostereier-Liebespaar

Eugenius Eiermann hat sich spontan in Friederike Eierig verguckt. Das ist kein Wunder, bei diesen Augen, diesem fantastischen, makellosen Profil. Keine Sekunde kann er den Blick von ihr lassen. Was gibt es schöneres als Liebe im Frühling, zu Ostern, zu dieser Schönheit? Reinweg gar nichts gibt es da.

Eugenius zerschmilzt beinahe vor Freude, beim Anblick der Angebeteten. Eugenius ist ein Genießer. Das sieht man ihm schon von Weitem an. Liebevoll schließt er seine Äuglein und denkt. Er denkt an sie, nur an sie, seine wundervolle Friederike.

Friederike ist glücklich. Sie ist glücklich, wie es nur ein Ei zu Ostern sein kann. Ohne ihren Eugenius wäre das Leben triest, langweilig wie der letzte Tatort, öde wie ein angeknabberter Harzer Roller, spannend wie Damenklos im Einkaufszentrum.

gelbe Blume

gelbe Blume

Mitten im Denken treffen sich die Gedanken von Eugenius und Friederike auf einer grünen Wiese. Das Grün ist noch etwas fad, es ist noch früh im Jahr, aber Potenzial hat die Wiese, das ist klar wie Gurkensuppe! Eine kleine gelbe Blume steht einsam darauf. Die Gedanken umschweben sie wie ein Reigen kleiner Feen, wie hundert Schmetterlinge, wie Millionen Mücken die Menschen auf den Kähnen im Spreewald.

„Was ist das?“, fragt Eugenius total erschrocken. Seiner Friederike läuft ein Schauer körnigen Grausens den Rücken hinab. Nein, das Aprilwetter hat nicht zugeschlagen. Das Aprilwetter scheint ausnahmsweise noch ein wenig zu schlafen, hatte es doch in den letzten Tagen mächtig viel zu tun. Gönnen wir dem Aprilwetter seine verdiente Ruhepause. Möge es eine ausgiebige Pause zum Verschnaufen einlegen! Niemand würde sich beschweren, wenn es gar bis zum 30. April pennen würde.

„Irgendwer hat sich heimlich angeschlichen!“, flüstert Eugenius seiner Geliebten in ihr süßes Öhrchen.
„Das sind sogar mehrere! Und dahinten sehe ich noch einen! EUGENIUS! Du must mich retten!“. Längst ist der Beschützerinstinkt in dem Eiermann erwacht. Mit grimmigen Blick sieht er den Bösewichten in ihre Gesichter. Das macht Eindruck, ein ganz klein wenig. Leider zittert selbst sein grimmigster Eierblick so stark vor Angst, dass die Wirkung auf diese Lausejungen eher von der kleinen, kaum erkennbaren Sorte ist.

Plötzlich passiert etwas völlig Unerwartetes. Diese frechen Ganoven rennen weg.
„Gerettet, wir sind gerettet!“, jubiliert Friederike erleichtert und mit liebevollen Blick auf ihren Helden. Eugenius fallen derweil riesige Felsbrocken, man könnte meinen, es wären kleine Berge, vielleicht sogar ein Hochgebirge, eines mit mehreren Achttausendern, vom Herzen. Endlich kann er sich seiner Liebe zu Friederike, diesem wundervollen Ei, wieder voll und ganz hingeben! Eierliebe im Frühjahr ist etwas Wundervolles!

Hühner aus Freilandhaltung

Hühner aus Freilandhaltung

Friederike und Eugenius bekommen Besuch. Es sind die beiden Feld-, Wald- und Wiesenhühner Margaritha und Margitta. Die leben in Freilandhaltung gleich hinter dem Misthaufen von Bauer Klosebrutz. Sie sind heute, weil Ostern ist, einfach mal ausgebüchst. Ausnahmsweise fängt Eugenius diesmal keinen Streit über die Frage, was zuerst da war, an. Wirklich nur ausnahmsweise.

Es kommen noch mehr Freunde. Sogar Quak, der Frosch ist erschienen! Eugenius und Friederike freuen sich mächtig. Nach und nach gesellen sich weitere Freunde zu ihnen.

Freunde

Freunde

Es wird ein wunderschönes Osterfest. Sie singen und tanzen. Sie schwatzen stundenlang, die Mädels natürlich besonders. Jungs schwatzen nicht, sie debattieren. Sie schwärmen von diesen wundervollen Kurven, ereifern sich, welche die Ihre sein wird. Sie versuchen, sich gegenseitig mit ihren unglaublichsten Liebesabenteuern zu übertrumpfen. Wenn die alle

Noch mehr Freunde

Noch mehr Freunde

tatsächlich stattgefunden hätten: Die Welt wäre ein unendlicher Sündenpfuhl!

Plötzlich tritt Stille ein, eine ganz besonders stille Stille sogar. Selbst der leise Windhauch, welcher die ganze Zeit für eine leichte Erfrischung sorgte, ist verschwunden. Eine Horde, eine ganze Horde wilder Jungs gesellt sich zu ihnen.

Überraschungsgäste

Überraschungsgäste

Margaritha meint, diese Burschen schon einmal gesehen zu haben. Diese dicken, roten Mäntel kämen ihr irgendwie bekannt vor. Quak ergänzt, dass er mal von einer Geschichte aus dem Winterland gehört hätte, wo solche Gestalten leben. Genaues kann er nicht sagen, denn im Winterland ist er wegen seines Winterschlafs noch nie gewesen. Pünktchen, die kleine Siebenpunktkäferine piepst
„Die kommen doch aus dem Weihnachtsmannland. Eigentlich sollten sie jetzt schlafen. Hoffentlich sind die von der Klimakatastrophe in ihrem Biorhythmus nicht total durcheinandergebracht worden!“. Pünktchen ist ein besonders schlauer Marienkäfer. Sie sitzt in der Schule immer in der ersten Reihe, passt genau auf, was die Marienkäferlehrerin erzählt, schläft nie im Unterricht und quatscht auch nicht mit ihrer Banknachbarin. Sogar die Hausaufgaben erledigt sie stets. Deshalb können die anderen Marienkäferkinder Pünktchen auch nicht leiden und malen ihr manchmal sogar einen achten Punkt auf den Rücken. Neulich wollte ein besonders frecher Mitschüler einen ihrer Punkte wegradieren! Da ist sie fix zur Mobbingbeauftragten der Schule geflitzt und hat sich beschwert. Der Frechdachs musste daraufhin siebenundsiebzigkommasieben Mal in sein Heft den Satz
„Ich darf Siebenpunkt nicht ärgern!“, schreiben. Schusselig, wie der ist, vergas er stets dasselbe Wort in diesem Satz. Er wurde am nächsten Tag von den Marienkäferschülern als Held gefeiert.

Jedenfalls weiß man nun, um welche Art Besucher es sich handelt. Zuerst benehmen sich die neuen Gäste ganz manierlich, sind regelrecht schüchtern. Das kommt allen höchst verdächtig vor. Männer in rotem Mantel können gar nicht schüchtern sein!

Doch dann beginnen diese Gestalten, diese Halunken, diese Bagaluten Geschichten zu erzählen. Das ist an sich nicht schlecht und das gemeine Kind würde so etwas von diesen Typen vielleicht sogar erwarten.

Nebenbei stellt sich heraus, dass diese Männer Anhänger der Fußballmannschaft 1. FC St. Nikolaus sind. Einer Mannschaft, die in den letzten sieben Jahren kein einziges Tor geschossen hat, die zwischenzeitlich in die elfte Liga im Weihnachtsmannland abgestiegen ist, die aber die sieben treuesten Anhänger hat.

Die Geschichten werden mit der Zeit immer frivoler. Wobei das Wort ‚frivol‘ den Inhalt dieser Geschichten bald nicht mehr annähernd richtig beschreibt. In den Geschichten kommen Wörter vor, die hier nicht wiedergegeben werden können. Dieser Blog ist FSK 0. Es kann auch nicht sichergestellt werden, dass diese Geschichte nur zwischen 22 Uhr abends und 4 Uhr morgens gelesen werden kann. Außerdem müsste ein Hinweisschild mit dem Text:

„Diese Geschichte ist für Leser unter 16 Jahren nicht geeignet!“

eingeblendet werden. Das überfordert wordpress.com total.

Die Geschichten dieser Männer werden von Minute zu Viertelstunde immer schlimmer. Einige der Freunde können es nicht mehr aushalten, sie laufen davon. Die Stories werden immer heißer. Der Marienkäfermann findet sie gar erquicklich. Doch er erntet wegen einer entsprechenden Äußerung heftigste Kritik, die von der Drohung

„Wenn das Deine Madam mitgekommt!“, gekrönt wird.

Eugenius sieht mit Sorge, wie die Wangen seiner Friederike immer roter werden. Überhitzt sie gar. Das wäre fatal. Sie schämt sicht fürchterlich. Er schämt sich mit ihr. Geteiltes Schämen ist bekanntlich doppeltes Schämen. Aber das nützt alles nichts. Die Weihnachtsmänner sind unerbittlich.

Genau in diesem Moment schwärmt der Oberweihnachtsmann, der größte von ihnen, von diesem Fußballspiel im fernen Georgien. Er meint, dass die Deutschen es beinahe haushoch verloren hätten. Besser wäre gewesen, wenn Jogi den gesamten Sturm vom 1. FC St. Nikolaus eingesetzt hätte! Mit ihren roten Pelzmänteln hätten sie die Georgier völlig durcheinander gebracht.

„Zweistellig hätten die gewonnen!“, prophezeit er.
„Die Georgier!“, flüstert Eugenius seiner Geliebten ins Ohr und verschließt es mit einem seiner berühmten Schmeichelküsse, die Friederike besonders gerne hat.

„Hach! Keine Ahnung habt ihr!“, ruft der Weihnachtsmann.

Der Flitzer

Der Flitzer

Genau in diesem Moment kommt ein Flitzer angerannt, einer von der Weihnachtsmännerbrigade und stellt sich total, aber so etwas von total nackig zu der bislang so friedlichen Ostergesellschaft.

Damit hatte niemand gerechnet.

„Das habe ich beim letzten Spiel der Nationalmannschaft gelernt!“, sagt der Sünder, „Außerdem ist es mir mit diesen dicken Pelzmantel viel zu heiß!“
„Wir setzen ein Zeichen gegen die Pelzmafia!“, ergänzt der große Weihnachtsmann.

Eugenius ist wütend. Und wenn Eugenius wütend ist, dann ist er wütend. So geht das hier ja nun wirklich nicht.
„Das ist eine gesittete Osterfeier! Das ist kein Fußballspiel! Und ein Weihnachtsfest im Puff von Honolulu schon gar nicht! Verschwindet! Ihr, ihr …“, Eugenius fällt nicht ein, wie er diese Typen, von denen einer splitternackt dasteht, bezeichnen soll. Er muss sich ja mit seiner Wortwahl etwas zügeln, schließlich sitzt seine Herzdame, seine Geliebte, seine Allerallerallerbeste neben ihm. Aber verteidigen muss er sie. Das steht fest, das ist er sich und natürlich ihr schuldig!

„Unternimm etwas!“, säuselt Friederike mit letzter Kraft. Eugenius sieht ihr an, dass sie jeden Moment in Ohnmacht fallen könnte. Das muss er unbedingt verhindern. Eugenius entschließt sich zu einem drastischen Schritt.

Damit hatte niemand gerechnet.

halbnackt

halbnackt

Eugenius stürzt sich auf diesen Hallunken, überrollt ihn regelrecht und beißt ihm den Kopf ab.
„Hm, das schmeckt gut!“ denkt er und geniest seine Beute. Na ja, irgendwie hat der einen etwas überlagerten Nachgeschmack. Friederike sieht ihn mit einem so merkwürdigen Blick an. So als wolle sie mit dem Anflug eines Vorwurfs sagen:
„Du beißt diesem Bösewicht den Kopf ab, verschlingst ihn regelrecht und das scheint dir auch noch zu gefallen!“.
„Frauen kann man es eben nie recht machen!“

Die Flucht

Die Flucht

Der große Weihnachtsmann bekommt einen Schreck. Das hat er diesem aalglatten Eierkerl wirklich nicht zugetraut. Der scheint unberechenbar zu sein. Irgendwie ist ihn jetzt nicht wohl zumute. Er fürchtet, diese Ostergesellen wollen ihm an den Pelz! Also nichts wie weg, sonst muss er beim nächsten Weihnachtsfest womöglich in seinem ausgeleierten Jogginganzug kommen.
„Nein, zum Gespött der Kinder möchte ich nicht werden!“. Klammheimlich entfernt er sich.

Reste

Reste

Eugenius ist in Rage geraten. Der Erfolg seines Angriffs hat ihn mutig werden lassen. Irgendwelche Glückshormone kreisen plötzlich in ihm. Da entschließt er sich, natürlich rein vorsorglich, den Gegner endgültig und vollständig zu vernichten. Er stürzt sich auf ihn. Der kann sich sowieso nicht mehr wehren und es ist ein Leichtes für Eugenius, den Kerl zu vernichten. Um seine Braut nicht zu sehr zu verärgern, macht er beim Verzehr des Gegners ein sehr angestrengtes, ein eher neutrales Gesicht. Im letzten, im allerletzten Moment entschließt er sich, ihr, seiner Geliebten, seiner holden Schönheit, dem Traum seiner Träume ein klitzekleines Stückchen von des Gegners großen braunen Zeh in ihre süße Schnute zu schieben. Ein Strahlen lieg ich ihrem Gesicht. Genau so mag Eugenius seine liebe Friederike am liebsten, am allerallerallerliebsten.

Die Kunde vom Sieg über die furchtbaren Rotmäntel verbreitet sich in Windeseile. Mit mehrfacher Schallgeschwindigkeit – nein – mit hundertelffacher Lichtgeschwindigkeit umrundet sie den Planeten, kriecht in jedes noch so kleine Loch. Die Freunde, welche vorhin angstgeladen den Schauplatz, die Kampfarena, den Hexenkessel verließen, kommen freudestrahlend zurück.

Das große Fest

Das große Fest

Es wird ein wundervoller Ostertag.

Und wenn sie nicht gestorben sind, dann feiern sie auch heute, wie jedes Jahr.

 

 

 

„Da rennt ‚‘ne Maus, und die Geschichte ist aus.“, sagt der Großvater immer zu seinem Enkelkind anno irgendwann im letzten Jahrtausend.